HERISAU: Den Lohn ins Licht rücken

Seit gestern gastiert das Lohnmobil auf dem Obstmarkt Herisau. Infomaterial soll über die Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau informieren und die Menschen für das Thema sensibilisieren.

Alessia Pagani
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Auf dem Obstmarkt Herisau über Lohnungleichheit sprechen: Gemeindepräsident Renzo Andreani, Landammann Matthias Weishaupt, Maria Huber vom Schweizerischen Verband des Personals öffentlicher Dienste und der Unternehmer Thomas Zuberbühler. (Bild: Alessia Pagani)

Auf dem Obstmarkt Herisau über Lohnungleichheit sprechen: Gemeindepräsident Renzo Andreani, Landammann Matthias Weishaupt, Maria Huber vom Schweizerischen Verband des Personals öffentlicher Dienste und der Unternehmer Thomas Zuberbühler. (Bild: Alessia Pagani)

HERISAU. «Leider müssen wir heute feststellen, dass sich in Bezug auf die Lohnungleichheit nicht viel verändert hat. Im Gegenteil: In gewissen Branchen ist die Lohnschere wieder auseinander gegangen», sagte Maria Huber vom Schweizerischen Verband des Personals öffentlicher Dienste gestern auf dem Obstmarkt Herisau. Dort steht bis Freitag das Lohnmobil – eine Wanderausstellung mit dem Ziel, auf die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen aufmerksam zu machen, Gespräche über den Lohn anzuregen und Arbeitnehmer für den Wert der geleisteten Arbeit zu sensibilisieren. Die Ausstellung wird mit Unterstützung des Kantons von der Frauenzentrale Appenzell Ausserrhoden präsentiert. «Es ist ein vielfältiges Thema, und es lohnt sich, sich dafür Zeit zu nehmen. So können die Zusammenhänge begriffen und die Auswirkungen auf die gesamte Bevölkerung betrachtet werden», so deren Co-Präsidentin Ariane Brunner.

Viele typische Frauenberufe in der Schweiz

1871 ist zum ersten Mal in der Schweiz die Forderung aufgekommen, dass Frauen und Männer für die gleiche Arbeit gleich entlöhnt werden sollen. Seit den 1980ern ist dies zudem in der Verfassung und im Gesetz vorgeschrieben. Heute, fast 150 Jahre später, hat die Forderung mit der Realität wenig gemein, stellte gestern beim Ausstellungsauftakt auch Gemeindepräsident Renzo Andreani fest. Die Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau betragen in der Schweiz bei gleichwertiger Arbeit und gleicher Erfahrung durchschnittlich 19,3 Prozent.

«Für das Appenzellerland werden keine Daten erhoben», sagte Isabelle Dubois von der Abteilung Chancengleichheit im Kanton. Sie schätzt aber, dass in ländlichen Gebieten die Unterschiede grösser sind als in Städten: «Die Löhne sind immer an das Rollenbild gekoppelt. Bei uns im Appenzellerland ist die Haltung diesbezüglich eher konservativ.» Die Schweiz befindet sich mit den 19,3 Prozent unter den Spitzenreitern aller europäischen Länder. «Das hat auch damit zu tun, dass es in der Schweiz noch ganz viele typische Frauenberufe gibt, die oft schlechter bezahlt sind», so Dubois. «Wir machen die Mädchen bereits bei der Berufswahl darauf aufmerksam.»

Lohnunterschiede in der Verwaltung klein

«Es geht nicht, dass Männerberufe tendenziell besser bezahlt sind als Frauenberufe. Das ist stossend», sagte Landammann Matthias Weishaupt in seiner Rede. Die Ausserrhoder Regierung gehe mit gutem Beispiel voran und sei im Kanton einer der wenigen Arbeitgeber gewesen, die 2013 beim Lohngleichheitsdialog mitgemacht habe, lobte Maria Huber. «Beim Kanton liegt der Durchschnitt des Lohnunterschiedes bei 3,8 Prozent. Das ist vorbildlich.» Weishaupt erinnerte gestern denn auch an die Vorbildfunktion der öffentlichen Hand.

Eine Problematik sei das Unwissen. «Der Lohn ist in der Schweiz ein Tabu-Thema», sagt Dubois. Wer den Lohn eines Kollegen nicht kenne, könne die eigene Entlöhnung nicht einordnen. «Es braucht hier Transparenz.» Information sei wichtig, sagte auch Weishaupt. «Der Weg zu Lohngleichheit ist lang und steinig aber es lohnt sich.»

Lohnmobil Obstmarkt Herisau: Mo-Do 10-18 Uhr; Fr 10-17 Uhr. Führung: Heute, 17 Uhr; Kino- abend: «We want Sex» Morgen, 19 Uhr, Cinetreff. www.lohnmobil.ch.