HERISAU: Den 1. August vorgefeiert

Das zweitägige Fest im Dorfzentrum ging heuer nur am 31. Juli über die Bühne. Somit wurde am Nationalfeiertag zu keiner öffentlichen Veranstaltung geladen. Hat die traditionelle 1.-August-Feier ausgedient?

Andy Lehmann
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Mit Lampionumzug, Volksfest und grossem Feuerwerk, statt patriotischen Reden, wurde am 31. Juli in Herisau gefeiert. (Bild: Karin Erni)

Mit Lampionumzug, Volksfest und grossem Feuerwerk, statt patriotischen Reden, wurde am 31. Juli in Herisau gefeiert. (Bild: Karin Erni)

Andy Lehmann

andreas.lehmann

@appenzellerzeitung.ch

In einem Leserbrief in unserer Zeitung wurde bemängelt, dass in Herisau seit Jahren keine gehaltvolle Bundesfeier mehr stattfindet. Erstmals fand das Fest im Herisauer Zentrum nur am 31. Juli statt. Auf die Feierlichkeiten am 1. August wurde verzichtet. Dies begründet sich dadurch, dass am Nationalfeiertag weniger Gäste den Anlass in den vergangenen Jahren besuchten. Viele wollen am 31. Juli feiern und den Bundesfeiertag gemütlich mit Familie und Freunden verbringen. Zudem müssen trotz Sommerferienzeit einige wieder zur Arbeit gehen. Zahlreiche Gemeinden rund um Herisau verzichten ebenfalls auf eine Feier am 1. August, sagt Stefan Huber, Mitorganisator und Geschäftsführer des Casino. Das Herisauer Sommernachtsfest war mit etwa 2500 Besuchern ein voller Erfolg, so Huber.

Wechselhafte Geschichte um den Nationalfeiertag

In Herisau wurde der Nationalfeiertag in den Dreissigerjahren in grossem Stil gefeiert, ist dem Buch Gemeinde Herisau zu entnehmen. Tausende lauschten auf dem Platz den Klängen der Blasmusik, Gesangsvorträgen und ­patriotischen Reden. Das in Herisau einquartierte Militär nahm vollzählig am Anlass teil. Im Anschluss an den offiziellen Akt begab sich die Festgemeinde hinauf zum Lutzenland, um beim Höhenfeuer symbolisch Wache zu halten.

Bis in die sechziger Jahre war der Anlass gut besucht und erlebte dann eine Baisse. Bereits 1962 beklagte die «Appenzeller Zeitung» den schwindenden Besucheraufmarsch. Der Verlegung des Anlasses auf Obstmarkt und Rondelle war nur mässiger Erfolg beschieden. In den Jahren 1971 und 1975 fand in Herisau keine Bundesfeier statt. Erst der Einfluss der Detaillistenvereinigung Treffpunkt und die Verlegung der Bundesfeier auf das Ebnetareal brachte etwas Besserung. Ab 1997 wurde das Freibad Sonnenberg zum neuen 1.-August-Festort. Patriotische Reden waren längst aus der Mode, und die Bundesfeier hatte eher den Charakter einer gemütlichen Zusammenkunft. Feuerwerk und Knallkörper, in früheren Jahren verpönt, gehören heute zum festen Bestandteil.

«Die Gemeinde Herisau unterstützt die von Stefan Huber und Beat Müller organisierte Feier am 31. Juli unter anderem auch finanziell und möchte daran zum jetzigen Zeitpunkt auch nichts ändern», sagt Gemeindepräsident Renzo Andreani. Er selbst feierte den 1. August mit seiner Frau, ferienhalber im Berner Oberland. Für ihn sei die Bundesfeier in Kombination mit einem Dorffest zeitgemäss. Es müsse nicht alles von der öffentlichen Hand geplant werden, so Andreani. Auf die Frage, ob der Nationalfeiertag an Stellenwert verloren habe, sagt er: «Nein, ich denke die Schweizerinnen und Schweizer sind sich der Wichtigkeit des Tages durchaus bewusst. Sicher haben traditionelle Feiern mit Reden etwas an Bedeutung verloren. Im Vergleich zu anderen Ländern gehen wir die Sache unverkrampfter, pragmatisch an und feiern den 1. August schon ­einen Tag früher.»