HERISAU: Delikates Blasmusikquintett

Das Arion Bläser Quintett aus Zürich setzte in Herisau mit exklusiven Blasmusikkompositionen aus drei Jahrhunderten einen begeisternden Schlusspunkt der Konzertsaison 2017/18.

Ferdinand Ortner
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Das Bläserquintett beeindruckte durch subtile Musikalität, Elan und Souveränität. (Bild: FO)

Das Bläserquintett beeindruckte durch subtile Musikalität, Elan und Souveränität. (Bild: FO)

Ferdinand Ortner

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@appenzellerzeitung.ch

Zum Abschluss der Konzertreihe 2017/18 wurde das zahlreich erschienene Publikum im Kleinen Casino Saal mit Highlights klassischer und moderner Originalblasmusik beschenkt. Das Konzert bot eine beeindruckende Demonstration von Gustostücken kammermusikalischer ­Bläser-Literatur. Die exzellenten Musiker des Arion Quintetts, die sich auch als Solisten profilierten, spielten markante Originalkompositionen verschiedener Stilrichtungen. Es war ein delikater Hörgenuss, wie elanvoll, effizient und klangschön das Quintett konzertierte und welch hervor­ragende Vortragskultur und spieltechnische Brillanz es repräsentierte.

Das hochklassige Bläserensemble – Isabelle Schnöller (Flöte), Matthias Arter (Oboe); Curzio Petraglio (Klarinette), Lorenz Raths (Horn) und Matthias Bühlmann (Fagott) – musizierte aus einem Guss. Der Vollblutmusiker Matthias Arter führte das Quintett als «primus inter pares» unauffällig und souverän. Bemerkenswert, mit welcher Spielfreude, rhythmischer Präzision und feinem Gespür für optimales Ensemblespiel das Künstlerquintett die anspruchsvollen Werke vortrug. Die heiklen Blasinstrumente waren ideal aufeinander abgestimmt und bildeten die solide Basis für den homogenen Sound.

Musikalische Kostbarkeiten

Das Konzert begann mit dem spätromantischen Quintett in g-Moll des Franzosen Paul Taffanel (1844–1908), der als einer des bedeutendsten Flötisten des 19. Jahrhunderts gilt. Das farbige dreisätzige Werk – geprägt von typisch französischer tänzerischer Grazie und opernhaftem Pathos - erstrahlte in bezaubernd weichem Bläserklang, wobei die rasanten Ecksätze das gefühlvolle «Andante» effektvoll umrahmten.

Besondere Gustostücke waren die «Trois pièces pour le Cor anglais» des Böhmen Anton Reicha (1770–1836), des Beethoven-Freundes und Erfinders des Bläserquintetts mit Flöte, Oboe (bzw. Englischhorn), Klarinette, Fagott und Horn. Bei den drei zauberhaften Miniaturen der Frühromantik ersetzte das Englischhorn die Oboe und übernahm die Melodieführung, während die anderen Bläser ein imaginäres Orchester bildeten. Es war ein Ohrenschmaus, wie ausdrucksvoll die klangschönen «Pièces», in denen sich die Opern-Arien der Zeit widerspiegelten, zelebriert wurden. Besonders berührend die Soli und das feierliche «Andante arioso»!

Starke Kontraste

Eine eigenwillige herbe Klangsprache, welche ungeahnte instrumentale Möglichkeiten experimentierfreudig und innovativ offenbarte, liess die Zuhörer bei den sechs «Bagatellen» des Ungarn György Ligeti (1923–2006) aufhorchen. Diese von äusserster Prägnanz geprägten diffizilen Kostbarkeiten – von ungarischer Folklore inspiriert und an Bela Bartok und ungarische Volksmusik-Rhythmen erinnernd – wurden künstlerisch mitreissend präsentiert. Die schrillen Ecksätze umrahmten zwei Intermezzi – eines im ungarischen Tempo rubato, eines mit einer Flöten-Klagemelodie – sowie zwei Mittelsätze – einen ruhigen mit gedämpftem Fagott und einen mit unbändigem «Presto ruvido». Heute zählen die einst verfemten «Bagatellen» zu den Klassikern des modernen Bläserquintett-Repertoires.

Amüsante moderne Bläserkammermusik mit hohem Schwierigkeitsgrad erlebte das animierte Publikum beim E-Dur-Quintett Nr. 1 des Franzosen Jean Francaix (1912–1997). In den vier kontrastreichen Sätzen – pathetisch, heiter, träumerisch, ironisch - brachten die Bläser mit blendender Virtuosität und melodischem Charme die witzigen Pointen in gewagter Harmonik und Rhythmik und in grellen Klangschattierungen zu reizvoller Wirkung. Stürmischer Beifall und eine spektakuläre Zugabe beschloss das hochinteressante Saison-Schlusskonzert.