HERISAU: Das zweite Dorfzentrum

In der Wandelbar am vergangenen Samstag wurde das erste Mal öffentlich das umfassende Bauprojekt im Sandbüel vorgestellt. Das Quartier soll modern werden, aber trotzdem den traditionellen Charakter beibehalten.

Jonas Manser
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Bilder: JM

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Jonas Manser

jonas.manser@appenzellerzeitung.ch

Das Quartier Sandbüel soll wiederbelebt werden: Das ist die Vision der AGSW, der AG für städtisches Wohnen. Am vergangenen Samstag stellte Fredi Bürke, Leiter Immobilien der AGSW, in der Wandelbar das erste Mal das grosse Projekt öffentlich vor.

Im Jahr 2011 kaufte die AGSW die ersten Liegenschaften an der Poststrasse 4 und 6a. Ein Jahr später folgten die Schmiedgasse 3 sowie 5 bis 7. Im Jahr 2015 erwarb das Unternehmen zuletzt die Liegenschaft an der Schmiedgasse 1/1a. Das Ziel: mit attraktiven Wohn- und Gewerberäumen die Altstadt zu beleben und den Gemeindeparkplatz mit einer Tiefgarage vom Verkehr zu befreien.

Wohn- und Gewerbeflächen schaffen

Es würde Häuser geben, die in ihrer jetzigen Form erhalten bleiben, es würden aber auch Liegenschaften komplett entfernt und mit Neubauten ersetzt werden, so Bürke. Damit die Neubauten nicht in die Höhe gebaut werden müssen, sei auch hinter dem Gemeindehaus ein Neubau als Entlastung geplant. Dieser solle unter anderem auch von der Gemeinde genutzt werden, welche neue Räumlichkeiten brauche. Fredi Bürke spricht von voraussichtlich 55 Wohnungen und ­ 830 m2 Gewerbefläche. Die Tiefgarage solle Parkplätze für bis zu 108 Fahrzeugen bieten. Das Projekt sei zu 90 Prozent fertiggestellt, man befinde sich momentan noch in der letzten Phase der Modellentwicklung.

Aus insgesamt 14 Studentenprojekten wurden schliesslich zwei ausgewählt. Die Architektur wurde in allen Projekten traditionell gehalten. Für beide Varianten werde man Baubewilligungen beantragen und öffentlich auflegen. Der AGSW sei es sehr wichtig, in Zusammenarbeit mit der Gemeinde und den Anwohnern des Quartiers das Projekt vorwärtszubringen. Im Moment sei aber noch nichts unterschrieben, so Bürke. «Wieso wurde das Design an das 17. oder 18. Jahrhundert angelehnt, wo doch der Baustil der Post aus dem 20. Jahrhundert ist?», lautete eine Frage aus dem Publikum. «Es soll modern sein, aber immer noch wie Herisau aussehen», sagte Bürke. Wichtig sei vor allem, dass sich die Anwohner künftig wohl fühlen können. Dafür sollten sogenannte Begegnungszonen wie Cafés, Kinderhorte oder zum Beispiel ein Fitnesszentrum im Projekt integriert werden.

Die Wandelbar als Informationsplattform

Thema der zum zehnten Mal stattfindenden Wandelbar war die Haus-Analyse. Dabei zeigt Fredi Altherr von der Denkmalpflege Appenzell Ausserrhoden am Beispiel Sandbüel, wie eine solche Analyse abläuft. Was tun mit den alten Häusern? Die von der Denkmalpflege angebotenen Analysen sollen Hauseigentümer in einer beratenden Funktion bei ihren Entscheidungen unterstützen. Im Mittelpunkt steht vor allem die Förderung von Sanierungen der Altbauten, welche das Ortsbild prägen, trug Altherr vor. Der Service der Denkmalpflege sei bereits 150 Mal in Anspruch genommen worden und rund 60 Prozent der angebrachten Vorschläge seien umgesetzt worden. Auch die AGSW nahm die Hausanalyse in Anspruch. «Wir zeigen den Eigentümern den Wert der Häuser auf», erklärte Architekt Stefan Räbsamen das Prinzip der Hausanalyse. Sie würden Sanierungs- und Umnutzungsvorschläge den Hausbesitzern unterbreiten, die baurechtliche Situation, den Investitionsbedarf und die Wirtschaftlichkeit der Liegenschaften überprüfen und anhand dessen Vorschläge machen. Es gäbe natürlich auch Fälle, in der ein stufenweiser Zurückbau und ein Neubau besser seien.

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