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HERISAU: Das Publikum ist mittendrin

Wer bei «Beine baumeln himmelwärts» ein Theaterstück erwartet, wird enttäuscht. Vielmehr bringt das Ensemble um Micha Stuhlmann ein Bühnenexperiment ins Alte Zeughaus. Auch das Publikum kommt zum Zug.
Sinnlich statt intellektuell: Die Freude steht bei «Beine baumeln himmelwärts» im Vordergrund. (Bild: PD)

Sinnlich statt intellektuell: Die Freude steht bei «Beine baumeln himmelwärts» im Vordergrund. (Bild: PD)

Morgen Abend verwandelt sich das Alte Zeughaus in ein Schiff. Offiziell legt es um 19 Uhr in die Weltmeere ab. Mit unbekanntem Kurs – so steht es in der Agenda. Wer Micha Stuhlmann, die Performerin und künstlerische Leiterin des Bühnenexperiments, kennt, weiss, dass ihre Projekte keine gewöhnlichen sind.

Das aktuelle Stück ist das vierte nach «Wo ist Klara?», «Nur mit mir allein zum Glück» und «Im Dunkelwasser fischen» und feierte im November Premiere. Es lohnt sich, bereits eine Viertelstunde vor offiziellem Beginn vor Ort zu sein. Um Viertel vor Sieben läuft das Intro, ein Vorgeschmack auf die Ästhetik und Bildsprache, wie Stuhlmann sagt. «Die Videoarbeit gibt dem ­Pu­blikum Hinweise darauf, was folgen wird.»

Auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen

Beim Stück handelt es sich um ein Theaterexperiment. «Ein Kunstentwurf zwischen Theater, Tanz und Film», sagt Stuhlmann. Sie versteht es als inklusives Kulturprojekt, das bewusst Themen wie Beeinträchtigung, Einschränkung, Vielfalt oder Eigenart behandelt. Diese werden genreübergreifend thematisiert. Weil unterschiedliche Leute beteiligt sind, benötige es unterschiedliche Sprachen, sagt Stuhlmann. «Für manche Aussagen sind bestimmte Ausdrucksformen besser geeignet. Es geht um ein sinnliches Erfassen.»

Obwohl es bereits die dritte öffentliche Aufführung ist, kommt der Auftritt in Herisau für Micha Stuhlmann dennoch einer Premiere gleich. «Bei uns gibt es kein Runterspielen. Die Notwendigkeit, das Stück weiter zu drehen, ist zentral.» Zwischen den Aufführungen finde ein Prozess der Auseinandersetzung statt.

«Im Zeughaus passt die Ästhetik absolut»

Auf ihrer Reise durch die Schweiz macht das Ensemble in Herisau Halt. Kein Zufall, wie Micha Stuhlmann sagt: «Uns war es von Anfang an wichtig, an verschiedenen Orten zu spielen.» Klassische Theaterräume wolle man eher meiden. «Im Zeughaus passt die Ästhetik absolut», sagt Stuhlmann. «Besonders die Grosszügigkeit des Raumes imponiert mir.» Die nötige Technik für die Aufführung bringt das Team selber mit. Damit ist es völlig autark. «Es geht uns auch darum, unterschiedliche Räume und deren Eigenleben zu erobern.»

Neben verschiedenen Sinneseindrücken dürfen sich die Gäste auf weitere Höhepunkte freuen. Das Publikum wird aktiv am Stück beteiligt. Wie genau, verrät Stuhlmann nicht. Nur so viel: Bei der Premiere tanzten die Besucher am Ende des Stücks ausgelassen mit den Darstellern. Überhaupt sind Grenzen bereits während der Aufführung nicht existent. Niemand spielt auf der Bühne eine Rolle, jeder zeigt sich selbst. Die Frage, ob jemand eine Beeinträchtigung hat, ist unwichtig. Viel interessanter sind die Antworten, die auf der Suche nach sich selbst gefunden werden und die Mittel zum Ausdruck dieser Eigenartigkeit. Ob die Zuschauer diese am Schluss mit einem spontanen Fest feiern, bleibt selbstverständlich ganz ihnen selbst überlassen.

Simon Roth

simon.roth@appenzellerzeitung.ch

Beine baumeln himmelwärts

Samstag, 27. Januar, 19 Uhr, Altes Zeughaus Herisau

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