HERISAU: Das Nationalkader in Blickweite

Der 14jährige Herisauer Jean-Luc Halter zählt zu den besten Schweizer Fahrern seiner Alterskategorie. Die Eltern und seine drei Geschwister biken ebenfalls wettkampfmässig.

Lukas Pfiffner
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Jean-Luc Halter beim Rennen des Swiss-Bike-Cups in Basel. (Bilder: PD)

Jean-Luc Halter beim Rennen des Swiss-Bike-Cups in Basel. (Bilder: PD)

HERISAU. Paletten und Schalttafeln, Bänke und Balken dominieren den Vorplatz: Sie sind als Heim-Übungsstrecke aufgestellt. Dass man sich für den Interview-Termin an der Herisauer Huebstrasse beim richtigen Haus befindet, zeigt auch die Sammlung von Shirts und Hosen, die an der Wäscheleine aufgehängt sind. «Ja, ja, es kommt bei uns Bikern schon einiges zusammen», sagt Mutter Yvonne Halter. Jean-Luc (14), Monique (12), Nicolas (10) und Lou-Anne (8) schafften es kürzlich einmal, dass an einem Rennort alle vier Halter-Kinder einen Podestplatz erreichten. «Und der Vater auch», erzählt die Mutter. Sie fährt ebenfalls – in der Fun-Kategorie.

Es irrt aber, wer Vater Beat als Auslöser der sportlichen Betätigung des Nachwuchses vermutet. Vor gut vier Jahren hielten sich die Mutter und Jean-Luc an der Kreuzegg-Stafette in Bütschwil auf. Auch eine Velostrecke war aufgebaut. Das wolle er lieber als rennen, meinte Jean-Luc damals. Er schloss sich dem RMC Gossau an und fühlt sich dort sehr gut aufgehoben. Aktuell bilden sieben Fahrer das Race Team, wobei die meisten seiner Kollegen und Konkurrenten länger Bike als Wettkampfsport betreiben.

Platz fünf an der Europa- meisterschaft in Graz

Die Geschwister zogen nach. «Und wir Eltern haben uns gesagt: Wenn wir schon ein Wochenende an einem Rennort verbringen, fahren wir doch auch mit», erzählt der Vater. Jean-Luc übernachtet meist mit seinem Rennteam in einem Hotel. Die Familie mietet sich auf einem Zeltplatz oder in einem Wohnwagen der Umgebung ein. «Der Rennkalender ist Teil der Ferienplanung», sagen die Eltern. Jean-Luc hat in diesem Sommer einige starke Resultate abgeliefert, das Rennen des Swiss Bike Cups in Gränichen gewonnen und diese über sechs Rennen gehende Serie auf dem dritten Gesamtrang beendet. Seine Schwester Monique entschied den Swiss Bike Cup für sich – bei deutlich geringerer Teilnehmerzahl als bei den Knaben.

Anfang August nahm Jean-Luc an den U15-Europameisterschaften in Graz teil. Für diese können traditionellerweise nur Dreierteams (mit einem Mädchen) gemeldet werden. Mit vier Rennen innerhalb von vier Tagen sei das Programm intensiv gewesen, erzählt Jean-Luc: Nach dem Team-Wettkampf waren ein Technikparcours, ein sogenannter «Marathon» (grosse Runde mit grosser Abfahrt) sowie ein Cross Country-Rennen angesetzt. Der junge Herisauer beendete die EM auf dem fünften Platz. «Es war eine lehrreiche Woche.»

Am liebsten sind ihm lange Aufstiege

Dieses Wochenende stehen für ihn im bernischen Huttwil die Talentsichtungs-Tage für die Aufnahme ins Nationalkader auf dem Programm. Mit Beginn des nächsten Wettkampfjahres wird er bei den U17 starten müssen. Erst ab dieser Alterskategorie besteht ein Nationalkader.

Was Jean-Luc in den Rennen am meisten mag? Die Antwort kommt rasch: «Lange Aufstiege.» Er hat einen relativ feinen Körperbau und entsprechende Vorteile im Bergfahren. Übersicht über Wettkämpfe und Trainingsdosierung hat der sportliche Leiter in seinem Verein. Zu den Erfolgsfaktoren zählen der junge Fahrer und seine Eltern auch die Zugehörigkeit zur Sportschule Appenzellerland, die es ermöglicht, in gewissen Lektionen zu fehlen. Jean-Luc besucht die zweite Sekundarklasse in Herisau, die zu den Partnerschulen der Sportschule gehört. Zwei bis vier Trainings pro Woche absolviert er mit dem Race Team, zwei wöchentliche Einheiten verbringt er im Fitnesscenter. Und geübt wird eben immer wieder direkt vor dem Haus. «Manche Sachen werden rasch wieder umgebaut. Aber die Rampen lassen wir meist länger stehen», sagt Jean-Luc.