HERISAU: Chauffeur auf Abschiedstour

Während 24 Jahren kutschierte Felix Ackermann Fahrgäste durch das Regiobus-Gebiet. Am Samstag bricht der Herisauer zu seiner letzten Fahrt auf. Ein neuer Lebensabschnitt wartet.

Alessia Pagani
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Wie man ihn kennt und schätzt. Felix Ackermann hatte stets Freude beim Fahren. (Bild: Alessia Pagani)

Wie man ihn kennt und schätzt. Felix Ackermann hatte stets Freude beim Fahren. (Bild: Alessia Pagani)

Alessia Pagani

alessia.pagani@appenzellerzeitung.ch

Wer ihn kennt, weiss, dass er immer ein Lächeln auf dem Gesicht trägt, wenn er zur Arbeit geht oder wenn er diese ausführt. Und Felix Ackermann kennen viele Menschen in der Umgebung. Der Mitsechziger ist seit Jahren fester Bestandteil der Herisauer Buschauffeure. Fast täglich kutschiert er die wartenden Kunden auf dem Regiobus-Netz von Nord nach Süd, von West nach Ost und in alle entlegenen Gegenden, in die das Streckennetz führt; begrüsst viele mit dem Namen und winkt fast allen Spaziergängern zu. Ackermann kennt das Streckennetz wie kaum ein zweiter und liebt es, mit den Mitmenschen in Kontakt zu treten, mit ihnen einen kurzen Schwatz zu halten oder ihnen eine kleine Freude zu bereiten. «Wenn ich durch Herisau spaziere, werde ich alle paar Meter erkannt. Ich habe so viele Beziehungen hier in der Region», so Ackermann. Die Arbeit mit Menschen, die Freundlichkeit und grosse Weitsicht während der Fahrt sei, was einen Buschauffeur ausmache. «Es kommt aber auch sehr viel zurück.»

Sein lautes und freundliches «Grüezi mitenand», wenn er die einsteigenden Gäste begrüsst, wird künftig vielen Einheimischen fehlen. Denn Felix Ackermann geht am Samstag in Pension. Nicht ganz ohne Wehmut, wie der zweifache Vater verrät: «Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich habe immer sehr viel Freude am Fahren gehabt. Es war nie ein Müssen, immer ein Dürfen.» Seine Leidenschaft merkt man während seinen Fahrten. Und trotzdem, wenn die Ackermanns mit dem Auto in die Ferien fahren, überlässt Felix lieber seiner Ehefrau das Steuer. Das Busfahren würde reichen.

Künftig will sich Ackermann mehr seinen Hobbys widmen. Er fährt gerne Velo oder vertreibt sich die Zeit am Computer. «Das mache ich gerne. Ich habe am PC auch viele Schilder für Regiobus hergestellt. Das macht mir Spass», so der Herisauer. Was aber sicher ist: Ackermann braucht seine Mitmenschen: «Ich muss auch nachher wieder unter die Leute.»

Vom Sportplatz-Wirt zum Buschauffeur

Vor 24 Jahren hat Felix Ackermann das erste Mal die Strecke Herisau–Gossau bedient. Siebeneinhalb Jahre sollte er bei der Autobus AG – der Vorgänger-Organisation von Regiobus – angestellt bleiben, bis er mit seiner Frau das Restaurant Sportplatz in Herisau übernahm. Irgendwann kam die Anfrage, ob Ackermann nicht wieder Busfahren wolle. Die Rede war von einem 50-Prozent-Pensum. Weil die Einnahmen im Restaurant rückläufig waren, hat sich Ackermann nach eingehenden Gesprächen mit seiner Frau nach fast 17 Jahren als Wirt dazu entschlossen, seine frühere Tätigkeit wieder aufzunehmen. «Schweren Herzens habe ich mich entschieden, das Wirten aufzugeben.» Gleich zu Beginn wurde Ackermann gefordert. «Ich habe sicher 100 bis 110 Prozent gearbeitet.» Lohnverhandlungen gab es keine, der Chef brachte ihm das nötige Vertrauen entgegen und Ackermann durfte gleich zu Beginn alleine ans Steuer des Busses. Der wisse, wie es geht, habe der Vorgesetzte gesagt. Nach drei Monaten war Felix Ackermann fest angestellt.

50 Rappen für den Fahrschein

Als Felix Ackermann vor 24 Jahren zur ersten Fahrt aufgebrochen war, kostete das Billett noch 50 Rappen. Die Fahrkarten mussten auf der Gemeinde gekauft werden. Später haben die Buschauffeure selber den Fahrpreis einkassieren müssen. «Damals war man noch ein wenig näher bei der Kundschaft.» Ackermann zieht kaum Vergleiche zu anno dazumal. Dass sich die Zeiten geändert haben, ist allerdings auch ihm nicht entgangen: «Früher haben die Schulkinder im Bus geschwatzt, gelacht oder auch mal gestritten. Heute schauen viele nur noch aufs Handy.»

Noch deutet kaum etwas dar­auf hin, dass Ackermann übermorgen seine letzte Fahrt hat. Mit geübten Handgriffen bedient er die unzähligen Knöpfe am Armaturenbrett und wünscht seinen entgegenkommenden Kollegen eine gute Fahrt. «Sicherlich habe ich auch einiges kaputt gemacht, ein Kratzer hier, ein Spiegel dort. Aber zum Glück hatte ich nie ­einen Personenschaden.» Es sei ihm gegönnt.