HERISAU: Bike-Factory weg – Win-Velo kommt

Michael Müller gibt sein Velogeschäft Bike-Factory an der Alpsteinstrasse auf. Win-Velo von der Stiftung Tosam zieht in die Räumlichkeiten ein. Müller bekommt dort einen Arbeitsplatz als Co-Leiter.

Roger Fuchs
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Michael Müller schliesst die Bike-Factory in Herisau. Martin Grob, Geschäftsführer der Stiftung Tosam, stellt ihn als Co-Leiter bei Win-Velo an, das in die Räume der Bike-Factory zügelt. Müller startet jetzt den Ausverkauf seiner Fahrräder. (Bild: Roger Fuchs)

Michael Müller schliesst die Bike-Factory in Herisau. Martin Grob, Geschäftsführer der Stiftung Tosam, stellt ihn als Co-Leiter bei Win-Velo an, das in die Räume der Bike-Factory zügelt. Müller startet jetzt den Ausverkauf seiner Fahrräder. (Bild: Roger Fuchs)

Roger Fuchs

roger.fuchs

@appenzellerzeitung.ch

Mehrmals hatte Michael Müller zwischen 1998 und 2008 mehr Platz für sein Velogeschäft gesucht und gezügelt. Inzwischen präsentiert sich die Ausgangslage anders. Müller gibt die Bike-Factory an der Alpsteinstrasse 10 per Ende Februar nächsten Jahres auf. «Für den Erfolg müsste ich wachsen», sagt er. Doch fehlende Liquidität und ein zu grosses unternehmerisches Risiko lassen ihn einen Schlussstrich ziehen.

Michael Müller wird ab März zusammen mit Rolf Guggisberg das Projekt Win-Velo von der Stiftung Tosam leiten. Der Arbeitsweg für Müller bleibt dabei gleich, denn Win-Velo zügelt aus Platznot vom Standort an der Kasernenstrasse 11b in die Räumlichkeiten der heutigen Bike-Factory. Alles in allem wertet Martin Grob, Geschäftsleiter der Stiftung Tosam, das Ganze als Win-win-Situation. Win-Velo bekommt einen Velofachmann, Michael Müller hat eine neue Arbeitsstelle gefunden. Anders als in der Bike-Factory werden bei Win-Velo aber keine neuen Velos verkauft, sondern bei der Recyclingstelle abgegebene Räder aufgerüstet und als Secondhand-Velos verkauft. Serviceleistungen wie Reparaturen gehören ebenfalls dazu. Demnach können auch die bisherigen Kunden von Michael Müller ihre Velos weiterhin an der Alpsteinstrasse vorbeibringen.

Abgesehen von der Leitung bietet Win-Velo derzeit sechs Arbeitsplätze im zweiten Arbeitsmarkt an. Martin Grob hofft nach dem Umzug und mit der Co-Leitung auf einen sanften Ausbau. Konkret denkt er an Ausbildungen für IV-Bezüger. Michael Müller ist auch Velomechausbildner, während Rolf Guggisberg aktuell die Ausbildung zum Arbeitsagogen absolviert. Die beiden würden sich gut ergänzen, ist Martin Grob überzeugt.

Verschiedene Gründe für Geschäftseinbruch

Michael Müller spricht von einer grossen Last, die letztlich mit der Schliessung des eigenen Geschäfts von seinen Schultern fällt. Zu den Gründen für den Geschäftseinbruch zählt er den Onlinehandel und den damit verbundenen Preiskampf. Zudem erwähnt er seine Beobachtung, dass Herisauerinnen und He­risauer lieber auswärts einkaufen würden – sei es, weil es andernorts eine grössere Auswahl gäbe oder weil Lieferanten nicht wunschgemäss liefern könnten. Auch habe er den Eindruck, dass Schüler heutzutage eher den öffentlichen Verkehr benützten statt Velo zu fahren. Und er hätte wohl verstärkt noch auf Elektrobikes setzen sollen. Die Leute würden vorwiegend solche kaufen und seien auch bereit, dafür 3000 bis 5000 Franken zu bezahlen.

Im Hinblick auf die Geschäftsaufgabe hat Michael Müller nun mit dem Ausverkauf der lagerhaltigen Fahrräder begonnen. Ansonsten läuft der Betrieb normal weiter. Im Februar wird er primär räumen, und es kommt zur Übergabe der Lokalität, so dass Win-Velo am 1. März an der Alpsteinstrasse in Herisau starten kann.