HERISAU: Besinnlich und spektakulär

Gestern wurde im Psychiatrischen Zentrum Appenzell Ausserrhoden (PZA) Weihnachten gefeiert. Die Kerzen am Christbaum wurden angezündet, es wurde eine Geschichte vorgelesen und gemeinsam gesungen.

Arcangelo Balsamo
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Die Kerzen am Christbaum wurden wie durch Zauberhand angezündet. (Bild: Arcangelo Balsamo)

Die Kerzen am Christbaum wurden wie durch Zauberhand angezündet. (Bild: Arcangelo Balsamo)

Arcangelo Balsamo

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@ appenzellerzeitung.ch

Der Christbaum ist geschmückt, die Stühle stehen bereit. Der Tannenduft versprüht Weihnachtsstimmung im Krombachsaal, der sich nach und nach füllt. Es muss sogar noch der eine oder andere Stuhl hinzugefügt werden, derart gross ist der Andrang. Die Feier ist für einige der Anwesenden die einzige Möglichkeit, gemeinsam mit anderen Weihnachten zu feiern. Zum Teil ist dies der Fall, weil sie niemand anderes haben. Doch es sind auch welche dabei, die gesundheitshalber in den kommenden Tagen im Psychia­trischen Zentrum Appenzell Ausserrhoden in Herisau (PZA) bleiben. Es werde jedoch niemand gezwungen, die Festtage in der Klinik zu verbringen, sagt Nicole Graf Strübi, Leiterin Marketing und Kommunikation des Spitalverbunds Appenzell Ausserrhoden. Uwe Herwig, der Chefarzt des PZA, fügt an, dass es sogar einige Patienten gebe, die sich bewusst in der Klinik zurückziehen würden.

Die diesjährige Weihnachtsfeier wird begleitet von der Hackbrettformation Anderscht, die zur Eröffnung «Leise rieselt der Schnee» und «Jingle Bells» zum Besten gibt. Nach der musikalischen Einstimmung greift Norbert Hochreutener, der katholische Spitalseelsorger, das Wort: «Ich hoffe, dass wir nach der kommenden Stunde mit etwas mehr Leichtigkeit und Freude den Saal verlassen können.» Nach einer kurzen Begrüssung von Uwe Herwig folgt das erste Highlight: das Anzünden der Kerzen am Christbaum.

Dafür wird der Saal abgedunkelt, und wie durch Zauberhand fangen die Kerzen Feuer: ein Spektakel. Die Hackbrettformation stimmt den Klassiker «Stille Nacht, heilige Nacht» an. Die ­Anwesenden im Saal singen mit. Die rege Beteiligung und der volle Saal zeigen, dass die Patienten der Akutpsychiatrie und die Bewohner des Wohn- und Pflegezentrums sowie des Wohnheims das Angebot zu schätzen wissen.

Als Nächstes lesen Norbert Hochreutener und sein evangelisches Pendant Michael Seitz die Geschichte «Zlateh die Geiss» von Isaac Bashevis Singer vor. In dieser bekommt ein Junge die Aufgabe, seine Lieblingsziege zum Metzger zu bringen, doch ein heftiger Schneesturm verhindert dies. Die Lesung wird mit Hackbrett-Intermezzi abgerundet. Bevor die Weihnachtsfeier endet, singen die Anwesenden noch «O du fröhliche, o du selige». Danach geht es wieder in die diversen Häuser auf dem PZA-Areal, bevor sie am Wochenende zu Hause feiern können.

Doch auch die, die im Psychiatrischen Zentrum bleiben, können sich freuen. «Die Küche hat bestimmt ein spezielles Weihnachtsmenu für die Anwesenden geplant», sagt Nicole Graf Strübi.