HERISAU: Appenzellisches in die Welt tragen

Stefan Signer hat den Pläss als Kunstfigur entwickelt. Der Pläss war geboren. Unterdessen existieren über 300 Werke, wovon ein Teil erworben werden kann.

Samira Hörler
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Stefan Signers Pläss entsteht aus einer Laune oder einer Begegnung heraus. (Bild: sah)

Stefan Signers Pläss entsteht aus einer Laune oder einer Begegnung heraus. (Bild: sah)

Samira Hörler

samira.hoerler@appenzellerzeitung.ch

Der Schweizer Komponist, Musiker, Schriftsteller und Maler Stefan Signer interpretiert den Appenzeller Sennenhund neu: «Hinter dem Pläss steckt keine konkrete Planung.» Er sei durch Zufall entstanden. 2009 haben sich Signer und der Fotograf Toni Schwitter im Hinterland auf die «Spur der Melancholie der Appenzeller» gemacht. Mit schwarz-weissen Analogfotografien verewigte Schwitter ihre Eindrücke. Als die Beiden genügend Material zusammengetragen hatten, kam es zur Ausstellung im Hundwiler Restaurant Alpenrose. «Anfänglich wollte ich Texte zu den Fotografien verfassen», so Signer. Dazu ist es jedoch nie gekommen. «Die Leute schauen die Fotografien an, lesen aber keine zusätzlichen Inhalte.»

Zigarrenverpackung als Leinwand

Nach einem langen Prozess, während dem Signer seine Eindrücke der Suche immer weiter aufs Grundsätzliche reduzierte, brachte er den Pläss anstelle der Begleittexte auf Papier. Oder besser gesagt auf Karton: Anfangs malte er nämlich auf Verpackungen von Villiger Original Krumme, die er noch heute raucht. Pinsel und Papier kamen erst später zum Einsatz, Zündhölzchen und die eigene Hand waren die bevorzugten Mittel.

«Der Pläss ist ein unglaublich abstrahiertes, vereinfachtes Wesen», so Signer. Und tatsächlich, wenn man die Malerei betrachtet, hat sie nur wenig Ähnlichkeit mit einem Sennenhund. Um das Wesen dem Menschlichen wieder etwas näher zu bringen, schreibt Signer Sätze, meist im Appenzellischen, auf seine Bilder. Diese definieren den Ausdruck des Pläss. Ob naiv-fröhlich oder garstig und frech, der Pläss hat Charakter. «Über den Pläss lassen sich Aussagen formulieren, die bei anderer Umsetzung nicht gleich gut aufgenommen werden würden. Auch schrieb ich in einer Serie die Sätze auf Jiddisch, einer rund tausend Jahre alten Sprache. Sie erinnert mich in ihrer kurligen und urchischen Art sehr ans Appenzellische.» Einer dieser Sätze lautet übersetzt «Ich habe gesucht und alleine konnte ich es nicht finden.» Die Auswahl der Farben setzt den Pläss in Verbindung mit dem Appenzellerland: Der grosse, dreieckige Kopf ist in Gelb gehalten. Das erinnert an die ledernen Kniehosen der Appenzeller Sennentrachten. Die rote Farbe ist eine Anlehnung an die Westen der Trachtenkleidung. Blau steht für den Seealpsee im Alpstein. «Und schwarz für die melancholische, Appenzeller Seele», lacht Signer.

Pläss-Jesus kommt nicht gut an

Unterdessen seien schon gut 300 Werke entstanden. 140 davon kann man bei Ernst Schiess in Herisau in unterschiedlichsten Formaten erwerben. Man findet sie aber auch immer wieder im Appenzellerland verteilt. Wetterfest verarbeitet, entdeckt der aufmerksame Fussgänger sie in verschiedenen Winkeln der Umgebung. «Mein Pläss-Jesus musste abgenommen werden. Er hing an der Oberdorfstrasse und hat wohl einige in Aufruhr versetzt», erzählt Signer.

Den Pläss gibt’s nicht nur im Appenzellerland. «Meine Plässtäfeli sind auf der ganzen Welt verteilt.» In Vietnam, Australien, Schottland und sogar Südamerika hängen die Malereien an Hauswänden, in Gärten oder an Strassenecken. Wenn es ihn «packt», gibt Signer Bekannten auf ihren Reisen einen Pläss mit, mit der Bitte, ein Foto vom neuen Standort des Täfeli zu machen. Er selber möchte sich nicht als Künstler bezeichnen. «Wenn ich den Pläss in die Kunst einordnen müsste, erinnert er mich an die naive Bauernmalerei des Appenzellerlandes.»

Andere wiederum würden ihn wohl der «Art brut» zuordnen. Diese Kunstrichtung widmet sich autodidaktischer Kunst von Laien, Kindern und Menschen mit psychischen Erkrankungen oder geistiger Behinderung. Dafür spricht, dass Stefan Signer seinen Pläss 2015 auf Anfrage in Holland an einer internationalen Ausstellung zur «Art brut» vorführen konnte.