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HERISAU: Alkohol im Spiel

Die Beschimpfung eines Buschauffeurs schlägt Wellen. Unangemessenes Verhalten ist in unserem Alltag jedoch häufiger, als man denkt.
Samira Hörler
Manchmal muss die Polizei bei Konflikten im öffentlichen Raum eingreifen. (Bild: Rudolf Hirtl)

Manchmal muss die Polizei bei Konflikten im öffentlichen Raum eingreifen. (Bild: Rudolf Hirtl)

Samira Hörler

samira.hoerler@appenzellerzeitung.ch

Mit wüsten Beschimpfungen konfrontierte letzten Freitag ein Passagier den Buschauffeur im Regiobus Kurs 158. Der Grund: Der Chauffeur musste die Hinterlassenschaft eines Hundes beseitigen, die das Herrchen wohl geflissentlich übersehen hatte. Das führte zu einer Verspätung von drei Minuten, und der besagte Fahrgast befürchtete, dass er seinen Anschluss bei der Arena St. Gallen verpassen würde. Dies bestätigte sich jedoch nicht.

Solche Vorfälle passieren öfters im Alltag, als manch einer denken mag. Gerade in öffentlichen Verkehrsmitteln und Orten, bei denen viele Personen aufeinandertreffen, kommt es öfters zu Konflikten. Beim Vorfall im Regiobus beim Bahnhof Herisau blieb der Chauffeur ruhig und konnte die Situation unter Kontrolle halten.

Auch Fredy Bechtiger, Abteilungsleiter Sport und Geschäftsführer des Sportzentrums Herisau, kennt solche Situationen, in denen sich Gäste unangebracht verhalten. «Im Sportzentrum gibt es solche Konflikte selten. Letztes Jahr gab es aber im Freibad Herisau einen Vorfall, bei dem ein betrunkener Badegast andere Besucher anpöbelte. Als dieser nicht auf die Anweisungen des Bademeisters hören wollte, mussten wir die Polizei einschalten. Der Gast bekam darauf hin ein zweijähriges Freibadverbot», so Bechtiger. Dies sei aber ein Einzelfall. Meistens könne man mit klärenden Gesprächen unzufriedene Kunden des Sportzentrums oder des Freibades besänftigen und so schwereren Konflikten aus dem Weg gehen.

Aggressionen im Rausch ausleben

Gerade wenn Alkohol im Spiel ist, kommt es öfters zu Ausschreitungen. Davon kann Stefan Kull, Betreiber der Amadeus Bar in Heris­au, ein Lied singen. «Stress, Druck und Frust muss man irgendwo loswerden. Im Zusammenhang mit Konsum von Alkohol kann es dann zu Ausschreitungen kommen. Was ich aus Erfahrung sagen kann, dass es klar nicht stimmt, ist, dass immer die Jugendlichen den Krawall veranstalten. Gerade wenn das Geld knapp wird, sind viele Erwachsene frustriert und vermehrt dazu bereit, auf einen Streit einzugehen», so Kull. Aber dank seiner meist friedlichen Stammkundschaft bleibe er mehrheitlich von solchen Zwischenfällen verschont. «Wenn dann doch mal etwas passiert, versuchen wir mit Hilfe von Freunden und Bekannten unsererseits, aber auch seitens des Gastes, das Gespräch zu suchen und die Person auf ihr Verhalten anzusprechen. Bei Gruppen kommt es eher einmal zu einer Verwarnung. Wenn diese nicht berücksichtigt wird, müssen die Gäste das Lokal verlassen», erklärt Kull.

Auch sei es monatlich an der Personalsitzung immer ein Thema, wie man in Konfliktsituationen handelt. Dabei sei es wichtig, dass alle aus Vergangenem lernen. «Wir müssen uns fragen, was vorgefallen ist, wie wir reagiert haben und was wir das nächste Mal besser machen können. Dank meiner 15-jährigen Erfahrung im Gastronomie- und Nightlifebereich und besuchten Schulungen zum Thema, fällt es mir meistens leicht, die Gäste schon bei ihrer Ankunft einzuschätzen.» Das Vermeiden solcher Auseinandersetzungen sei oft schwierig, wenn man sie nicht von Anfang an verhindern könne. «Ausschlaggebend ist die Stimmung in der Bar. Sei es die Musik, die anderen Gäste oder das Personal, es ist wichtig, dass eine gute Atmosphäre herrscht», so Kull.

Nicht nur im Nachtleben, sondern auch in Krankenhäusern muss sich das Personal manchmal einiges gefallen lassen. «Vor allem in der Notfallstation kommt es öfters zu Ausschreitungen seitens der Patienten. Gerade wenn Alkohol und Drogen im Spiel sind, gestaltet sich der Umgang mit den betroffenen Personen schwierig», so Arben Ma­liqaj, Teamleiter der Notfallstation im Spital Herisau. «In solchen Situationen gilt es, Ruhe zu bewahren. Wir schulen unser Personal regelmässig. Der Umgang mit Gewalt und Aggression ist ein wichtiger Punkt entsprechender Fortbildungen.» Den Patienten soll immer die Möglichkeit geboten werden, ihre Unzufriedenheit auszudrücken. «Wir wollen den Betroffenen zeigen, dass wir bereit sind, auf ihre Anliegen einzugehen», so Maliqaj.

Unterstützung im Extremfall

Bei der Appenzeller Bahn tönt es ähnlich. «Unser Lösungsansatz für schwierige Situationen ist, dass sich unsere Mitarbeiter nicht provozieren lassen, auch wenn das manchmal nicht einfach ist. Ohne eine Reaktion vergeht den meisten Provokateuren die Lust am Streit», so Alexander Liniger, Direktionsassistent der Appenzellerbahnen. «Unser Personal wurde nicht nur verbal, sondern auch schon tätlich angegriffen. In solchen Situationen holen wir uns im Extremfall Unterstützung. Ich habe auch schon einige Unannehmlichkeiten gegenüber dem Zugpersonal ausserhalb meiner Arbeit miterlebt», so Liniger. «In solchen Momenten finde ich es immer wieder erstaunlich, wie professionell darauf reagiert wird.»

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