Herbstviereck als Orientierungshilfe am Himmel

Der Sternenhimmel im Oktober 2014 Aufgang: 1. Oktober: 7.27 Uhr MOSZ 31. Oktober: 7.09 Uhr MOZ Untergang: 1. Oktober: 18.56 Uhr MOSZ 31. Oktober: 17.

Hanspeter Steidle
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Bild: Hanspeter Steidle

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Der Sternenhimmel im Oktober 2014

Aufgang:

1. Oktober: 7.27 Uhr MOSZ

31. Oktober: 7.09 Uhr MOZ

Untergang:

1. Oktober: 18.56 Uhr MOSZ

31. Oktober: 17.02 Uhr MOZ

MOSZ = Mitteleuropäische Orts-Sommerzeit, Region Toggenburg

MOZ = Mitteleuropäische Orts-Winterzeit, Region Toggenburg

Am Sonntag, 26. Oktober, werden die Uhren auf Winterzeit umgestellt.

Vollmond: Mittwoch, 8. Oktober, im Sternbild Fische

Neumond: Donnerstag, 23. Oktober, im Sternbild Jungfrau

MERKUR

Ende Oktober kann man den Merkur am Morgenhimmel kurz sehen.

VENUS

Die Venus hat ihre Periode als Morgenstern beendet. Sie kann im Oktober nicht beobachtet werden.

MARS

Der Mars ist nur am frühen Abendhimmel zu beobachten, denn er geht am 1. Oktober um ca. 20.30 Uhr und Ende Oktober um 19.30 Uhr unter.

JUPITER

Anfang Oktober geht er um ca. 03.00 Uhr auf, Ende Oktober kurz nach Mitternacht. Er ist in der zweiten Nachthälfte bis zur Morgendämmerung gut zu beobachten.

SATURN

Der Ringplanet Saturn im Sternbild Waage ist im Oktober nicht zu sehen.

STERNE UND MILCHSTRASSE

Vier auffallend helle Sterne, welche sich in der Meridianregion hoch am Himmel befinden, bilden ein grosses Viereck und sind als «Herbstviereck» eine gute Orientierungshilfe für die weitere Erkundung des Oktober-Himmels. Die vier Sterne gehören zum Sternbild Pegasus. Pegasus war bei den Griechen das geflügelte Pferd, das die Musen in dichterische Sphären führte. Unter der Mähne und dem Kopf des geflügelten Pferdes steht das Sternbild Wassermann. Vom nordöstlichen Stern des Vierecks geht eine lange Sternenkette von drei weiteren hellen Sternen weiter. Diese bildet einen Teil des Sternbildes Andromeda. Unter dem Viereck ist ein Teil des Sternbildes Fische zu erkennen, das sich in südöstlicher Richtung horizontwärts hinzieht. Östlich des Sternbildes Fische sehen wir die kleinen Sternbilder Widder und Dreieck. Knapp über dem Horizont, wieder genau unter dem Sternbild Fische, steht das Sternbild Walfisch. Der heutige Begriff stimmt nicht ganz mit dem Begriff überein, den die Griechen wollten: Für sie war es ein Seeungeheuer. Westlich des Walfisches schliesst das Sternbild Steinbock an. Es befindet sich bereits tief im Westen und ist nicht mehr gut zu sehen. Im Nordosten ist das Sternbild Cassiopeia, das Himmels «W», klar zu sehen. Unter der Cassiopeia folgt das mit hellen Sternen durchsetzte Sternbild Perseus. Noch immer ist das Sommerdreieck im Westen zu sehen. Es besteht aus den hellen Sternen der Sternbilder Leier, Schwan und Adler. Allmählich verschwinden sie im Dunst des Westhimmels. In der Zenitregion ist unsere Nachbargalaxie, die Andromeda-Galaxie, ein besonders lohnendes Beobachtungsobjekt, denn jetzt ist sie am deutlichsten zu beobachten. Die zur Zeit noch etwa 21/2 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxie enthält fast doppelt so viele Sterne wie unsere Milchstrassen-Galaxie. Das helle Zentrum der Galaxie ist auffällig. Die elliptischen Galaxienarme sind in einem Fernrohr deutlich sichtbar. Astronomen untersuchen Galaxien und andere Himmelsobjekte nicht nur im sichtbaren Lichtspektrum, sondern in allen Wellenbereichen. Deshalb weiss man über die aus Protonen, Neutronen und Elektronen bestehende Materie im Universum gut Bescheid. Die Andromeda-Galaxie ist die einzige grosse Galaxie, die noch von blossem Auge zu erkennen ist. Am Südhimmel sind die beiden Magellanschen Wolken von Auge gut zu erkennen. Es sind irreguläre Zwerggalaxien in unmittelbarer Nähe zur Milchstrassen-Galaxie.

STERNSCHNUPPEN

Im Oktober durchquert die Erde die Bahn eines Kometen, der 1900 vom Astronomen Giacobini entdeckt wurde. Es war, wie sich herausstellte, die Bahn eines kurzperiodischen Kometen, der alle ca. 61/2 Jahre in die Nähe der Erde kommt. 1985 gelang es der Sonde ICE, zum ersten Mal nahe am Kometenkopf vorbeizufliegen und das Magnetfeld des Schweifes zu erfassen. Inzwischen stellten die Astronomen fest, dass sich der Komet allmählich aufzulösen beginnt und bereits eine grosse Trümmerwolke auf seiner Bahn hinterlassen hat. Deshalb werden die Sternschnuppenschauer, die von diesem Kometen stammen, Giacobiniden genannt. Von Jahr zu Jahr sind die Giacobiniden-Schauer verschieden stark. Der zweite Strom, den die Erde im Oktober durchquert, sind die Orioniden. Sie gehen auf Trümmerreste des Halleyschen Kometen zurück, der 1986 von der Giottosonde den ersten Besuch erhielt, als er sich im Sonnensystem befand. Die Giottosonde fotografierte damals den Kometenkopf aus nächster Nähe. Im November dieses Jahres wird die Kometensonde Rosetta als erste auf einem Kometen landen. Seit zehn Jahren ist die Rosetta-Sonde auf dem Flug zu einem Kometen, der zur Jupiter-Familie gehört. Im November soll die Sonde Rosetta einen Lander auf dem Kometen absetzen.

STERNBEOBACHTUNG

Vom 1. bis 5. und vom 13. bis 31. Oktober ist die 1. Nachthälfte für Sternbeobachtungen günstig.

Bei schönem Wetter wird am Freitag, dem 3. Oktober ab 20 Uhr in der Sternwarte Heiterswil ein öffentlicher Beobachtungsabend durchgeführt (kostenlos). Auf www.avt.astronomie.ch wird am 3. Oktober um ca. 18 Uhr über die Durchführung orientiert.

DUNKLE ENERGIE UND MATERIE

Nicht alles, was wir sehen, entspricht der Wirklichkeit. Wir wissen, dass in unserm Sonnensystem die inneren Planeten wegen der starken Gravitation der Sonne schneller um diese kreisen als die äusseren Planeten. Wenn die Erde in einem Jahr um die Sonne zieht, braucht der Saturn schon fast 30 Jahre, um die Sonne einmal zu umrunden. Unser Sonnensystem ist in einem Spiralarm der Milchstrassen-Galaxie eingebettet. Diese dreht sich auch um ihr Zentrum, allerdings in einem viel grösseren Zeitraum. Fritz Zwicky, ein Schweizer Astrophysiker, stellte in den 1930er-Jahren fest, dass bei den Drehungen der Galaxien um sich selbst etwas nicht stimmen konnte. Die äusseren Sterne in einer Galaxie drehen nämlich fast gleich schnell um das Zentrum wie die inneren.

Damals hielten die Wissenschafter diese Beobachtungen für falsch. Etwa 50 Jahre später untersuchte die Astrophysikerin Vera Rubin in den USA unsere Nachbargalaxie, die Andromeda-Galaxie, genauer. Ihre Messungen und Beobachtungen bestätigten die Messungen Zwickys. Er sprach damals von einer Dunklen Materie, welche einen Halo um die Galaxien bilden müsse, auch Halos um den von Zwicky beobachteten Coma-Galaxienhaufen im Sternbild Jungfrau. Erst in den 80er-Jahren begann man dieser Frage genauer auf den Grund zu gehen. Heute wissen wir, dass zwei Kräfte unser Universum bestimmen: Die Dunkle Materie und die Dunkle Energie. Die Dunkle Materie ist im ganzen uns bekannten Universum kräftebestimmend und sorgt dafür, dass die Galaxien nicht einfach auseinanderfallen. Die Gravitationskräfte allein wären viel zu schwach, um Galaxien und Galaxienhaufen zusammenzuhalten. Die Dunkle Energie ist auch ein grosses Rätsel, denn sie lässt unser Universum beschleunigt ausdehnen. Wir verdanken der Dunklen Materie sogar unser Leben, denn es gäbe kein Sonnensystem, wenn sie die Milchstrassen-Galaxie nicht zusammenhalten könnte. Derzeit wird versucht, mit neuen Messmöglichkeiten die Dunkle Materie und die Dunkle Energie zu finden. Bis 2015 wird der LHC-Beschleuniger in Genf weiter entwickelt. Man hofft, dort Antwort auf die Frage zu erhalten, warum die Dunkle Materie nicht mit der uns bekannten Materie, aus der die Sterne und letztlich auch wir bestehen, kommuniziert. Stellen Sie sich vor, die bekannte Materie, die wir sehen und erforschen können, aus der u. a. auch alle Lebewesen zusammengesetzt sind, macht nur knapp 5% des ganzen Universums aus. Den Rest gilt es noch zu erforschen.

Bild: Hanspeter Steidle

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