Herbstnebel im Toggenburg

In den vergangenen Wochen hat es im mittleren und unteren Toggenburg häufig Nebel gehabt. Ruedi Kleger, der für das Toggenburger Tagblatt übers Wetter schreibt, erläutert, wie Nebel entsteht und weshalb es im Thurtal in den vergangenen Wochen vermehrt neblig gewesen ist.

Matthias Giger
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TOGGENBURG. In den vergangenen Wochen ist es im mittleren und unteren Toggenburg morgens häufig neblig gewesen. Ruedi Kleger erläutert, warum. Er befasst sich hobbymässig mit dem Wetter und schreibt monatlich für das Toggenburger Tagblatt über das Wetter.

«Wasser hat es immer in der Luft, auch wenn man es nicht spürt oder sieht», sagt Ruedi Kleger. Der Anteil dieses gasförmigen Wassers in der Luft bezeichne man als relative Luftfeuchtigkeit. Gemessen werde sie mit einem Hygrometer. Wärmere Luft kann mehr Wasser aufnehmen als kalte Luft. «Dies lässt sich an der Sättigungsfeuchtigkeit ablesen. Sie gibt an, wie viel Gramm gasförmiges Wasser ein Kubikmeter Luft maximal aufnehmen kann, bevor das Wasser kondensiert», erläutert Ruedi Kleger. Bei 20 Grad Celsius kann ein Qubikmeter Luft beispielsweise 17,3 Gramm Wasserdampf aufnehmen, bei 10 Grad sind es noch 9,4 Gramm und bei 0 Grad noch 4,8 Gramm. Verbildlichen lässt sich dies an zwei gleich grossen Räumen. In «Raum 1» ist für 100 Leute gestuhlt. In «Raum 2» ist nur für 50 Leute gestuhlt. In jedem Raum befinden sich 25 Leute. Obwohl die Räume gleich gross sind, beträgt die relative Belegung von «Raum 1» 25 Prozent und von «Raum 2» 50 Prozent. Die Sättigung liegt bei «Raum 1» bei 100 Leuten und bei «Raum 2» bei 50 Leuten. Gehen 75 Leute in «Raum 2», so haben nicht alle Platz, während sie in «Raum 1» noch Platz hätten. Je wärmer die Luft ist, für desto mehr Leute ist gestuhlt und je kälter, desto weniger Stühle gibt es in dem Raum. So ähnlich verhält es sich auch mit dem Wasserdampf in der Luft. Was keinen Platz mehr hat, kondensiert und wird sichtbar, in Form von Nebel oder in Form von Wolken.

Im Hochdruckgebiet sinkt Luft

«Wenn ein Hochdruckgebiet über Mitteleuropa liegt, ist es in Berglagen schön und in den Niederungen neblig», sagt Ruedi Kleger. Doch weshalb? Im Hochdruckgebiet gibt es absinkende Luftbewegungen. Pro 100 Metern wärmt sich sinkende Luft um ein Grad auf. Die Stühle im Raum werden also mehr. In wolkenlosen Nächten kühlen sich die bodennahen Luftschichten aufgrund der fehlenden Sonneneinstrahlung und der Erdabstrahlung besonders stark ab. Bei unserem Beispiel werden also viele Stühle aus dem Raum genommen. Der Wasserdampf ist aber noch immer in derselben Menge in der Luft enthalten. Werden mehr Stühle aus dem Raum genommen, als noch frei sind, müssen einige der Besucher aufstehen. Der Wasserdampf kondensiert, wird also zu feinen Wassertröpfchen, was wir als Nebelschwaden oder Wolken kennen. Wasserdampf kondensiert immer dann, wenn die absolute Menge des in der Luft enthaltenen Wasserdampfes die Sättigungsfeuchtigkeit der morgendlichen Temperatur überschreitet. «Nebel entsteht, wenn sich warme Luft in den Niederungen stark abkühlt, wenn also der Sättigungswert unter den absoluten Wert absinkt», sagt Ruedi Kleger. Er könne aber auf unterschiedliche Weise entstehen. Nebel sei also nicht an ein Hochdruckgebiet und sinkende, sich aufwärmende Luft gebunden, die sich in den Niederungen abkühlt. «Doch dieses Phänomen, dass sich Strahlungsnebel nennt, hat uns im Thurtal zwischen Bazenheid und Nesslau in den vergangenen Wochen einige neblige Morgen beschert», erläutert Ruedi Kleger. Am Vormittag löst sich der für Herbst und Winter typische Strahlungsnebel oft rasch wieder auf. Die Wassertröpfchen verdunsten schnell.

«Zu Beginn eines Hochdruckgebiets, das sich bildet, ist die Nebelobergrenze meistens am höchsten. Dann sinkt sie in der Regel Tag für Tag, weil wärmere Luft die kältere nach unten verdrängt», sagt Ruedi Kleger. Kühl ist es auch weiter oben im Tal, wieso ist es dort nicht auch neblig? «Die Nebelobergrenze hört dort auf, wo diese warme Luftschicht beginnt. Die Meteorologen nennen dies Inversion», erläutert Ruedi Kleger.

Wolken, gleiches Phänomen

Wolken entstehen auf eine ähnliche Art wie Nebel. Allerdings steigt hier wärmere Luft vom Boden auf. Pro 100 Metern kühle sich diese Luft um ein Grad ab. «Und wieder kondensiert der Wasserdampf, wenn die Menge den Sättigungswert erreicht», sagt Ruedi Kleger.