Neue Ausstellung im Museum Heiden: Henry Dunant versus Alfred Nobel

Die neue Kabinettausstellung «Der Preis für den Frieden» im Henry Dunant-Museum Heiden feierte am Sonntag Vernissage.

Isabelle Kürsteiner
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Andrea Caroni, Andreas Ennulat, Jürg Kesselring und Alfred Stricker in der Kabinettausstellung «Der Preis für den Frieden» im Henry-Dunant-Museum Heiden. Bild: IKS

Andrea Caroni, Andreas Ennulat, Jürg Kesselring und Alfred Stricker in der Kabinettausstellung «Der Preis für den Frieden» im Henry-Dunant-Museum Heiden. Bild: IKS

Norbert Näf, Präsident des Henry-Dunant-Museums Heiden, dankte eingangs Vizepräsident Andreas Ennulat für die Koordination der Ausstellung «Der Preis für den Frieden», ebenso den Museumsleiterinnen Kaba Rössler und Nadine Schneider. Letztgenannte führten durch die Vernissage.

Neurologe Jürg Kesselring, Mitglied des IKRK Komitees, zeigte die Geschichte des Roten Kreuzes auf. Geschäftsmann Henry Dunant wollte vom Kaiser Steuererleichterung und reiste ihm nach. So geriet er in die Schlacht von Solferino, wo 40000 Tote und ebenso viele Verletzte zu beklagen waren. Er erlebte, dass zu deren Versorgung nichts vorbereitet war und half, vor allem zusammen mit Frauen. Das war 1859, 1864 wurde die Konvention vorgestellt, die Grundprinzipien wie Menschlichkeit, Unparteilichkeit oder Neutralität festlegte. Letzteres durchzusetzen, war unpopulär, weshalb der Friedensnobelpreisträger von 1901 bald aus dem Komitee entlassen wurde. Kesselring zeigte eine Aufstellung von Studenten, die aktuelle Grundprinzipien formulierten. Er regte an, dass sie auch für Politiker Gültigkeit haben sollten, wobei er die anwesenden höchsten Politiker – Ständerat Andrea Caroni und Landammann Alfred Stricker – ermutigte, sie in ihre Gremien hineinzutragen. Empathie, aktives Zuhören, kritikloses Denken, keine Vorverurteilung, nicht verletzende Kommunikation, kollaborative und vermittelnde Verhandlungen, persönliche Resilienz und innerer Friede hatten die jungen Leute als neue Grundprinzipien zusammengestellt. Als Beispiel für Haltung und Handlung im Namen der Humanität, die nicht definiert, nur beschrieben werden könne, nannte Kesselring den Guten Samariter (Lucas 10) sowie den in Heiden geborenen Diplomaten und späteren IKRK-Präsidenten Jakob Kellenberger. Ausserdem verwies er auf «Die Klage des Friedens» von Erasmus von Rotterdam. Weiter zeigte er den Zwiespalt in kriegerischen Auseinandersetzungen von Soldaten beider Seiten auf und stellte fest: «Da ist man froh, wenn man neutral ist als Rot-Kreuzler.» Er bilanzierte, dass der Preis für den Frieden hoch sei. Aber es lohne sich, als Schweiz dazu beizutragen.

Preis ist männlich, weiss, gut situiert

Andreas Ennulat stellte fest, dass sich Henry Dunant und Alfred Nobel nie persönlich getroffen hatten. Während Humanist Dunant Regeln für ein friedliches Zusammenleben formen wollte, stand Nobel für Waffen zur kriegerischen Auseinandersetzung und damit für Friedenserhaltung ein. Er erfand das Dynamit. Dass Nobel neben Auszeichnungen für Technik und Wirtschaft einen Preis für Frieden einrichtete, ist Bertha von Suttner zu verdanken. Sieben Konzepte von Frieden durch Recht über Flüchtlingshilfe bis hin zu Bedrohung der Umwelt wurden zur Ernennung benützt. Ennulat unterstrich: «Der Preis ist männlich, weiss und gut situiert.» Von den 107 Einzelpersonen und 27 Organisationen wurden bisher 90 Männer und nur sieben Frauen ausgezeichnet. Heute werde diesem Umstand Rechnung getragen, wobei Frauen, aber auch Asien, Afrika und Lateinamerika bisher eher stiefmütterlich behandelt wurden.

Holztafeln mit Vor- und Rückseiteninformation

Die Ausstellung ist auf Holz geprägt. Holztafeln dürfen gedreht werden, weil auf der Rückseite weitere Daten zu ausgezeichneten Organisationen und Personen stehen, beispielsweise über Bertha von Suttner, Martin Luther King oder Michail Gorbatschow. «Der Preis für den Frieden» informiert und fasziniert. Damit ist dem Henry-Dunant-Museum ein ganz spezielles Meisterstück gelungen.