Heiden
Ausstellungseröffnung am Sonntag: Henry Dunant wird im «Dunant Plaza» völlig neu interpretiert

Am Sonntag schliesst das Dunant-Museum in Heiden seine Tore. Gleichzeitig eröffnet das «Dunant Plaza» als Übergangslösung seine Ausstellung «fair play». Diese verwandelt im ehemaligen Hotel Krone das Parterre samt Bistro in ein Spielfeld.

Astrid Zysset
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Nadine Schneider, Co-Museumsleiterin, Kaba Rössler, Co-Museumsleiterin, und Lea Schaffner, Kuratorin, nehmen in der neuen Ausstellung «fair play» Platz.

Nadine Schneider, Co-Museumsleiterin, Kaba Rössler, Co-Museumsleiterin, und Lea Schaffner, Kuratorin, nehmen in der neuen Ausstellung «fair play» Platz.

Bild: Astrid Zysset

Das ehemalige Hotel Krone in Heiden wird umgenutzt. Ab Sonntag eröffnet hier ein kleines Bistro. Und: Die Wechselausstellung «fair play» des deutschen Künstlers Philip Ullrich feiert Vernissage. Es ist die erste Ausstellung, welche im neu eröffneten «Dunant Plaza» die Veranda wie auch den Ausstellungsraum bespielt. Schon im Frühjahr waren die Installationen «Window Paintings» der Kunstschaffenden Monica Germann und Daniel Lorenzi wie auch «pick-bi-bick-inn» von Valentina Minnig zu sehen. Diese beschränkten sich jedoch auf die Veranda. Neu erstrecken sich die Ausstellungen auch auf die Innenräume. Das Bistro gilt als Veranstaltungs- und Vermittlungsraum.

Das «Dunant Plaza» wird temporär genutzt, solange bis das Dunant-Museum umgebaut ist. «Wir wollten nicht einfach die Tore ersatzlos schliessen», sagt Nadine Schneider, Co-Museumsleiterin. Im «Dunant Plaza» sollen zeitgenössische Arbeiten Dunants Kernthemen aufgreifen und neu interpretieren.

Dabei ist der Bezug nicht immer offensichtlich. Norbert Näf, Vereinspräsident des Henry-Dunant-Museums, nennt dies den «Mut zur Irritation». Bei den vergangenen Installationen hätten die Zuschauerinnen und Zuschauer die Verbindung zum Rot-Kreuz-Gründer oft nicht auf den ersten Blick erkannt. «Wir traten mit den Besuchern in den Dialog und alles klärte sich auf», so Näf. «Das ist genau das, was wir wollen», ergänzt Schneider. «Ein Austausch. Ein offenes Haus.»

Anklagebank und Ersatzbank zugleich

Bei der Ausstellung «fair play» erinnert der Saal neben dem Bistro an eine Turnhalle. Basketballkörbe sind an der Wand aufgezeichnet, Bänke stehen im Raum und auf dem Boden finden sich Linien und Markierungen. Zu lesen sind Formulierungen wie «Geh in die Offensive», «Wenn du noch eine Chance haben willst, verteidige dich» und «Bleib am Ball». Zwischen den Basketballkörben ist eine Richterbank angedeutet.

«Es sind subtile Fragen, welche der Künstler mit seiner Ausstellung aufwirft», sagt Kuratorin Lea Schaffner. Symbole und Sprache aus Spiel und Sport werden in das reale Leben übertragen. Welche Linien übertreten wir tagtäglich? Welche loten wir aus? Und welche Perspektive nehme ich ein? Der Bezug zu Henry Dunant ergibt sich unter anderem über die Fairness. Dieser ist naheliegend – beispielsweise mit der Bank, die als Ersatzbank im Spiel wie auch als Anklagebank interpretiert werden kann – oder aber auch weiter her geholt. So sind die Ringe der Olympischen Spiele nur auf den zweiten Blick als solche erkennbar, da der Künstler die Schnittmenge der Ringe thematisiert.

Auf der Veranda stehen zwei Tribünen sowie zahlreiche Hocker. Diese sind individuell beschriftet mit «wildeste Träumer», «reichste Figur» oder auch «heiligstes Wesen». Allesamt Superlative. Immer besser, immer schneller – darum geht es in der Welt des Sports. Die stetige Steigerung des Strebens soll hier ad absurdum geführt werden. Aufgeteilt ist die Veranda weiter in einzelne Bereiche; Beschriftungen an der Wand verraten dies. Doch Linien auf dem Boden gibt es nicht. «Es sind Räume ohne eigentliche Begrenzungen», sagt Schaffner. Die Räume müssen gedacht werden. Die Frage ist nun: Halten wir uns daran? Oder werden einzelne Spielfiguren ausgeschlossen?

Wiedereröffnung Dunant-Museum im März 2023

Die Kernthemen Henry Dunants finden im «Dunant Plaza» auf unterschiedlichste Weise ihren Platz. Möglich sei auch, dass einzelne Interpretationen ins neue Dunant-Museum übernommen werden. Jenes Museum sei «etwas in die Jahre gekommen», so Schneider, weshalb es derzeit gänzlich neu konzipiert wird. Die Wiedereröffnung ist auf März 2023 geplant.