Hemetli-Genossenschafter in Herisau sollen weniger Zins erhalten

Die Wohnbaugenossenschaft Hemetli Herisau blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2019 zurück. Die äusseren Umstände machen dennoch Anpassungen nötig.

Alessia Pagani
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Die Wohnbaugenossenschaft Hemetli Herisau hat 2019 unter anderem Investitionen getätigt in die Fassadensanierung und die Balkonerweiterung an der Steinrieselnstrasse.

Die Wohnbaugenossenschaft Hemetli Herisau hat 2019 unter anderem Investitionen getätigt in die Fassadensanierung und die Balkonerweiterung an der Steinrieselnstrasse.   

Toni Küng

Eigentlich hätten sich die Mitglieder der Wohnbaugenossenschaft Hemetli Herisau Anfang April zur Generalversammlung treffen sollen. Wegen des Versammlungsverbots wurde diese  auf den 25. Juni verschoben. Die Durchführung ist gemäss «Hemetli»-Präsident Fredi Züst allerdings auch an diesem Datum ungewiss. Als letzte Möglichkeit bliebe den Mitgliedern die schriftliche Stimmabgabe. Die Mitglieder würden in diesem Fall informiert, so Züst. Die endgültige Entscheidung fällt in den kommenden Tagen. «Ohne Gegenbericht findet die Generalversammlung am 25. Juni statt.»

Fredi Zuest, Präsident Hemetli Herisau

Fredi Zuest, Präsident Hemetli Herisau

Bild: PD

Einfach würde ein Entscheid zur Absage dem Vorstand nicht fallen. Die Generalversammlungen der Wohnbaugenossenschaft Hemetli waren in den vergangenen Jahren stets gut besucht. Das Interesse an deren Arbeit dürfte auch in diesem Jahr gross sein, die Institution blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2019 zurück. Auch beantragt die Verwaltung eine Reduktion des Zinssatzes für das Genossenschaftskapital auf 1 Prozent. In den vergangenen vier Jahren wurde dieser unverändert bei 1,5 Prozent belassen. Grund für die Anpassung ist das anhaltend tiefe Zinsniveau beziehungsweise die Negativzinsen der Banken. Züst ist überzeugt, damit noch immer ein attraktives Angebot zu bieten:

«Man findet fast nirgends einen so hohen Zinssatz für Genossenschaftskapital.»

Neustrukturierung erfolgreich abgeschlossen

Wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht, war das Jahr 2019 geprägt von der Neuorganisation der Verwaltung mit der Trennung von strategischer und operativer Ebene. Dadurch verkleinerte sich die Verwaltung um eine Person auf deren fünf, die Geschäftsstelle wurde um eine Person aufgestockt. Die Strukturanpassungen bedeuteten einen Mehraufwand für alle Beteiligten, wurden gemäss Züst allerdings erfolgreich bewältigt. «Es hat sich gut eingespielt.»

Auch nach der Umstrukturierung bleibt die Strategie der Wohnbaugenossenschaft dieselbe: das Anbieten von altersgerechten Wohnungen, aber auch von preisgünstigen Familienwohnungen. Züst nennt als Beispiel jene im Lederbach oder an der Steinrieselnstrasse. Die Mietbestände zeigten, dass eine Nachfrage auch in diesem Bereich da sei, so Züst.

Der Schwerpunkt der Wohnbaugenossenschaft Hemetli lag 2019 nebst den organisatorischen Aufgaben bei der Fassadensanierung und Balkonerweiterungen der Liegenschaft Steinrieselnstrasse 76 für rund 3,2 Millionen Franken sowie beim Ersatz des 50 Jahre alten Personenaufzugs an der Kasernenstrasse 98a für 143'000 Franken. Hinzu kamen die letzten Arbeiten beim Neubauprojekt Rosenaupark. Wie aus dem Jahresbericht hervorgeht, sind seit Herbst 2019 alle 40 Wohnungen im Rosenaupark vermietet. Der Betrieb habe sich gut eingespielt.

Zahl der Mieterwechsel stark angestiegen

Die Zahl der Neumitglieder ist wiederum angestiegen. 42 neue Genossenschaften sind hinzugekommen, womit sich die Gesamtzahl auf 1173 steigerte. Dies kommt einem Rekordstand gleich. Dadurch ist dem «Hemetli» neues Kapital von 696000 Franken zugeflossen.

Das Genossenschaftskapital erhöhte sich im 2019 somit auf rund 16 Millionen Franken. Hingegen verzeichnete die Wohnbaugenossenschaft 2019 eine hohe Zahl an Mieterwechseln. Von 28 im Jahr 2018 hat sie sich auf deren 48 erhöht. Züst führt dies unter anderem auf das fortgeschrittene Alter der Genossenschafter zurück.

Das «Hemetli» besitzt rund 280 Wohnungen in Herisau, sieben davon waren Ende Januar 2020 nicht vermietet. Um den administrativen Aufwand künftig zu reduzieren, werden gemäss Züst effizientere Lösungen in Bezug auf die Warteliste erarbeitet. Die Erfolgsrechnung schliesst bei Einnahmen von knapp 3,86 Millionen Franken mit einem Gewinn von rund 250000 Franken. Der Darlehensbestand beläuft sich auf rund 4,7 Millionen Franken.