HEMBERG: Wechsel im Sonderschulinternat

Marcel Recher hat die Leitung des Sonderschulinternats Hemberg per 1. Oktober an Daniel Lehmann übergeben, der bereits Teil der Geschäftsleitung war. Die Ziele bleiben bestehen.

Cecilia Hess-Lombriser
Merken
Drucken
Teilen
Daniel Lehmann (links) ist in die Fussstapfen von Marcel Recher gestiegen. (Bild:)

Daniel Lehmann (links) ist in die Fussstapfen von Marcel Recher gestiegen. (Bild:)

Cecilia Hess-Lombriser

redaktion

@toggenburgmedien.ch

«Wenn Kinder und Jugendliche ins Sonderschulinternat eintreten, befinden sie sich meistens in einer Krise», schreibt Marcel Recher einleitend in seinem letzten Editorial zum Jahresbericht 2016. Damit spricht er an, wer die primären Kundinnen und Kunden des Sonderschulinternats sind, die an einem der schönsten Orte des Kantons St. Gallen auf über 900 Meter über Meer betreut, begleitet und gefördert werden.

Ende September hat Recher die Leitung aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig abgegeben. Ein würdiger und herzlicher Abschied ist ihm vor den Herbstferien geschenkt worden. Die Wertschätzung für die Aufbauarbeit und die Entwicklung des Sonderschulinternats Hemberg ist dabei deutlich geworden.

Recher hatte seine Arbeit vor zehn Jahren von einem Interimsleiter übernommen. Das Sonderschulinternat litt damals unter seinem ramponierten Ruf. Recher nahm die Herausforderung an. Heute ist das kleinste von sechs Sonderschulinternaten im Kanton eine etablierte Einrichtung mit 27 Internats- und 30 Sonderschulplätzen. «Es war eine spannende Aufgabe. Einem Kind vorurteilsfrei zu begegnen und eine Vertrauensbeziehung aufzubauen, waren für mich Grundvoraussetzungen für eine positive Entwicklung. Dabei war es mir immer wichtig, dass nicht nur auf das problematische Verhalten des Kindes fokussiert wird, sondern die Erwachsenen immer wieder ihren eigenen Anteil betrachten», sagt Recher im Gespräch an seinem ehemaligen Besprechungstisch, den er nun dem 34-jährigen Daniel Lehmann überlässt.

«Er wollte Verbindungen schaffen, Beziehungen gestalten», bestätigt der neue Leiter die Haltung seines Vorgängers, mit dem er seit drei Jahren in der ­Institutionsleitung zusammenarbeiten durfte, weil Recher bereits etwas kürzertreten musste. Den Menschen als Ziel im Auge behalten, das ist für beide Männer ein Anliegen. Es geht bei ihrem Auftrag darum, dass verunsicherte Kinder und Jugendliche gestärkt werden und eine gesunde Identität entwickeln und wieder fähig werden, sich auf das Lernen in der Schule einzulassen.

Kommunikation hat hohen Stellwert

«Er hat Herzblut in die Organisation gesteckt», sagt Lehmann über Recher. Dieser sagt über seinen Nachfolger: «Ich bin glücklich über diese interne Lösung.» Daniel Lehmann arbeitet seit acht Jahren in der Institution. Zuerst als Sozialpädagoge, dann als Wohngruppenleiter, und als solcher übernahm er vor drei Jahren zu 40 Prozent Verantwortung in der Leitung, um Recher zu entlasten. Soeben hat er seine Masterarbeit zum Thema Qualitätsentwicklung eingereicht. Während Jahren hat er in Modulen das Masterstudium Sozialmanagement absolviert.

Seine Aufgabe ist so anspruchsvoll wie vielseitig. Die Kommunikation mit verschiedensten Gesprächspartnern – internen und externen – hat einen hohen Stellenwert. Erwartungen, Herausforderungen, Ängste und Überforderungen laufen bei ihm zusammen. Dabei kommt Lehmann zugute, dass er in seiner Zusatzausbildung Mediation und Konfliktmanagement gelernt hat, mit Konflikten umzugehen. Immerhin arbeiten 40 Personen – in rund 20 Vollstellen – im Sonderschulinternat.

Zusätzlich sind stets die Finanzen im Auge zu behalten. An erster Stelle steht für ihn aber das Wohl der Kinder und Jugendlichen. «Was braucht es, was ist zumutbar?», sind Fragen, die er sich stellt. Es ist sein erklärtes Ziel, das Sonderschulinternat weiterzuentwickeln, weil auch an diesem Ort immer wieder Reflexion und Veränderung nötig sind.