Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

HEMBERG-SINGAPUR: Vom Dorfbuben zum Unternehmer

Aus den Jugenderinnerungen des «Überseers», Textilkaufmanns und Designers Otto Alder (1849–1933), der sich Ende des 18. Jahrhunderts auf nach Singapur machte und dort seine Karriere startete.
Fabian Braendle
Otto Alder, 1849 bis 1933. Textilfachmann mit internationaler Erfahrung aus Hemberg. (Bild: PD)

Otto Alder, 1849 bis 1933. Textilfachmann mit internationaler Erfahrung aus Hemberg. (Bild: PD)

Fabian Braendle

redaktion

@toggenburgmedien.ch

Seine Grosseltern waren von der Vögelinsegg ins Toggenburg ausgewandert und gehörten zu den Pionieren der Buntweberei. Der Vater war Associé einer Fabrik, geriet aber in Geldschwierigkeiten. Grossmutter und Mutter arbeiteten tatkräftig mit im Betrieb. Auch Otto Alder als Erstgeborener musste spulen und Botengänge verrichten, mehr noch als die Bauernkinder. Freizeit war also knapp: «Besonders unglücklich war ich dann, wenn ich hörte, wie unten auf der Strasse die Dorfbuben frei herumtollen durften».

Als «Landei» in der Stadt

Die Familie übersiedelte nach St. Gallen, wo Otto an die Aktivbürgerschule ging. Als «Landei» hatte er es dort zu Beginn nicht leicht. Die Mitschüler hänselten und quälten ihn. Der aufgeweckte Junge wechselte in die Merkantilabteilung der Kantonsschule. Für viele Abgänger war es Usus, nach der Schule in die Welt hinaus zu reisen. Zwei Klassenkameraden gingen nach England, zwei nach Nordamerika, während ein Schulgspänli auf Sansibar früh verstarb. Im Dezember 1865 fand Alders Kantonsschulkarriere einen jähen Abschluss. Alder wollte die Schule abschliessen und dann im Welschland sein Französisch perfektionieren. Doch hatte er auf Befehl des kränkelnden Vaters hin eine Bürolehre bei einem Onkel in Hemberg anzutreten. Die monotone Arbeit war unter der Würde als Drittmerkantiler. Er hatte «Stückli zu staben», Etiketten zu kleben, Briefe zu kopieren auf der Kopierpresse, Postdienste zu verrichten. 1866 brach der Deutsch-Österreichische Krieg aus, der den Handel mit Österreich und der Walachei (Rumänien) zum Erliegen brachte: «Wir sassen auf den Warentischen herum, schlenkerten die Beine und langweilten uns zu Tode, denn die Chefs dachten nicht daran, uns nach Hause zu schicken, immer erwartend, die Verhältnisse würden sich bald ändern.» Alder lernte nun Französisch im Welschland und schloss dann seine Lehre ab. Die Toggenburger Fabrikanten lösten sich allmählich von den St. Galler Kommissionshäusern und exportierten direkt, bis nach Afrika und Ostasien (Singapur, Manila, Java). Nun sah man in der mechanischen Stickerei die Zukunft des Textilgeschäfts. Gefragt waren Sarongs und Slendangs (Schärpen). Den einheimischen Kaufleuten eröffnete die neue Strategie der Toggenburger Firmen zahlreiche Möglichkeiten. Die Firmen wurden grösser, stellten eigene Buchhalter ein.

Karriere in Singapur

1890 machte sich Alder auf nach Singapur, damals eine britische Kronkolonie. Das moderne Singapur war 1819 vom britischen Handelsmann, Visionär und Abenteurer Thomas Raffles als Kolonie der Ostindien-Kompanie gegründet worden. Vorher war es ein unbedeutendes Piratennest gewesen. 1826 wurde Singapur neben Melaka und Penang eines der britischen «Straits Settlements», die den Handel mit China und Indien militärisch sicherten. Die Hafenstadt wuchs schnell an und zählte 1860 bereits mehr als 80 000 Einwohner. Mehr als 65 Prozent der Bevölkerung waren Chinesen. Der Rest der Bevölkerung bestand aus Malaien, Indern und rund 500 Europäern, die stets Angst vor Aufständen hatten.

Damals bestand bereits eine Schweizer Kolonie, organisiert in einem Club, den Otto Alder mitbegründet hatte. Dort jassten und kegelten die Singapurfahrer, und sie tranken auch viel Alkohol. Sie vergnügten sich mit Schiessübungen und imponierten so den Einheimischen. Alder hatte sich rasch eingelebt. Er lernte Malaiisch und sprach auch das «Pidgin»-Englisch, die «lingua franca» Ostasiens. So stieg er bald zum Teilhaber einer Hamburger Firma auf.

Innovativer Kopf der Textilbranche

Nach vier Jahren in Ostasien kehrte Otto Alder zurück in die Ostschweiz, wo er eine bemerkenswerte Karriere machte und auch viel publizierte. Er war einer der innovativsten Köpfe der Textilbranche. Nicht zuletzt seine Erfahrungen in der Fremde als «Überseer» machten ihn zu einem Mann, der Innovationen gegenüber offen war.

Alder, Otto. Jugenderinnerungen eines St. Gallischen Überseers aus den Jahren 1849–1873. Der Familie und Freunden erzählt. St. Gallen 1929.

Zangger, Andreas. Koloniale Schweiz. Ein Stück Globalgeschichte zwischen Europa und Südostasien (1860–1930). Bielefeld 2011.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.