HEMBERG: Galopps und Polkas mit Bodenhaftung

Nicht weniger als drei Träger des Goldenen Violinschlüssels musizierten am Sonntag gemeinsam in der evangelischen Kirche. Dem Publikum gefiel das Dargebotene, es ging später glücklich-beschwingt in den Abend.

Lukas Bolt
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Die sechs Instrumentalisten mit Wolfgang Sieber (weisser Hut). (Bild: PD)

Die sechs Instrumentalisten mit Wolfgang Sieber (weisser Hut). (Bild: PD)

Eine ganze Menge wurde dem Publikum in der Einladung zum Konzert der Hanneli Musig, gemeinsam mit Wolfgang Sieber an der Orgel, versprochen. So war die Rede von einem abwechslungsreichen Konzert, Walzer mit Schmelz, temporeichen Galopps und Polkas mit Bodenhaftung, angereichert mit Harmonien und rhythmischen Spezialitäten. Die hohen Erwartungen wurden mehr als erfüllt und das Publikum wurde rundum zufrieden und glücklich-beschwingt dem Sonntagabend übergeben.

Wolfgang Siebers «Anpfiff»

Das Publikum hatte wohl geahnt, dass es etwas Grossartiges erwartet, denn schon rund eine Stunde vor dem Konzert kam es in die evangelische Kirche Hemberg, um sich einen guten Platz zu sichern. So zeigte sich denn auch der Organisator der Konzert­reihe, Lukas Bolt, in seiner Begrüssung hoch erfreut über den grossen Besucheraufmarsch. Er unterstrich die wohl einmalige Tatsache, dass im bevorstehenden Konzert nicht weniger als drei Träger des Goldenen Violinschlüssels gemeinsam musizieren werden. Ausgezeichnet werden damit Personen, die sich für die Volksmusik in besonderer Weise einsetzen und sich so in ausserordentlicher Art verdient gemacht haben. Der Gründer des Ensembles, Ueli Mooser, bekam die Auszeichnung 2010, Wolfgang Sieber 2014 und schliesslich Dani Häusler im aktuellen Jahr.

Wolfgang Sieber startete solo ins Programm mit seiner dafür prädestinierten Eigenkomposition «Anpfiff». Genauso fulminant, aber trotzdem filigran und mit unglaublicher Präzision ging es, dem Konzerttitel «Über Stock und Stei» gemäss , weiter in verschiedenen Gangarten. Galopp aus Glarus, Leicht zu Fuss aus Graubünden, Über Stock und Stei aus St. Gallen.

Johannes Schmid-Kunz führte gewohnt humorvoll, sympathisch und mit spannenden ­Anekdoten zu den einzelnen ­Stücken durchs Programm. Man spürt die Ehrfurcht und die Begeisterung der Musiker für ihre Hanny Christen. Sämtliche Stücke der Hanneli-Musig sind nämlich aus deren Sammlung, die über 12000 Melodien von Volksmusikstücken enthält. Ein Leben lang sammelte sie solche aus ­allen Landesteilen. Die sechs Multiinstrumentalisten des Ensembles und Wolfgang Sieber arrangieren die Melodien in ihrer unverkennbaren Weise – sehr farbig, abwechslungs- und temporeich, tiefgründig und mit extrem feinem Gespür für Details. Besonderen Applaus ernteten Stücke aus dem Toggenburg. Der Rosenblüten-Walzer wurde von Emil Brunner «Boden» überliefert, der die Stücke in einem «Tanzbüchlein von Hemberg, Schönengrund und Peterszell» gesammelt hatte und sie Hanny Christen zur Abschrift überliess. Sehr beeindruckend auch, was Wolfgang Sieber in den Toggenburger Hausorgeltänzen aus der «nur» 18 Register zählenden Hemberger Orgel an Farben hervorzaubert. Nach rund 75 Minuten Musikgenuss auf höchstem Niveau durfte das Publikum gar bei der Zugabe des «Abschieds vom Städtchen» singend mitwirken und die Musikanten dann unter frenetischem Applaus mit dem «Winterthurer Schottisch» hinausbegleiten.

Lukas Bolt

redaktion@toggenburgmedien.ch