Heller, freundlicher und offener: Die Postfiliale Herisau wird modernisiert

Momentan laufen in der Postfiliale Herisau Umgestaltungsarbeiten. Ab dem 19. Oktober werden die Kundinnen und Kunden in aufgefrischten und mit viel Holz ausgestatteten Räumlichkeiten empfangen. Neu können Pakete selbstständig aufgegeben werden.

Alessia Pagani
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Die Postfiliale in Appenzell erfuhr im März bereits eine Modernisierung. Nach denselben Massstäben wird nun auch die Filiale in Herisau umgestaltet.

Die Postfiliale in Appenzell erfuhr im März bereits eine Modernisierung. Nach denselben Massstäben wird nun auch die Filiale in Herisau umgestaltet.

PD

Heller, offener, freundlicher – so soll sich die Postfiliale im Herisauer Dorfzentrum in wenigen Tagen präsentieren. Während das Unternehmen schweizweit Filialen schliesst, erfährt jene in der Hinterländer Gemeinde eine Modernisierung. «Wir gestalten die Filiale mit viel Holz und hellen Farben neu und sorgen so für einen frischen Look», sagt Post-Mediensprecher Markus Werner. Die Arbeiten sind seit dem 21. September in Gang und dauern noch bis zum 17. Oktober. Der Betrieb läuft in dieser Zeit uneingeschränkt weiter.

Die Post hatte angekündigt, «im frischen Look neben Bewährtem viel Neues in gewohnter Postqualität» zu bieten. Darunter fällt gemäss Werner ein Paketeinwurf, an dem vorfrankierte Sendungen aufgegeben werden können, ohne am Schalter anstehen zu müssen. Einen Abbau des bisherigen Angebots gibt es nicht. «In der Filiale werden weiterhin alle Postdienstleistungen angeboten», so Werner.

Investitionen von 40 Millionen Franken in den kommenden Jahren

Der Grund für die Umgestaltung ist die Wettbewerbsfähigkeit. Werner sagt:

Markus Werner, Mediensprecher Region Nord der Schweizerischen Post.

Markus Werner, Mediensprecher Region Nord der Schweizerischen Post.

PD
«Um die Grundversorgung in gewohnter Qualität zu erbringen und gleichzeitig für künftige Entwicklungen vorbereitet zu sein, entwickelt die Post ihr Netz an Zugangsmöglichkeiten kontinuierlich weiter.»

Zu diesem Zweck investiert das Unternehmen in der ganzen Schweiz in den nächsten Jahren rund 40 Millionen Franken in die Modernisierung von rund 300 eigenbetriebenen Filialen. Eine davon ist die Filiale Herisau Dorf. Im März dieses Jahres hatte die Post bereits die Filiale in Appenzell nach dem neuen Design umgestaltet. Im Februar die St. Galler Hauptpost.

Seit über 100 Jahren im selben Gebäude untergebracht

Die heutige Herisauer Postfiliale befindet sich in einem stattlichen Gebäude unweit der Dorfkirche, das auf eine über hundertjährige Geschichte zurückblickt und heute im Besitz der Assekuranz AR ist. Im Juni 1903 wurde das neue eidgenössische Post- und Telegraphengebäude in Betrieb genommen. Die Erstellung dauerte von 1899 bis 1902 und kostete 400'000 Franken.

Im Appenzeller Kalender aus dem Jahr 1903 werden die damaligen Räumlichkeiten beschrieben: «Die Schalterhalle der Postabteilung (Brief- und Fahrpost) ist sehr geräumig und mit den zum Schreiben nötigen, praktischen Einrichtungen für das Publikum versehen. Den Plafond dieser Halle ziert ein künstlerisch ausgeführtes Gemälde, dessen Motiv dem Landes- und Volkscharakter entnommen ist. Die Wandkrönung bilden gefällige Dekorationen in italienischer Renaissance. Sämtliche Zimmer sind hoch lichtvoll und freundlich gemalt oder mit modernen Tapeten bekleidet; die Aussicht auf die umgebende Landschaft ist zum Teil entzückend.» Und weiter:

«In den weiten, lichterfüllten Räumlichkeiten wird sich das Personal für Post, Telegraph und Telefon, das sich lange mit unzureichendem Raume begnügen musste, sicherlich wohlfühlen.»

Heute präsentiert sich die Postfiliale nach gängigen Massstäben alles andere als «lichtvoll» und «geräumig». Kein Gemälde sondern unifarbene Lamellen zieren die Decke.

Heute präsentiert sich die Postfiliale in Herisau kühl und in die Jahre gekommen. Mit der Umgestaltung erhält sie ein neues, frischeres Erscheinungsbild. Bereits wurden die Verkaufsregale entfernt.

Heute präsentiert sich die Postfiliale in Herisau kühl und in die Jahre gekommen. Mit der Umgestaltung erhält sie ein neues, frischeres Erscheinungsbild. Bereits wurden die Verkaufsregale entfernt.

Alessia Pagani

Rückgang von 72 Prozent bei den Briefsendungen

Über die Umbaukosten wie auch die Anzahl jährlicher Sendungen in der Filiale schweigt das Unternehmen. Klar ist allerdings: Die Schweizerische Post hat in den vergangenen Jahren Federn gelassen. Die Umsätze sind rückläufig. Immer seltener erledigen Kundinnen und Kunden ihre Postgeschäfte am Schalter. Bezogen auf Schalterdienstleistungen verzeichnete die Post bei den Briefen zwischen der Jahrtausendwende und 2019 einen Rückgang von 72 Prozent, bei den Paketen 37 Prozent und beim Zahlungsverkehr 50 Prozent. Zwei von drei Poststellen sind in dieser Zeit verloren gegangen oder wurden durch Partnerschaften in Kioske oder Lebensmittelgeschäfte integriert.

Davon betroffen war im Jahr 2013 auch die Filiale am Bahnhof Herisau. Die Räumlichkeiten wurden geschlossen und die Dienstleistung an den Avec abgetreten.

Kein Anspruch auf eigene Postfiliale

Die Filialschliessungen sorgten in der Vergangenheit immer wieder für Kritik, vor allem im ländlichen Appenzellerland. Vom Abbau betroffene Gemeinden versuchen oft, sich dagegen zu wehren. Einen Anspruch auf eine Poststelle haben sie allerdings nicht. Will die Post eine Filiale abbauen, muss sie zwar das Gespräch mit der betroffenen Gemeinde suchen, entscheiden darf sie allerdings allein.

Wie die Verantwortlichen bereits mehrfach angetönt haben, werde mit den Schliessungen allerdings nicht das Poststellennetz verkleinert, sondern im Gegenteil werden mehr Anlaufstellen für die Kunden geschaffen und das Angebot etwa mit Dienstleistungen rund um die Uhr wie beispielsweise 24-Automaten oder Pick-up-Stellen mit langen Öffnungszeiten vergrössert. An eigenbetriebenen Filialen will die Post langfristig allerdings festhalten, bekräftigt Werner nochmals.