Helfer pflegen Eidechsenbiotop

WATTWIL. Helferinnen und Helfer des Naturschutzvereins «nathur» pflegten kürzlich das preisgekrönte Eidechsenbiotop beim Gemeindehaus Wattwil. Zahlreiche Wucherpflanzen mussten ausgerissen werden, damit das Biotop nicht verwaldet.

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Gärtner Bruno Rogger und Vorstandsmitglied Urs Kollmann haben bei der Arbeit am Eidechsenbiotop in Wattwil vollen Einsatz gezeigt. (Bild: pd)

Gärtner Bruno Rogger und Vorstandsmitglied Urs Kollmann haben bei der Arbeit am Eidechsenbiotop in Wattwil vollen Einsatz gezeigt. (Bild: pd)

Vor mehr als 15 Jahren legten der lokale Naturschutzverein und der Jugendnaturschutz (Juna) das Eidechsenbiotop zwischen Thurweg und der Rückseite des Wattwiler Gemeindehauses an und gewannen damit einen Preis beim Projektwettbewerb «Aktion Zauneidechse» des WWF.

Damals wurde der humus- und nährstoffreiche Oberboden abgetragen, eine Kiesschicht machte das Gebiet zur sogenannten Ruderalfläche, und mit Felsbrocken sowie kleineren Steinen, die in einem Drahtgestell aufgeschichtet wurden, schufen die Naturschützer eine Tockensteinmauer, wie sie den Eidechsen zusagt. Schon im ersten Jahr zählte «nathur»-Präsident Franz Rudmann bei Kontrollgängen denn auch fünf bis sechs der Reptilien.

Ein Wald voller Eschen

In den ersten Jahren musste man zur Pflege des Biotops nur hier und da einen Löwenzahn oder einen winzigen Baumkeimling herauszupfen, erinnert sich Helferin Verena Roth. Am Samstag vergangener Woche dagegen konnten Helferinnen und Helfer keinen Kies mehr erkennen: Blaue Blüten der Wegwarte auf dünnen Stengeln schwanken in der noch lauen Herbstbrise, rosa Tupfen von Moschusmalve über filigranem Blattwerk überragen den Rasen aus Wegerich, Gras und Löwenzahn zwischen den Steinen. Vor dem Gemeindehaus, wo entlang dem Fundament grobe Kieselsteine auf Sand lagern, zeichnete sich ein wahrer Wald von Eschen ab, direkt über dem Winterquartier der Zauneidechsen. Hier haben sie sich in den Untergrund gebohrt, bevor sie ganz starr wurden. Ihre Körper haben nun dieselbe Temperatur wie die Umgebung. Wollen sie auf Jagd gehen, müssen sie sich zuerst auf einem wärmenden Stein in die Sonne legen, um ihren Stoffwechsel hochzufahren für geschmeidige Muskeln und Sprungkraft. Bevor sie in der kühlen Herbstwitterung in den Ruhezustand wechseln, verkriechen sie sich im Boden. Tief unten, entlang der Kellerwand des Gemeindehauses, stecken sie jetzt wie kleine grüne Nägel und warten auf die Sonnenstrahlen im nächsten Frühjahr.

Wider die Verbuschung

Die Eschen, die die Helfer entlang des Gemeindehauses antreffen, reichen ihnen schon bis zum Gürtel – gewachsen in einem Jahr. Es ist der normale Gang der Natur, die sich die Ruderalfläche zurücknimmt. Ohne Eingriff der Naturschützer würde das Eidechsenbiotop zuerst verbuschen, dann verwalden. Neben den kräftigen Bäumchen stehen abgestorbene Stengel. Der asiatische Pilz, der den Eschen zurzeit zu schaffen macht, ist auch hier am Werk. Also weg damit. Aber wie? Die tief verwurzelten Eschen lassen sich kaum ausreissen.

Mit Pickel und Schere

Abhilfe kommt aus dem grünen Bus mit Anhänger der Naturgärten Rogger GmbH, Ebnat-Kappel, wo Landschaftsgärtner Bruno Rogger die Helfer mit Hacken, Schaufeln und Pickeln ausrüstet. Mit dem richtigen Pickel bewehrt, rückt die Schreibende der Escheninvasion zu Leibe.

Zuerst hapert es mit der Technik, so dass Funken sprühen. In manchen Fällen greift die Moglerin zur Baumschere. Da muss man tief genug abschneiden, sonst treibt der widerspenstige Baum im kommenden Jahr mehrfach wieder aus.

Am Mittag ist der Anhänger bereits gefüllt. Neben den Eschen liegen darauf auch kanadische Goldrute, die zu den schädlichen Eindringlingen zählt, sowie Ahornbäumchen, und das Mähgut. Zwei Kornelkirschen wandern nicht zur Kompostieranlage, sondern werden im Garten wieder eingepflanzt.

Nächster Fokus: Bachfische

Der Naturschutzverein «nathur» ist ein Verein von Freiwilligen, die sich für den Naturschutz einsetzen und verschiedene Projekte betreuen. Neben dem Eidechsenbiotop unterhält «nathur» Biotope für die Geburtshelferkröte, die man hier im Toggenburg wegen ihrer hellen Rufe «Glögglifrosch» nennt, auch wird im Auftrag des Vereins das Schützenriet fachmännisch gemäht. Am 28. November findet der nächste öffentliche, kostenlose Anlass statt: Besichtigung der Fischhälterung Bazenheid. Dabei erfahren Interessierte, warum es in den Toggenburger Bächen und der Thur überhaupt noch Fische gibt und welcher fachmännische Aufwand dahinter steht. (red.)

www.nathur.org