Helfer beim Heimspiel

Etappen durch die engere Heimat sind immer speziell und attraktiv, gehören zu den Highlights. Der Puls steigt zwar deshalb nicht wesentlich an, aber ein gewisses Kribbeln verspüre ich, wenn unter den extrem vielen Zuschauern die Familie, Freunde und Bekannte an der Strecke stehen.

Urs Huwyler
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Michael Albasini sorgt für die korrekte Positionierung des Velos auf dem Auto. (Bild: uhu)

Michael Albasini sorgt für die korrekte Positionierung des Velos auf dem Auto. (Bild: uhu)

Etappen durch die engere Heimat sind immer speziell und attraktiv, gehören zu den Highlights. Der Puls steigt zwar deshalb nicht wesentlich an, aber ein gewisses Kribbeln verspüre ich, wenn unter den extrem vielen Zuschauern die Familie, Freunde und Bekannte an der Strecke stehen. Ich nehme die Leute wahr, sehe allfällige Plakate und höre die Zurufe, unterhalte mich vor dem Start oder im Ziel auch gerne mit ihnen, beantworte Fragen oder gebe auch Autogramme. Für mich ist es wegen der Optik normalerweise einfacher, Personen zu erkennen, als umgekehrt. Wer in einem Fahrerfeld gezielt jemanden auszumachen versucht, hat meist kaum eine Chance auf Erfolg. Es geht ganz einfach zu schnell.

Mir war klar, dass das Publikum in Schwarzenbach von mir einen Spitzenplatz oder gar den Sieg erwartete. Mein Name wurde seit Tagen unter den Favoriten gehandelt. Schon vor dem Start war allerdings klar, dass unsere Mannschaft auf die Karte Michael Matthews setzen würde. Damit hatte ich keine geschützte Rolle, sondern als Co-Leader von vornherein beim Heimspiel Helferdienste zu verrichten. So war die Aufgabenverteilung nach der Mannschaftssitzung im Bus. In solchen Fällen wird mein Ersatzrad im übrigen auf dem Begleitauto aussen rechts montiert, damit bei einem Defekt der Mechaniker sofort eingreifen kann. Glücklicherweise verlief alles problemlos. Der Sportliche Leiter war überzeugt, dass unser Sprinter, der die Tour de Suisse nun verlässt, über die Zusatzrunden kommen würde. Das Ziel war, die andern schnellen Leute möglichst zu eliminieren. Deshalb drückten wir auf der zweiten Schlaufe mit sechs Mann aufs Tempo. Das Unterfangen gelang weitgehend. Marc Cavendish oder Alexander Kristoff fielen zurück. Dass Peter Sagan mithalten würde, war uns klar. Doch wir mussten in der Schlussphase etwas versuchen. Daryl Impey und ich mussten vorne bis 20 Kilometer vor Schluss den Rhythmus hochhalten, allfällige Löcher schliessen und dann den Spurt für Matthews vorbereiten.

Das Rennen verlief genau nach unseren Vorstellungen. Eine fünfköpfige Gruppe fuhr weg, und wir konnten Kräfte sparen, nach der Einholung des Spitzenquintetts das Rennen kontrollieren. Die Taktik ging zu hundert Prozent auf. Wir haben als Mannschaft meine Heimetappe an der Tour de Suisse gewonnen. Ich darf also zufrieden sein. Obwohl der Sieg nicht an mich, sondern Michael Matthews gegangen ist. In Bischofszell und Heiden habe ich den Spurt gegen Peter Sagan verloren, nun ist unserem Team die Revanche gelungen.