HEISS: Sengende Hitze von oben und unten

Strassenbauer und andere Personen, die im Freien arbeiten, leiden am meisten unter der derzeitigen Hitzewelle. Für Kleinkinder und Senioren ist diese sogar gefährlich. Auch Tiere kämpfen mit den hohen Temperaturen.

Martina Signer
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Für Strassenbauer ist die aktuelle Hitze fast unerträglich. Mit Anpassungen der Arbeitszeiten, Pensumreduktionen und Überstundenabbau wirken die Arbeitgeber diesem Umstand entgegen. (Bild: PD)

Für Strassenbauer ist die aktuelle Hitze fast unerträglich. Mit Anpassungen der Arbeitszeiten, Pensumreduktionen und Überstundenabbau wirken die Arbeitgeber diesem Umstand entgegen. (Bild: PD)

Martina Signer

martina.signer@toggenburgmedien.ch

«Diese Woche wird es heiss. Sogar in höheren Lagen kommt es zu sommerlichen Temperaturen. Wer kann, entflieht der Hitze dennoch am besten in die Berge.» Der Wetterbericht im Radio machte Anfang Woche Vorfreude auf Badi-Besuche oder Picknicks am Fluss. Doch nicht alle haben derzeit die Möglichkeit, Abkühlung zu suchen.

Genug, aber nicht zu viel Wasser trinken

Die gewohnte Trinkmenge bewusst um einen halben bis ganzen Liter Wasser zu erhöhen, rät Amtsarzt Daniel Nützi aus Lichtensteig. «Aber nicht mehr», ergänzt er. Eine zu hohe Wasserzufuhr sei problematisch, da der Salzgehalt im Körper zu stark abnehme. Was unter Umständen zu Nierenversagen führen kann. Vor allem bei Kleinkindern und Senioren sei es von grosser Bedeutung, die Trinkwassermenge in gesundem Rahmen zu halten.

Die Haut vor Sonne schützen und im Schatten verweilen

Um die Hitze gar nicht erst ins Haus zu lassen, solle man nur in den kühlen Morgenstunden lüften und danach unbedingt überall, wo es möglich ist, die Fensterläden schliessen oder die Rollos herunterlassen. «So verhindert man eine direkte Sonneneinstrahlung auf die Fensterscheiben, was Räume zusätzlich erhitzt.» Er empfiehlt ausserdem, sich bei diesen Temperaturen nicht in die pralle Sonne zu legen, sondern sich im Schatten aufzuhalten. Vorzugsweise mit leichter Baumwollkleidung, damit die Haut keine Sonnenbrände davonträgt, welche Krebs verursachen können. «Draussen bei dieser Hitze Sport zu treiben, sollte vermieden werden.»

Strassen besser in kühlen Morgenstunden teeren

Die Strassenbauer hätten derzeit von allen Berufsgattungen am meisten zu leiden. Sie sind sengender Sonne ausgesetzt und der Teer heizt zusätzlich von unten. «Hier sehe ich die Arbeitgeber in der Pflicht», sagt Nützi. Häufige Massnahmen seien angepasste Arbeitszeiten, Überstundenabbau und Pensumreduktion während Hitzetagen. Sonst kann es laut dem Amtsarzt zu Hitzschlägen kommen. Dabei wird die Körperkerntemperatur zu hoch, was schlimmstenfalls zu Hirnschäden führen kann.

Spaziergänge nur am frühen Morgen oder erst am späten Abend empfiehlt nicht nur Daniel Nützi. Denn auch die Vierbeiner, die bei solchen Runden in der Hitze oft dabei wären, sollten nur in kühleren Stunden bewegt werden, wie der Tierschutzbeauftragte Christoph Schwabe sagt. «Und wer kann, spaziert der Thur entlang und lässt die Tiere ins Wasser. Ausserdem empfiehlt es sich im Sommer, mit den Hunden im Wald oder zumindest im Schatten zu spazieren. Das darf dann auch tagsüber sein.» Was den Hunden zudem noch richtig Spass macht: mit dem Gartensprinkler spielen.

Tiere brauchen auf der Weide adäquate Unterstände

Christoph Schwabe hat in diesen Tagen aber noch viele andere Sorgenkinder. «In dieser Woche sind schon zahlreiche Meldungen von besorgten Bürgern oder den Gemeinden bei mir angekommen. Meist sind Schafe Gegenstand der Meldungen», sagt der Tierschutzbeauftragte. Viele der Tiere seien den ganzen Tag auf der Weide ohne ausreichende Schattenplätze. Christoph Schwabe geht diesen Hinweisen nach und sorgt dafür, dass die Besitzer der Tiere adäquate Unterstände bauen und regelmässig nach den Schafen schauen. «Zweimal pro Tag muss ausserdem frisches, kaltes Wasser bereitgestellt werden.»

Im Garten nicht mit dem Wässern übertreiben

Andreas Solenthaler ist diplomierter Techniker HF Landschafts- und Gartenbau bei der Germann Gartenbau AG. Er bestätigt, was viele Gartenbesitzer schon anwenden: am Morgen oder erst am Abend wässern. Und es dabei mit der Wassermenge nicht übertreiben. Das heisst also, dass man das Beet nicht überschwemmen, sondern haushälterisch mit dem Wasser umgehen sollte. «Ausserhalb der Gärten müssen die Pflanzen schliesslich auch mit den wetterbedingten Verhältnissen zurechtkommen.» Im Garten empfiehlt Solenthaler, die Pflanzen gut zu beobachten. «Spätestens, wenn sie ihre Köpfe oder Blätter hängen lassen, ist es Zeit, den Gartenschlauch in Gebrauch zu nehmen.» Sträucher und Stauden allerdings, die schon mehrere Jahre am selben Ort stehen, halten es laut dem Experten auch mal eine Woche lang ohne Wasser aus. Bei den aktuellen Temperaturen Pflanzen neu einzusetzen, ist hingegen keine gute Idee. Und den Rasen sollte man nicht zu tief mähen, da die Gefahr besteht, dass dieser nach dem Schnitt in der Sonne «verbrennt».