HEIMLEITER VERLÄSST BETRIEB NACH SIEBEN JAHREN
Wegen Corona: Betreuungszentrum Risi in Schwellbrunn muss sich neu positionieren

Urban Büsser, Heimleiter des Betreuungszentrums Risi in Schwellbrunn, verlässt die Institution im Spätsommer. Grund für diese Massnahme ist, dass das Heim die Verwaltungskosten senken muss. Zu gross sind die Spuren, die Corona auf der Ertragsseite hinterlassen hat.

Astrid Zysset
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Das Betreuungszentrum Risi in Schwellbrunn bietet eigentlich Platz für 40 Bewohnerinnen und Bewohner. Derzeit beherbergt es aber lediglich 32.

Das Betreuungszentrum Risi in Schwellbrunn bietet eigentlich Platz für 40 Bewohnerinnen und Bewohner. Derzeit beherbergt es aber lediglich 32.

Bild: PD

Urban Büsser, seit sieben Jahren Leiter des Betreuungszentrums Risi, verlässt die Schwellbrunner Institution kommenden August. Das schreibt die Stiftung Risi in einer Mitteilung. Am Montag wurden alle Bewohnerinnen, Bewohner und Mitarbeitenden informiert. Wie Stiftungsratspräsident Bruno Tobler auf Anfrage hin ausführt, habe Büsser Verständnis gezeigt, dass das Unternehmen die Verwaltungskosten senken müsse, um diese der neuen Betriebsgrösse anzupassen. Über die neue Heimführung werde zu einem späteren Zeitpunkt informiert.

Eine Umstrukturierung ist schon länger im Gange. Vor zwei Jahren hat die Stiftung das Haus Sonnenberg aufgegeben. Nach der Vollendung des Neu- und Erweiterungsbaus konzentrierte sich die Betreuung der 40 Bewohnerinnen und Bewohner neu nur noch auf einen Standort. Die Strukturen sollten schrittweise vereinfacht und auf die neue Unternehmensgrösse angepasst werden. Aber dann kam Corona.

Bruno Tobler ist Stiftungsratspräsident des Betreuungszentrums Risi.

Bruno Tobler ist Stiftungsratspräsident des Betreuungszentrums Risi.

Bild: Mea McGhee

Allzu grosses Defizit soll abgewendet werden

Im Betreuungszentrum waren im vergangenen Jahr noch alle Betten belegt. In der ersten Januarwoche kam es jedoch zu einem Corona-Ausbruch und dementsprechend zu einigen Todesfällen. Die Erträge brachen innerhalb weniger Tage ein. Heute zählt das Risi nur noch 32 Bewohnerinnen und Bewohner. Zu wenig, als dass eine ausgeglichene Rechnung möglich wäre. Deshalb müsse die Betriebs- und Führungsstruktur angepasst werden, so Tobler. Ohne diese Korrekturen drohe ein «beachtlicher Verlust». Wie hoch dieser sein könnte, dazu wollte sich der Stiftungsratspräsident nicht weiter äussern.

Schnelles Handeln sei aber vonnöten. Neue Bewohnerinnen und Bewohner haben sich nämlich noch nicht angekündigt. Die Besuchseinschränkungen aufgrund der Pandemie wurden zwar zwischenzeitlich bereits stark gelockert, dennoch dürfte die Nachfrage nach Heimplätzen erst wieder anziehen, wenn diese Einschränkungen sowie die allgemeine Verunsicherung betreffend Corona vollständig aufgehoben sind, ist sich der Stiftungsrat sicher.

Ein Teil der rund 50 Mitarbeitenden im Risi hat sich bereits ab Februar bereit erklärt, ihr Pensum zu reduzieren, um die Fixkosten zu senken. Wie der Stiftungsratspräsident betont, sei dieses Entgegenkommen des Personals auf freiwilliger Basis erfolgt. Auch habe man Abgänge nicht ersetzt und einen Arbeitsvertrag, der ab Mai beginnen sollte, aufgelöst.

«Wir mussten leider beim Personal ansetzen», seufzt Tobler. Dies sei der dominierende Kostenblock und die einzige kurzfristige Möglichkeit, um Kosten zu reduzieren. Vertragsanpassungen mit Lieferanten würden frühstens in einem halben Jahr wirksam werden. Finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand erhält die Stiftung nicht. Härtefallgelder kann sie nicht beantragen, weil Kurzarbeit in einem Heimbetrieb organisatorisch kaum umsetzbar ist. Viele Dienstleistungen müssten rund um die Uhr sichergestellt sein, auch wenn nur eine Person diese benötigt. Zudem müssen gesetzliche Rahmenbedingungen eingehalten werden.

«Wir sind eine soziale Institution für ältere, pflegebedürftige Menschen und können bei der Betreuung keine Abstriche machen.»

Ideen für Neupositionierung werden gesucht

Um den Ertragseinbruch aufzufangen, hat die Stiftung weiter eine Arbeitsgruppe gegründet. In dieser werden nun Visionen gesucht, wie sich das Betreuungszentrum langfristig breiter abstützen kann. Wie genau solche Umstrukturierungen aussehen könnten, ist gegenwärtig noch offen. Erste Ideen gebe es zwar bereits, doch dazu möchte sich Tobler aktuell nicht weiter äussern. Im Herbst seien sie spruchreif, und dann würden sie präsentiert werden. Sicher ist aber bereits: Die Bedürfnisse der älteren Menschen stünden immerzu im Zentrum.