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Heimat ist ein Verlustgeschäft

Brosmete
Patrik Kobler

Vergangene Woche war ich ­eingeladen, in der WandelBar ­ mit einem kurzen Text mein ­Herisau vorzustellen. Ich habe mich sehr über die Einladung gefreut und hätte gerne teilgenommen – bloss musste ich leider kurzfristig absagen: Magen-Darm-Grippe.

Dabei hatte ich mir extra das Motto eines Fussballkollegen zu Herzen genommen, der mit über 80 Jahren immer noch Juniorentrainer ist. Er gehe jeden Tag mindestens eine Stunde spazieren, sagt er. Das halte ihn fit. Ich habe mir also gedacht, wieso nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, und bin, nachdem ich die Einladung für die Lesung ­erhalten hatte, jeden Tag spazieren gegangen. So könnte ich meine Heimat neu erkunden und würde erst noch fit bleiben. Naja, so ganz ist der Plan nicht aufgegangen.

Dafür habe ich in den vergangenen Wochen Eindrücke gesammelt wie andere Leute Pilze. Ich war im Kubel unten, auf der Polishöhe, im Schwänberg, habe die Rosenburg erobert und im Hölzli Tränen verdrückt. Ja wirklich – denn dort, wo einst meine Wiege stand, steht jetzt die Metrohm. Seufz. Heimat ist ein Verlust­geschäft.

Auch wenn ich die Lesung verpasst habe, werde ich die Spaziergänge beibehalten. Denn es gibt viel zu entdecken: die filetierte Grubenmann-Brücke zum Beispiel oder die Weinkorken im Kopfsteinpflasterbelag an der Oberdorfstrasse oder spektakuläre Sonnenuntergänge auf der Flue.

Herisau ist ein Abenteuer – und das nicht nur, wenn es im Wald plötzlich gefährlich knackt und raschelt. Bevor ich allerdings zu Hause anrufen und mitteilen konnte, dass ich gleich vom Bär oder einer im Wald einquartierten Diebesbande attackiert werde, sprangen schon herzige Rehe aus dem Gebüsch. Manchmal fühlt man sich echt wie im Kitschfilm. Bleibt zu hoffen, dass die Gier nach Wachstum, Wachstum, Wachstum dem kein Ende ­bereitet.

Patrik Kobler

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