Heidi in Frankfurt

Brosmete

Heidi Eisenhut
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Wenn man «Heidi» heisst, sollte man mindestens einmal im Leben in Frankfurt gewesen sein. Sonst ist man keine echte Heidi ... Und man kann nicht mitreden, was es bedeutet, auch dann keine Berge zu sehen, wenn man vol­ler Hoffnung einen Turm besteigt. Das war – und Sie werden schmunzeln – eine durchaus ernst zu nehmende Motivation, mich jüngst für eine Konferenz in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main einzuschreiben.

Nun denn, so bin ich in Zürich Hauptbahnhof in den ICE nach Hamburg Altona gestiegen, mit dem Ziel, diesen in Frankfurt wieder zu verlassen. Dort angekommen, wollte ich die S-Bahn Richtung Innenstadt nehmen, und ich bin – Landei! – prompt in die falsche Richtung gefahren. Heidi in der grossen Stadt ... Immerhin habe ich den Fehler schnell erkannt. Endlich im richtigen Zug und schliesslich an der richtigen Station angelangt, bin ich zielstrebig in die falsche Richtung marschiert. Als ich das rettende Handy zückte, um mich zu orten, da ich gefühlsmässig längst am gewünschten Ort hätte eingetroffen sein sollen, musste ich laut lachen: über mich selbst! Die Berge fehlen! Schon wieder die falsche Richtung! 90 Grad von der Zielrichtung entfernt. Immerhin waren es nicht mehr 180 Grad. Ich komme der Sache näher. Also setzte ich eine ernste Miene auf, wendete um 90 Grad und marschierte noch zielstre­biger weiter. Frankfurt war an ­diesem lauen Oktoberabend ein Traum. Menschen, Musik, Multikulturalität. Ich fühlte mich pudelwohl mit meinem Rollköfferli und wirkte offensichtlich plötzlich so kompetent, dass mich gleich mehrere Leute nach dem Weg fragten.

Im Hotel angekommen, dachte ich an zu Hause und an meine Lieben, mit denen ich meine Eindrücke gerne teilen wollte. Was würde der Alpöhi wohl dazu sagen? Oder der Geissenpeter! Ich begab mich ins Hotelrestaurant und bestellte – Geissenkäse ... Und ich bekam den besten, den ich je gegessen hatte.

Heidi Eisenhut