Heiden
Hüttenzauber und Fonduegondeln: Das neue Pop-up-Hotel über dem Bodensee startet in den Coronasommer

Tobias Funke vom Gasthaus zur Fernsicht Heiden rechnet auch diesen Sommer wieder mit vielen Inland-Touristen. Er will sie in temporären Holzhütten auf der benachbarten Wiese unterbringen. Die Aktion soll die Tische der Restaurants füllen, das Personal beschäftigen und etwas Geld in die Kasse spülen.

Karin Erni
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Einige Holzhüttchen verfügen über eine eigene Fonduegondel.

Einige Holzhüttchen verfügen über eine eigene Fonduegondel.

Bild: David Scarano

Executive Küchenchef und Geschäftsführer Tobias Funke vom Gasthaus zur Fernsicht in Heiden erinnert sich gerne an den vergangenen Sommer: «Es war extrem cool, wie viele Gäste – vor allem aus der Westschweiz – wir begrüssen durften.» Der Sternekoch geht davon aus, dass auch dieses Jahr wieder eine grosse Zahl von Leuten ihre Ferien in der Schweiz verbringen werden. «Unsere schöne Gegend eignet sich hervorragend zum Wandern und Ausflüge machen.» Er möchte möglichst viele Gäste wieder in einem Pop-up-Hotel unterbringen. Bereits in den Sommermonaten 2018 und 2019 stand vor der «Fernsicht» temporär ein Outdoor-Boutique-Hotel. Die Holzbauten sind gemäss Funke rege genutzt worden.

Geschädigte helfen sich gegenseitig

Doch für edel designte Unterkünfte fehlt heuer pandemiebedingt das Geld. Darum sei die «Fernsicht» eine Kooperation eingegangen, sagt Tobias Funke. «Wir können von einer Eventfirma, die keine Aufträge mehr hat, Holzhäuschen übernehmen. Diese sind früher für Messen verwendet worden. Wir funktionieren sie zu Hotelzimmern um.» Das sei besser, als wenn sie ungenutzt in einer Halle rumstehen, findet der Spitzenkoch.

«Miete können wir keine bezahlen. Daher sind wir mit der Eventfirma übereingekommen, dass wir uns einen allfälligen Gewinn teilen wollen.»

Für Funke steht ohnehin nicht der finanzielle Aspekt im Vordergrund: «Wir wollen vor allem auch unserem Personal eine Perspektive bieten. Bis jetzt haben wir uns mit dem Webshop beschäftigt, doch langsam wird es Zeit, wieder Gastgeber zu sein. Die Mitarbeiter an der Front vermissen den Kontakt zu den Gästen und auch die Küche soll wieder in den Normalmodus kommen.»

Goodwill von Nachbarn und Gemeinde

Sternekoch Tobias Funke.

Sternekoch Tobias Funke.

Oli – Glanzlicht Foto

Die Holzhüttchen haben eine Fläche von 25 Quadratmetern. Darin findet ein Doppelbett gut Platz. Ein WC mit Lavabo ist bereits vorhanden, ergänzend kommt eine Duschkabine dazu. Jedes Häuschen hat eine kleine Terrasse mit Tischchen, etwa die Hälfte davon verfügt über Seesicht. Fürs Erste rechnet Tobias Funke mit zehn solcher Behausungen. «Wenn es gut läuft, können wir sogar noch erweitern.» Die Bewilligung für das Pop-up-Hotel habe er problemlos erhalten, sagt der innovative Gastgeber. «Ich bin persönlich bei den Nachbarn vorbeigegangen und habe ihnen das Projekt erklärt. Von unserer eher gesetzteren Klientel ist ja auch nicht gross mit Lärmemissionen zu rechnen.»

Die Gäste haben einige Vorteile. Sie kommen auf Wunsch in den Genuss der Gourmetküche der Fernsicht.

«Viele Leute buchen heute ja eine Hotelunterkunft, um wieder einmal auswärts essen zu können.»

Auch wer es einfacher mag, kommt auf seine Kosten. Geplant ist, einige der neu angeschafften Fonduegondeln auf dem Gelände aufzustellen. «Das ist einfach und unkompliziert und passt zum Ambiente der Holzhäuschen.» Fondue könne man auch im Sommer essen, findet Funke. «Wir bieten dafür eine leichtere Variante mit Champagner an.» Das Frühstück erhalten die Gäste direkt ins Zimmer geliefert. «Wir müssen das Angebot so gestalten, dass es ohne zusätzlichen Personalaufwand machbar ist, wenn unsere Restaurants wieder normal öffnen dürfen», erklärt der Geschäftsführer. Er freut sich: «Wenn alles klappt, sollten ab dem 16. April die ersten Häuschen bezugsbereit sein.»