HEIDEN: Es fehlt noch eine Million

Für den Kauf und die Sanierung des Hotels Linde sind rund 1,75 Millionen Franken zusammen. Das Ziel bis zum Start liegt bei 2,7 Millionen Franken. Der Denkmalpfleger betont die Bedeutung des Objekts.

Jesko Calderara
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Das Hotel Linde in Heiden liegt in einem geschützten Ortsbild. (Bild: Hanspeter Schiess)

Das Hotel Linde in Heiden liegt in einem geschützten Ortsbild. (Bild: Hanspeter Schiess)

Jesko Calderara

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@appenzellerzeitung.ch

Die Anstrengungen zum Erhalt des traditionsreichen Hotels Linde in Heiden laufen auf Hochtouren. «Wir erhalten viel Zuspruch», sagt Norbert Näf. Der frühere Gemeindepräsident ist Mitglied der Arbeitsgruppe «Pro Hotel Linde». Näf soll zudem Stiftungspräsident der geplanten Stiftung werden. In einer ersten Etappe sind rund 2,7 Millionen Franken zum Kauf des Objekts und für dringende Rennovationen notwendig. Seit dem Start sind weitere 350000 Franken dazugekommen. Diese finanziellen Mittel haben grösstenteils Privatpersonen beigesteuert. Laut Näf schwanken die gespendeten Beträge zwischen 100 und 50000 Franken. Bereits bekannt ist, dass sich die Gemeinde Heiden mit 300000 Franken und die Eigentümerin der Immobilie, die Familie Kobelt, mit 100000 Franken an der Rettungsaktion beteiligen werden. Zudem ist im Sanierungskonzept eine Fremdfinanzierung von einer Million Franken durch Banken und die Schweizerische Gesellschaft für Hotelkredite vorgesehen.

Zum Zwischenziel fehlen somit noch rund 950000 Franken. Näf zeigt sich optimistisch, dass die Rettung des Traditionsbetriebs gelingen wird. «Dazu wird aber von allen Beteiligten noch ein grosser Einsatz notwendig sein.» Näf hofft dabei unter anderem auf die finanzielle Unterstützung grosser, teilweise national tätiger Stiftungen im Bereich Denkmalpflege. Diese Gesuche seien noch hängig. Zudem würden noch Verhandlungen mit privaten Geldgebern für grössere Summen laufen, sagt Näf.

Abgesehen davon prüft die Arbeitsgruppe, am Frühlingsmarkt Produkte zu Gunsten der «Linde» anzubieten, um allen zu ermöglichen, zur Rettung des Betriebs beizutragen. Als Frist zum Kaufentscheid stand ursprünglich Ende März im Raum. Für nächste Woche sind deshalb Gespräche mit der Besitzerfamilie geplant, um den weiteren Zeitplan zu besprechen.

Festsaal mit besonderem Charme

Die Liegenschaft Linde ist geschichtsträchtig. Sie wurde zwei Jahre nach dem Dorfbrand 1840 als Restaurant und Postbüro eröffnet. «Das Haus ist auch ortsbaulich von grosser Bedeutung», sagt der Ausserrhoder Denkmalpfleger Fredi Altherr. Es bilde den markanten Eckpunkt bei der Kreuzung Post- und Schmittenbühlstrasse. Um 1880 entstand durch Erweiterung auf zwei Stockwerke der historische Festsaal. Er ist sozusagen das Markenzeichen der «Linde». Das architektonische Bijou aus der Stilepoche des Historismus gilt als Zeugnis des dazumal florierenden Kurwesens in der Vorderländer Gemeinde. Der Saal habe einen aussergewöhnlichen Charme, sagt Altherr. Mit einfachen Materialien sei eine bis ins Detail raffinierte Ausstattung geschaffen worden. Typisch für den Raum sind beispielsweise die aufwendigen Drechslerarbeiten, wie sie beim Geländer der Galerie zu sehen sind. Speziell ist auch das Arven-Täfer, welches aus dem Montafon kommt.

Der jetzige Eigentümer der «Linde» will die Hotelzimmer zu Wohnungen umnutzen. «Dadurch würde das Gebäude an Reiz verlieren und eine andere Ausstrahlung bekommen», sagt Altherr. Entgegen einer weitverbreiteten Meinung ist der «Linde»-Saal lediglich Teil einer Liegenschaft im nationalen Ortsbild. «Will man den aussergewöhnlichen Saal schützen, geht das nur, wenn die ganze Liegenschaft als Kulturobjekt bezeichnet wird», sagt der Denkmalpfleger. Vorgesehen ist, dass nach dem Kauf der Immobile durch die Stiftung der vorgesehene Stiftungsrat prüft, beim Gemeinderat ein Gesuch um Unterschutzstellung einzureichen. Aus Angst vor zu grossen Einschränkungen sei dies wohl zur Zeit der Schutzplanung nicht geschehen, vermutet Altherr. «Diese ist aus heutiger Sicht ungerechtfertigt.» Eine Bauherrschaft erhält bei der Sanierung eines Schutzobjekts fachliche Beratung durch die Denkmalpflege und finanzielle Unterstützung für den entstandenen Mehraufwand.