HEIDEN: Eine Komödie, die mitreisst

Der Film «Die göttliche Ordnung» feierte am Dienstagabend im Kino Rosental Vorpremiere. Das vorwiegend weibliche Publikum zeigt sich begeistert.

Karin Erni
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Katharina Kobler, Vorstandsmitglied der Frauenzentrale, interviewt Regisseurin Petra Volpe (links). (Bilder: Karin Erni)

Katharina Kobler, Vorstandsmitglied der Frauenzentrale, interviewt Regisseurin Petra Volpe (links). (Bilder: Karin Erni)

Karin Erni

karin.erni@appenzellerzeitung.ch

Der Saal im Heidler Kino Rosental ist bis auf den letzten Notsitz besetzt. Am Eingang müssen gar einige Leute abgewiesen werden. Das Interesse an der Vorpremiere des Films «Die göttliche Ordnung» ist gross. Die Dreharbeiten haben zu einem grossen Teil im Appenzellerland stattgefunden. 400 einheimische Statistinnen und Statisten waren daran beteiligt. Im vorwiegend weiblichen Publikum gesetzteren Alters sitzen auch einige Leute, die bei den Dreharbeiten mitgewirkt ­haben.

Regisseurin Petra Volpe ist am Anlass persönlich anwesend. Der Film sei keine Rache an den Appenzellern, wie sie schon gefragt worden sei, so die gebürtige Aargauerin. «Das Appenzellerland mit seinen Hügeln, Dörfchen und Bauernhäusern dient als Metapher für die Schweiz.» Die Interaktionen mit den Einheimischen hätten massgeblich zur Atmosphäre des Films beigetragen. «Die Statistinnen haben ein wahnsinniges Feuer in die Geschichte gebracht.»

Mit den Frauen mitleiden und mitfreuen

Erste Kommentare aus dem Publikum gibt es gleich zu Beginn des Films, denn die Schauspieler, die aus den verschiedensten Landesteilen stammen, sprechen ­gewöhnungsbedürftig. Was in der Restschweiz wohl unbemerkt bleibt, sorgt im Appenzellerland für leichte Irritationen. «Da wör me nöd so säge», bemerkt eine ältere Dame, beim ersten Dialog auf der Leinwand. Doch die kleine Ungereimtheit ist schnell vergessen, denn die gut erzählte Handlung zieht die Zuschauerinnen in den Bann. Sie verzweifeln gemeinsam mit der Hauptfigur am eintönigen Alltag, freuen sich über die positive Antwort auf das Bewerbungsschreiben für die Teilzeitstelle im Reisebüro, erleben die Machtlosigkeit mit, als der Ehemann Einspruch dagegen erhebt. Die Zuschauerinnen fiebern mit, als die Frauen ihre erste Informationsveranstaltung zum Frauenstimmrecht im ­Gemeindesäli organisieren, und sie freuen sich mit den drei Land­eiern über die ausgelassene Stimmung an der Demonstration für das Frauenstimmrecht in der grossen Stadt. Sie erleben die ­Lagerromantik beim Frauenstreik auf dem Dachboden des «Bären» mit und erschrecken, als die Männer den Dachboden ­stürmen, um ihre Frauen mit Gewalt an den Herd zu zerren. Ihnen stockt der Atem, wenn Nora sich an der Abdankungsfeier erhebt und die Zustände anprangert. Obwohl vieles im Film komödienhaft überzeichnet ist, mag die eine oder andere Frau eine Szene so oder ähnlich selbst erlebt haben. Bei den Sequenzen, die bekannte ­Orten zeigen, werden Bemerkungen geraunt: «Aha, sie fahrt uf Wald», «D Schmedgasse z Heris­au», «dä Lindensaal», «Lueg, d Hondwiler Höchi!». Die Schlussszene, in der die Hauptfigur Nora ihren ersten Orgasmus erlebt, entlockt den Damen im Publikum verlegenes Kichern. Der Applaus zum Schluss ist zwar nicht tosend, aber herzlich. Die Männer, von denen es einige im Saal hat, erhalten am Schluss der Vorstellung eine Raketenglace zur Abkühlung.

Hinweis

Der Film «Die göttliche Ordnung» läuft bereits jetzt im Cinétreff ­Herisau und wird ab 18. März im Kino Rosental in Heiden gezeigt.