HEIDEN: Ehre für anstössige Hella

Morgen erhält die Gemeinde den Preis der Ernst-und-Hanna-Hauenstein-Stiftung. Grund dafür ist die einst umstrittene Brunnenanlage auf dem Kirchplatz.

Jesko Calderara
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Er ist eine Augenweide: der Brunnen «Hella» mit dem nackten Mädchen als Figur beim Kirchplatz. Dafür bekommt Heiden den diesjährigen Preis der Ernst-und-Hanna-Hauenstein-Stiftung. Dieser ist mit 20000 Franken dotiert. Die Stiftung zeichnet Gemeinden aus, die sich besonders verdient gemacht haben um den Erhalt historischer Brunnenanlagen. 2006 ging der Preis bereits ins Appenzellerland, nach Trogen. Der ausgewählte Brunnen in der Vorderländer Gemeinde ist Rolf E. Jeker, Stiftungsratsmitglied der Ernst-und-Hanna- Hauenstein-Stiftung, auf einer Töffreise aufgefallen. «Mit seinen Stufen hat er mich sofort fasziniert», sagt er. Heiden erhalte die Auszeichnung aber letztlich für seine gepflegte Brunnenlandschaft, betont Jeker. Dazu gehö­ren insgesamt sechs Brunnen im Zentrum, die nicht etwa der Gemeinde, sondern der Dorfbrunnen- und Roosenkorporation gehören. Als lokale Besonderheit ist diese öffentlich-rechtliche Körperschaft für die Wasserversorgung zuständig.

«Hella» ist nicht nur der grösste Brunnen der Gemeinde, sondern verfügt als einziger auch über eine Skulptur. Entstanden ist die Anlage 1952 durch den in Heiden aufgewachsenen Architekten Otto Glaus im Rahmen der Neugestaltung des Kirchplatzes. Dies steht in der Festschrift «Brunnenreiches Heiden», für die Arthur Oehler den Text geschrieben hat. Die Fotos stammen von Jürg Zürcher. Weil vor 65 Jahren der Kredit für den Brunnen nicht ausgeschöpft wurde, durfte der Bildhauer Kurt Ingendahl die Anlage mit einer Skulptur ergänzen. Die Verwaltung war sich von Anfang an bewusst, dass diese «für ländliche Verhältnisse vielleicht etwas moderne Figur bei traditionsgebundenen Menschen Anstoss erregen könnte», wie es in der Festschrift heisst. 1977 wurde die Kunststeinfigur durch eine Bronzekopie ersetzt. Im Rahmen eines Wettbewerbs erhielt die Figur den Namen «Hella», abgeleitet aus den Wörtern «Heiden – Licht, Luft, Atem». Morgen erfolgt ab 18 Uhr auf dem Kirchplatz die Preisverleihung mit verschiedenen Ansprachen und einem Apéro. Zusammen mit der Regisseurin Christa Furrer hat die Klasse von Stefan Rothenberger eine Inszenierung zum Thema Wasser einstudiert. Zudem treten ein Schüler- und der Männerchor Heiden auf.

Jesko Calderara

jesko.calderara@appenzellerzeitung.ch