HEIDEN: Die Schonfrist ist vorbei

Vor rund eineinhalb Jahren wählte Heiden Gallus Pfister zum neuen Gemeindepräsidenten. Als Kantonsrat wollte ihn das Stimmvolk jetzt aber nicht. Zuerst soll er zeigen was er kann, finden einige.

Bruno Eisenhut
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Kam aus der Bankenbranche und ist jetzt Gemeindepräsident von Heiden: Gallus Pfister. (Bild: Jesko Calderara)

Kam aus der Bankenbranche und ist jetzt Gemeindepräsident von Heiden: Gallus Pfister. (Bild: Jesko Calderara)

Bruno Eisenhut

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@appenzellerzeitung.ch

Das Resultat bei den Ersatzwahlen für den Kantonsrat war deutlich: 441 Stimmen bekam Gemeindepräsident Gallus Pfister, 509 Stimmen fielen auf den Werner Rüegg. Dieser nimmt im Kantonsrat Einsitz, der Gemeindepräsident darf nicht.

Das habe wahrscheinlich mit seinen Referenzen als Gemeindepräsident zu tun, analysiert CVP-Präsidentin Iris Böni. Seit Pfisters Wahl vor rund eineinhalb Jahren würden die Parteien und die Öffentlichkeit wenig über die Tätigkeiten informiert. Als Beispiel nennt Böni die Entwicklung im Gebiet Nord. Wie schon seine beiden Vorgänger würde hier wohl auch Gallus Pfister wenig verändern und weiterentwickeln können. Zwar hätte der Gemeindepräsident zweimal Jährlich eine Informationsveranstaltung für die Parteien ins Leben gerufen, ansonsten werde aber zu wenig informiert. Ähnlich schätzt Annegret Wigger, Präsidentin der SP Vorderland, die Situation in Heiden ein. In der Vorderländer Zentrumsgemeinde stünden wichtige Themen wie die Hotel- oder die Zentrumsentwicklung an, so Wigger. Die SP Vorderland hätte die Erwartung an den Gemeindepräsidenten, dass es hier merklich vorwärts gehe. «Stattdessen hört man wenig», so Wigger. Dass sich die Heidler Stimmbevölkerung gegen Gallus Pfister ausgesprochen hat, möge aber wohl eher mit der Grundüberlegung «er soll sich erst einmal intensiv um die Gemeinde Heiden kümmern» zusammenhängen.

Diese Erwartung hat auch die Lesegesellschaft Bissau. «Für Gallus Pfister kam die Kandidatur für den Kantonsrat zu früh», fasst Präsident Max Frischknecht zusammen. Der einstige Kantonsratspräsident vermisst bei Gallus Pfister zudem eine klare politische Positionierung. «Pfister gehört weder einer Partei noch den Parteiunabhängigen an, somit hat sich auch niemand mit grossem Engagement für ihn eingesetzt.» Seine fehlende politische Erfahrung dürfte Gallus Pfister in der Entscheidung jetzt schon zu kandidieren, zur Hypothek geworden sein, so Frischknecht. Die Nichtwahl sei jedoch nicht als Abstrafung für den Gemeindepräsidenten zu verstehen. Es sei zu erwarten gewesen, dass Pfister in den ersten eineinhalb Jahren kaum Erfolge ausweisen könne.

«Mein Büro ist offen für alle»

Die Türe zu seinem Büro sei jederzeit für alle Bürgerinnen und Bürger Heidens offen, entgegnet Gallus Pfister den Vorwürfen zur mangelnden Kommunikation. Zudem folge er den Einladungen der verschiedenen Gruppierungen und Parteien und markiere somit seine Präsenz. Als Auswärtiger sei er nicht stark verwurzelt, sein Netzwerk breite sich aber Tag für Tag aus. Den Vorwurf der kommunikativen Zurückhaltung lässt Pfister nicht auf sich sitzen. Der Gemeinderat sei sehr aktiv, wenn es um die Kommunikation gehe. «Unsere Tätigkeit wird in Form von Medienmitteilungen rege kommuniziert», so Gallus Pfister.

Dass er sich politisch nicht fix positionieren möchte, hat Gallus Pfister bis zum vergangenen Wahlsonntag bewiesen. Bis zum Schluss war nicht bekannt, welcher Fraktion sich der Heidler Gemeindepräsident bei einer Wahl in den Kantonsrat angeschlossen hätte. Eine fixe Positionierung vermisst auch Jörg Lutz, Sektionspräsident der FDP. Ansonsten sei die Partei mit der Arbeit Pfisters zufrieden.