HEIDEN: Das Dorf als Volksmusik-Bühne

Am Wochenende reisten Spitzen-Vertreter einer neuen Volksmusik ans zweite Heiden Festival. Das schöne Wetter hatte auch seinen Nachteil: Viele Plätze in den Konzertsälen blieben am Samstag leer.

Alessia Pagani
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Die Schänner Blech-Fünfermusig spielte unter anderem unter der Linde beim Postplatz. (Bilder: PAG)

Die Schänner Blech-Fünfermusig spielte unter anderem unter der Linde beim Postplatz. (Bilder: PAG)

Alessia Pagani

alessia.pagani@appenzellerzeitung.ch

«Beeindruckend» und «wunderbar» waren nur einige der Aussagen der Musiker, die am Wochenende am Heiden Festival aufgetreten sind. Rund 20 Formationen auf sieben Bühnen und Volksmusik, die aus allen Himmelsrichtungen an die Ohren dringt: So präsentiert sich der noch junge Anlass im Biedermeierdorf.

Das Heiden Festival fand nach 2016 zum zweiten Mal statt– im Gegensatz zum verregneten letzten Jahr diesmal bei strahlend blauem Himmel und warmen Temperaturen. «Vielleicht ist es ein bisschen zu warm», sagte der Programmverantwortliche Peter Widmer am Samstag bei einer ersten Zwischenbilanz im Hinblick auf die Besucherzahlen. Vor allem in den vier Konzertsälen im Hotel Heiden, im Café Seeallee, im Kirchgemeindehaus und im Hotel Linde waren am Nachmittag noch etliche freie Plätze vorhanden. Dies, obschon grosse Namen den Weg ins Vorderländer Dorf gefunden hatten: Julien Gonzales, mehrfacher Akkordeon-Weltmeister aus Paris, und sein Kollege Rodrigo Mauricio aus Portugal traten ebenso auf wie das Ehepaar Wachter, Gewinner des Goldenen Violinschlüssels 2016, oder die Well-Brüder aus der Gastregion Bayern. «Es war schwer, die Besucher zu bewegen, in die Konzertsäle zu gehen. Der Freitagabend mit Nicolas Senn aber war phänomenal und der Kursaal voll», so Peter Widmer.

Zu den vier Konzertsälen kamen in diesem Jahr noch Open-Air-Bühnen beim Dunantplatz und beim Postplatz hinzu. Wiederum eine ganz besondere Atmosphäre schafften die intimen Konzerte im und auf dem Kirchturm.

Freies Spiel ohne Zwänge und Vorgaben

Was am Heiden Festival gespielt wird, ist nicht einfach «nur» Volksmusik. «Es ist neue Volksmusik. Sie wird freier gespielt und verläuft nicht in einer festgefahrenen Schiene oder nach Verbandsvorgaben», erklärt Peter Widmer. So sind nebst traditionellen Klängen immer wieder Einflüsse von Rock, Jazz oder Pop zu hören. Entsprechend jung waren die Musiker einiger Formationen. «Grossmehrheitlich sind sie alle professionelle Musiker und das Niveau des Anlasses entsprechend hoch», so Widmer. Man brauche einige Beziehungen, um solche Top-Musiker verpflichten zu können. «Die guten Musiker helfen uns allerdings, dass aus dem Heiden Festival langfristig etwas werden kann», so Widmer. Es sei schwierig, die Bevölkerung für eine solche Veranstaltung mit dieser Musikrichtung zu begeistern und das Festival auf die Landkarte zu bringen. «Das braucht Zeit.» Junge würden sich häufig nicht für Volksmusik interessieren, Liebhaber dieser Musikrichtung wiederum seien manchmal zu konservativ, um sich für Neuerungen begeistern zu können. «Unser Motto ist zwar ‹Inspiration Folklore›, und dieser sind wir auch treu. Aber Tradition stirbt, wenn sie erstarrt. Auch die Volksmusik hat sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt», so Widmer. Die neue Volksmusik passe zum Biedermeierdorf. «Heiden ist und war immer schon ein sehr offenes Dorf.» Das mittelfristige Ziel sei es, Heiden als Veranstaltungsort bekannt zu machen. «So, dass es quasi zum Montreux der neuen Volksmusik wird.»

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