Hauptgasse wird zur Route 66

APPENZELL. In Appenzell kommt es zum Schaulaufen zwischen den Rivalen der fünften Jahreszeit: Während der Himmel versucht, die Narren in Weiss zu ersticken, schütteln diese die kalte Pracht ab und marschieren weiter. «Es näreled» in Appenzell.

Timo Züst
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Das Rezept bleibt auch während des Fasnachtsumzugs in Appenzell geheim. Der Schnee hilft zusätzlich, die Zutaten des Appenzeller Käses zu verschleiern. (Bild: Martina Basista)

Das Rezept bleibt auch während des Fasnachtsumzugs in Appenzell geheim. Der Schnee hilft zusätzlich, die Zutaten des Appenzeller Käses zu verschleiern. (Bild: Martina Basista)

Einer der 35 Wagen am diesjährigen Appenzeller Fasnachtsumzug bot einen ganz besonderen Kontrast zu den Schneemassen: Die Meschrütner Narren waren mit dem Wagen «Kachelmaa» unterwegs. Als kleine Sonnen verteilte der Nachwuchs aus Meistersrüte den zahlreichen Zuschauern kleine Sonnenstrahlen oder Wetterfrösche, während sich auf ihren Schultern der Schnee sammelte. Der vom Fasnachtsverein Appenzell organisierte Umzug mit dem Motto «hüt näreleds» ging beinahe unter in den Schneemassen. Die Narren jedoch waren sich ihrer Aufgabe bewusst: Wer den Winter vertreiben will, muss auch bei widrigen Wetterbedingungen standhaft bleiben. Einige Gugger schienen Petrus sogar noch herauszufordern, mit nackter Haut, Sonnenbrillen und lauten Jauchzern.

Der Umzug startete auf dem Brauereiplatz, zog über die Gringel- und Poststrasse zum Landsgemeindeplatz. Hunderte Zuschauer säumten den Weg der Narren. Zu hören war nicht nur gestandener Innerrhödler Dialekt, Schaulustige kamen von überall aus der Schweiz. Nachdem alle Wagen auf dem Landsgemeindeplatz angekommen waren, verteilte sich die Zuschauermenge auf die Beizen im Herzen Appenzells. Ab 9 Uhr abends fand auch wieder das Sambakonzert beim Plattenegg statt. Die letzte Gugge spielte dort noch nach Mitternacht auf, wann der letzte Fasnächtler zu Hause ankam, ist nicht überliefert.