Harte Arbeit mit schöner Aussicht

Kantonsratspräsident packt an

Sabine Schmid
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Ivan Louis (rechts) lässt sich von Maurer Remo Hinterberger, Polier Walter Frischknecht und Maurer Roger Frischknecht (von links) Anweisungen für die nächste Arbeit geben. (Bild: PD)

Ivan Louis (rechts) lässt sich von Maurer Remo Hinterberger, Polier Walter Frischknecht und Maurer Roger Frischknecht (von links) Anweisungen für die nächste Arbeit geben. (Bild: PD)

Eben noch Präsident des Kantonsrats – jetzt Schnupperstift auf der Raiffeisen-Baustelle in Nesslau. Der höchste St. Galler Ivan Louis hat in der vergangenen Woche für einen Tag lang seine gewohnte Arbeitsumgebung verlassen. Gemäss dem Motto «anpacken», unter dem er während seiner Amtszeit in verschiedene Berufe schaut, hat er die schweren Schuhe geschnürt, das Werkzeug gepackt und den Bauhelm auf­gesetzt. So ist er zusammen mit seinen temporären Arbeitskollegen auf die Baustelle ge­gangen.

«Am schlimmsten war das frühe Aufstehen», gibt Ivan Louis zu. Um halb sieben hat er die Arbeit aufgenommen, zuvor hat er sich im Werkhof der Baufirma ausgerüstet. «Gell, nor­malerweise gehst du erst ins Bett, wenn wir zur Arbeit gehen», ­frotzelt Walter Frischknecht. Die Sommerhitze macht dem bauenden Politiker nichts aus. «Ich wäre auch bei Regen gegangen», sagt er. Dennoch: Viel lieber geniesst er die Aussicht über die Dächer Nesslaus bis zu den Churfirsten.

Vieles über das Bauen gelernt

Dass Ivan Louis nicht zwei linke Hände hat, ist Walter Frischknecht schnell klar. Der Polier der Bauunternehmung Egloff ist für einen Tag Ivan Louis’ Chef. «Doch, man könnte ihn brauchen», stellt er seinem Schnupperstift bereits vor dem Feierabend ein gutes Zeugnis aus. Als «Handlanger», wie sich Ivan Louis ­selber bezeichnete, hat er einen tiefen Einblick ins Bauwesen erhalten. Nicht nur, wie er einen Bauplan lesen kann. «Der Maurer Roger Frischknecht zeigte mir eindrücklich den Unterschied auf zwischen Wänden aus Sichtbeton und solchen, die noch verputzt werden», erzählt Ivan Louis. Erstere seien viel aufwendiger, vom Platzieren der Armierung über das Schalen bis zum Betonieren. «Mir ist hier auf der Baustelle bei vielem klar geworden, warum man es so und nicht anders macht», zieht Ivan Louis ein erstes Fazit. «Ich habe viel gelernt und schaue eine Baustelle jetzt anders an». Walter Frischknecht ist überzeugt, dass sich Ivan Louis für seinen Arbeits­einsatz einen mustergültigen Bau ausgesucht hat. «Wir erstellen hier keinen einfachen Bau, das macht unsere Arbeit interessant», sagt der erfahrene Polier. Ivan Louis füge sich auch gut ins Team ein. Das sei von Vorteil. Gerade auf einer Baustelle wie jener in Nesslau, wo die Bauarbeiter über ein Jahr lang beschäftigt sind, sei es wichtig, dann man gut zusammenarbeiten und sich aufeinander verlassen könne, sagt Walter Frischknecht. Sein Team setzt sich zusammen aus Mitarbeitern der Firmen Egloff und Weber, dazu kommen Akkordarbeiter.

Am anderen Tag wieder ausgeschlafen

Ivan Louis taxiert seinen ersten Arbeitseinsatz als gute Erfahrung. Weitere werden folgen, sagt er und fügt schmunzelnd hinzu, dass nicht alle gleich anstrengend sein werden.

Die Baustelle habe ihn recht «geschlaucht», wird Ivan Louis am anderen Tag in einem E-Mail schreiben. Dies, nachdem er wieder ausgeschlafen hat. Rasch ist aus dem temporären Bauarbeiter wieder der Politiker geworden.

Sabine Schmid

sabine.schmid@toggenburgmedien.ch