Happige Kritik
Von Amtsmissbrauch bis Tierquälerei: Innerrhoder Jäger erheben schwere Vorwürfe gegen Jagdverwalter ‒ Kanton entlastet ihn

In einem Schreiben an den Kanton warfen zwei freiwillige Jagdaufseher dem Innerrhoder Jagdverwalter Ueli Nef unter anderem Amtsmissbrauch und Tierquälerei vor. Die Standeskommission liess die Vorwürfe rechtlich untersuchen. Das Ergebnis zeigt: Die Vorwürfe sind nicht gerechtfertigt. Verbesserungspotenzial gibt es aber trotzdem in einem Punkt.

Claudio Weder und Lilli Schreiber
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Das Verhältnis zwischen den Innerrhoder Jägern und der Jagdverwaltung ist seit längerer Zeit angespannt.

Das Verhältnis zwischen den Innerrhoder Jägern und der Jagdverwaltung ist seit längerer Zeit angespannt.

Symbolbild: Severin Bigler / AGR

Gemäss einer Medienmitteilung der Ratskanzlei kam es am Dienstagabend zu einer Aussprache zwischen einer Delegation der Standeskommission und der Innerrhoder Jägerschaft. Grund dafür: Ein Teil der Innerrhoder Jäger ist mit dem kantonalen Jagdverwalter und Wildhüter Ueli Nef unzufrieden. Zudem gab es Kritik an verschiedenen jagdpolitischen Entscheiden der Standeskommission und deren Umsetzung.

Das Verhältnis zwischen den Jägern und der Jagdverwaltung sei schon seit längerer Zeit angespannt, sagt Landammann Roland Dähler. Anfang Februar habe die Standeskommission einen Brief von zwei der insgesamt fünf freiwilligen Jagdaufseher im Kanton erhalten. Diese sind dem Wildhüter unterstellt.

24 Vorwürfe, darunter teils «massive»

Roland Dähler, Innerrhoder Landammann.

Roland Dähler, Innerrhoder Landammann.

Bild: PD

Im Brief äusserten die beiden Jagdaufseher ihren Unmut gegenüber ihrem Chef. Gemäss Landammann Roland Dähler sind die Vorwürfe an die Adresse von Ueli Nef «massiv». «Sie reichen von Amtsmissbrauch bis Tierquälerei.» Gegenüber der «Appenzeller Zeitung» wollen sich die Jagdaufseher nicht zu den Vorwürfen äussern.

24 Vorwürfe sind es an der Zahl: Der Wildhüter hätte zum Beispiel beim Ausbruch der Gamsblindheit schneller reagieren müssen, lautet einer der Vorwürfe. Ebenso sei er oft zu spät oder nicht vor Ort, wenn beispielsweise ein Wildtier tot aufgefunden werde, so ein weiterer Kritikpunkt.

Jagdverwalter Ueli Nef wird von den Innerrhoder Jägern heftig kritisiert.

Jagdverwalter Ueli Nef wird von den Innerrhoder Jägern heftig kritisiert.

Bild: PD

Die Vorwürfe haben sich nun aber laut der Standeskommission als nicht gerechtfertigt erwiesen: Sie hat die 24 aufgeführten Fälle durch einen unabhängigen Fachexperten prüfen lassen. Die Ergebnisse der Untersuchung sind Ende Mai eingetroffen. «Der Bericht kam zum Schluss, dass keinerlei strafbare Handlungen oder fachliche Versäumnisse bestehen», sagt Dähler.

Aus diesem Grund habe die Standeskommission dem Jagdverwalter das Vertrauen ausgesprochen.

«Hätten sich aber die Vorwürfe als richtig erwiesen, dann wäre Ueli Nef als Jagdverwalter nicht mehr tragbar gewesen.»

Projektgruppe will bis Ende Jahr Verbesserungen erzielen

Die Untersuchung habe aber auch Optimierungspotenzial aufgezeigt, so Dähler weiter. In Zukunft soll insbesondere die Organisation der Jagdverwaltung einschliesslich der personellen Ressourcen überprüft werden. «Ueli Nef ist Wildhüter und Jagdverwalter zugleich. Hier müssen wir uns überlegen, ob es nicht besser wäre, diese Funktionen auf zwei Personen aufzuteilen.»

Auch sei es denkbar, mehrere Wildhüter einzusetzen, wie das in anderen Kantonen der Fall sei. Gleichzeitig sollen die Jagdverordnung sowie die Reglemente, zum Beispiel bezüglich dem aktiven Jagen durch die Jagdbehörden oder bezüglich der Steinbock-Jagd, überprüft und allenfalls angepasst werden.

An der eingangs erwähnten Aussprache haben Landammann Roland Dähler, Bauherr Ruedi Ulmann und der externe Fachexperte die rund 70 anwesenden Jäger über die eingeleiteten Massnahmen informiert. Dähler sagt:

«Wir hoffen, dass sich die Situation nun bald beruhigt und mit den ergriffenen Massnahmen die Zusammenarbeit wieder gestärkt werden kann.»

Zur Erreichung dieses Ziels soll ab sofort eine Projektgruppe eingesetzt werden, welche Roland Dähler leiten wird. Bis Ende Jahr will die Projektgruppe erste Ergebnisse präsentieren.