Handball rückt ins Rampenlicht

Mit dem Gruppensieg und der Qualifikation für die Finalrunde des Handballverbandes Ost sorgte die U15-Mannschaft des HC Toggenburg (HCT) für einen unerwarteten Erfolg. Handball könnte im Toggenburg dank des freiwilligen Schulsports einen Boom erleben.

Urs Huwyler
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NESSLAU. Auf den ersten Blick schien es sich um eine Verwechslung zu handeln. In der Sporthalle der Schule Nesslau-Krummenau tummelten sich freiwillig über die Mittagszeit Jugendliche, die vom Outfit her eher an Fuss- und nicht an Handballer erinnerten. «Das hat nichts zu bedeuten», lautete der Tenor der Schüler. Wenig später war die Sache doppelt klar: Erstens kickten die Toggenburger Talente nicht, sondern warfen den Ball scharf und genau und zweitens wurde rasch ersichtlich, weshalb die U15- und U17-Teams in der Meisterschaft erstaunliche Erfolge verbuchen können.

Handball in den Fokus rücken

Der in Wildhaus als Volleyballer und Tennisspieler bekannte Trainer Peter Ruf staunte bis zu einem gewissen Grad selbst, was seine Mannschaften innerhalb kürzester Zeit erreichten: Die U15-Mannschaft gewann ihre Gruppe (Region Ost) mit nur einer Niederlage und qualifizierte sich in der eher talfremden Sportart souverän für die Meisterrunde mit zwölf Mannschaften. Bisher bestimmten beim Nachwuchs die Fussballer, Volleyballer oder Unihockeyaner den Teamsport zwischen Bütschwil und Wildhaus, nun schossen sich fast schon auf wundersame Weise auch die Handballer ins Rampenlicht.

Gasttrainer hilft weiter

Zumal auch das U17-Team mit dem fünften Rang zu überzeugen vermochte. Im Training zeigte sich ein Grund für den Aufwärtstrend: Die Spieler verhielten sich absolut diszipliniert und der früher selbst als Handballer aktiv gewesene Trainer musste nicht als Polizist und Schlichter durch die Halle hetzen, sondern seine Anweisungen wurden ohne Nachdoppel erfüllt. Wer eine Minute zu spät erscheint, dreht die fünf Strafrunden von sich aus. «Es ist eine Gruppe, die wirklich Freude macht. Sonst würde ich den Aufwand an den Wochenenden nicht betreiben», lobt der Chef seine Schützlinge.

Sie scheinen auch den Grundgedanken, erfolgreich sein zu wollen, umzusetzen. Bereits auf den zweiten Blick zeigte sich, dass mehrere Toggenburger durchaus als Handballer Karriere machen könnten. «Ich hätte nie gedacht, dass ich mich schon jetzt mit taktischen Varianten befassen muss. Bisher ging es darum, mit den gegebenen Möglichkeiten Tore zu erzielen und wirksam zu verteidigen.» Peter Ruf lud deshalb seinen Freund Urs Aregger (St. Gallen) als Trainer-Experten ein. Dreimal stand er als Gasttrainer in der Halle und vermittelte den Spielern einen Einblick in die hohe Handballkunst.

Zukunft dank Blockbildung

Vielleicht, so hoffen die Toggenburger, wird im Idealfall Urs Aregger oder ein anderer Experte das Traineramt beim HCT übernehmen. Ein Ziel von Urs Aregger und Peter Ruf wäre es, die Teams als Block in den Club zu integrieren und sie nach der obligatorischen Schulzeit gemeinsam nach oben zu führen. «Ich traue ihnen mittelfristig einen Aufstieg in die 2. Liga zu. Einige dürften irgendwann von anderen Clubs kontaktiert werden. Die Fortschritte sind erstaunlich.» Ein Trainingsmatch bestätigt die Aussage. Vor allem bei schnell ausgeführten Kontern wird das Potenzial erkennbar. Auch das Spiel über die Flügel wird gepflegt. Die Nachwuchsbewegung hat auch bei den Mädchen Fuss gefasst und könnte nicht nur im oberen Toggenburg boomen. Von unten stossen bereits rund 25 weitere Jugendliche nach. Im Hintergrund ist dies auch ein Verdienst der Schulbehörden. Sie unterstützen Peter Ruf bei seinen Bestrebungen, helfen mit, das Umfeld optimal zu gestalten. Der Trainer sagt dazu: «Wir dürfen für die Auswärtsspiele auch immer den Schulbus benützen. Es passt alles.» Die ganze Entwicklung freut auch den ehemaligen National-Torhüter Hanspeter Lutz, der als Schulsekretär in Gossau arbeitet. «Solche Aktivitäten gilt es zu unterstützen und zu fördern. Mich freut es riesig, dass im Toggenburg eine Handballbewegung entsteht. Ich werde sie gespannt beobachten.»