Hamburg als Kunstraum

Das achte Auslandkunstprojekt führte das Ostschweizer Kunstnetzwerk ohm41 nach Hamburg. In der drittgrössten deutschen Stadt wurde der öffentliche Raum zur grossen Bühne. Zwei Toggenburger gestalteten mit.

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Aktion Bergluft: Thomas Fri Freydl von ohm41 aus dem Toggenburg verteilt 100 Prozent Bergluft an die Einwohnerinnen und Einwohner Hamburgs. (Bild: pd)

Aktion Bergluft: Thomas Fri Freydl von ohm41 aus dem Toggenburg verteilt 100 Prozent Bergluft an die Einwohnerinnen und Einwohner Hamburgs. (Bild: pd)

HAMBURG/WIL. Keine Galerie, keine Halle für Kunst, sondern der öffentliche Raum wurde im Hamburger Projekt die Bühne der unentwegten ohm-Truppe. Zumindest verwegen waren die Aktionen, die ohm41 vor kurzem in Hamburg durchführte. «Das Museum hat ausgedient, wir treten direkt in den Dialog mit dem Publikum», liess sich Stefan Kreier von ohm41 vernehmen. So sind fünf Aktionen entstanden, jede etwas anders.

«Seehschärfe» einmal anders

«Seehschärfe», so lautete der Projekttitel der Aktionen, welcher die Nähe zum Meer und zur scharfen Stadt aufnehmen sollte. Unter dem Attribut der scharfen Stadt darf die Leserin natürlich verschiedene Vermutungen zur Hansestadt anstellen. Naheliegend wäre da die sündige Reeperbahn. Doch dass Hamburg einer der grössten Umschlagplätze von Gewürzen in der ganzen Welt ist, das wissen die wenigsten.

Bergluft und Wasser

Thomas Fri Freydl liess es sich nicht nehmen, Schweizer Bergluft in die deutsche Elbstadt zu verfrachten. Er verteilte in den Fussgängerzonen in Ballonen in dieser Form eingelagerte Toggenburger Bergluft. Die Hamburgerinnen und Hamburger zeigten sich erfreut und schmunzelten über diese 100 Prozent Bergluft. «Jetzt bringt ihr uns mal was», sagte ein Einwohner Hamburgs dazu, vermutlich in Anlehnung an das viele Geld, das in umgekehrter Richtung geflossen ist.

Das Projekt von Roland Rüegg aus dem Toggenburg entpuppte sich als poetische Aktion. Er vereinigte Thurwasser, direkt von den Thurfällen, mit dem Elbwasser in Hamburg. «Das Wasser hat sich in seiner Lauterkeit nicht verändert und die Elbe wird nun mit Frischwasser beglückt», lässt sich der Künstler Roland Rüegg vernehmen. Er wollte auch das Gefälle von Berg und Tal, den Alpen und den nordischen Tiefebenen aufheben – das Wasserschloss Schweiz mit dem Warenumschlagplatz Hamburg vereinigen.

Hintergründig und reflektierend

Stefan Kreier liess auf der Hafenmole einen steuerbaren Helm herumrollen, der die Leute irritierte und erschreckte. Auf die Passantenfrage, was er damit bezwecken wolle, erwiderte Stefan Kreier, «Ohm41 verstehe sich als Aufroller und Reflektor von gesellschaftlichen Wucherungen». So wollte Stefan Kreier die Perspektive eines streunenden Hundes in Verbindung mit einer behelmt gesteuerten Kreatur darstellen und liess sie derart über die Hamburger Landungsbrücke wuseln. Der Hinterthurgauer Andreas Schedler richtete ein «Tubus telescopus», ein Fernrohr, auf das der Elbharmonie gegenüberliegende Ufer. Damit konnte der Beobachter bei genauem Hinsehen Anweisungen, Bilder und Probetafeln zur Ermittlung der Sehschärfe erkennen. Amüsiert reagierten die Hamburger, wenn sie denn mit Fragen konfrontiert wurden, ob sie zu Hause einen Luftbefeuchter hätten, oder ob Hamburg haarscharf an Bayern liege.

Volltreffer gelandet

ohm41 zeigte sich erfreut ob der Reaktionen der Hamburger. «Typisch Grossstadt», meinte die ohm-Aktivistin Franziska Peterli Bartholdi. «Die Leute sind sich einiges gewöhnt und nehmen nicht gleich Reissaus bei der erstbesten Irritation.»

Die ganze Hamburg-Aktion von ohm41 wurde vom Filmemacher Renato Müller koordiniert und aufgezeichnet. Sie wird bald in Wil und auch in Wattwil aufgeführt. (pd)

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