Hallo, wer ist am Apparat?

«Spreche ich mit Herrn Able…, Abeggl…, Abegglen? Mit Herrn Peter Abegglen?», tönt die Stimme am Telefon, die kaum eine schweizerdeutsche Dialektversion als Basis hat.

Peter Abegglen
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Bild: Peter Abegglen

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«Spreche ich mit Herrn Able…, Abeggl…, Abegglen? Mit Herrn Peter Abegglen?», tönt die Stimme am Telefon, die kaum eine schweizerdeutsche Dialektversion als Basis hat. Nach meiner Gegenfrage, ob es um Wein, Versicherung oder Krankenkasse gehe, kann ich meist auflegen: «Danke, kein Bedarf!» Es gibt aber auch die andern, meist weiblichen Stimmen, die süss flöten: «Haben Sie einen Moment Zeit, Herr Able…, Herr Abegglen?» Was ich vor einiger Zeit einmal vorgab zu haben, worauf die Dame eine geschlagene Viertelstunde lang drauflosschwatzte, während ich weiter an einer Brosmete schrieb. Als sie auf die Wiederholung ihrer letzten Frage, ob ich bestellen wolle, mein klares Nein erhielt, antwortete sie hörbar beleidigt: «Dann hätten wir uns das Gespräch auch sparen können!» Wo sie recht hat, hat sie recht. Wieder andere versuchen es mit der Masche der kleinen Umfrage oder mit dem gewonnenen Wettbewerbspreis. Welcher Wettbewerb?

Kürzlich war am andern Ende der Leitung nur ein leises Atmen auszumachen. Ich kurz und zackig: «Abegglen!» – Stille, Atmen. «Hallo?» Kurz vor dem Auflegen vernahm ich – offenbar im Hintergrund – eine mir wohlbekannte Stimme: «Sag jetzt dem Grosspapi, was du von ihm willst!» Immer noch Stille und Atmen. Dann die Tochter: «Papi, die Kleine hörte nicht mehr auf mit: Grosspapi! Grosspapi! Sie wollte dir telefonieren und liess sich durch nichts davon abbringen.» Seither weiss ich, dass das Schweigen am andern Ende der Leitung zur Zweijährigen gehört, die unbedingt die Stimme vom Grosspapi hören will und meine Fragen, ob sie zeichne oder tanze oder bäbele ignoriert, dafür leise und doch vernehmlich haucht: «O'papi, 'piele.» – «Aber sicher, ich komme sofort!»