Auswärtige zahlen bald mehr: Herisau wird Teil des regionalen Hallenbadverbunds

Regional genutzte Hallenbäder sollen auch regional finanziert werden. Das findet der neue Hallenbadverbund, dem auch Herisau angehört. Für die meisten Ausserrhoder bedeutet das aber vor allem höhere Eintrittspreise.

Selina Schmid
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Die Einnahmen aus den Eintritten decken die Kosten eines Hallenbads nicht.

Die Einnahmen aus den Eintritten decken die Kosten eines Hallenbads nicht.

Bild: APZ

Heizung, Wasser, Unterhalt oder Personal: Ein Hallenbad zu betreiben, ist teuer. Nur durch die Einnahmen aus dem Eintrittspreis können Hallenbäder die Betriebskosten vielerorts nicht decken. Die Gemeinden, in welchen sich die Hallenbäder befinden, beteiligen sich häufig mit beträchtliche Zuschüsse. Nun finden sechs Hallenbäder und 14 Gemeinden, dass die regional genutzten Bäder auch regional finanziert werden sollen. Sie haben sich am 1. Januar zu einem solidarischen Hallenbadverbund zusammengeschlossen. Auch Herisau ist Teil davon.

Beteiligung statt Eintritt

Initiantin ist die Regio Appenzell AR-St.Gallen-Bodensee. Seit 2017 sucht die Regio nach neuen Finanzierungs- und Betriebsansätzen für Hallenbäder. Mit dieser Vereinbarung beteiligen sich die 14 Verbundgemeinden mit einem freiwilligen Pro-Kopf-Beitrag am Betrieb der Bäder. Im Gegenzug bezahlt die Bevölkerung der Verbundgemeinden den selben Eintrittspreis wie die Bevölkerung der jeweiligen Hallenbadgemeinde. Durch das freiwillige Verbundmodell werde der langfristige Betrieb von sechs Hallenbädern auf eine solidere Finanzierungsbasis gestellt. Auswärtige bezahlen dagegen ab September einen Aufpreis.

Die Eigentümerin des Hallenbades finanziert die Investitionskosten weiterhin selbst. Ein Teil der Betriebskosten hingegen wird neu von den Verbundgemeinden mitgetragen. Leila Hauri, Geschäftsleiterin der Regio, sagt:

«Mit dieser Art der Finanzierung kommt der Solidaritätsgedanke zum Tragen. Die Hallenbäder werden bei den jährlich wiederkehrenden Betriebskosten entlastet und die Finanzierung wird auf eine solidere Basis gestellt.»

Mit Swisspass ins Hallenbad

Herisau ist mit dem Hallenbad im Sportzentrum als einzige Ausserrhoder Gemeinde beteiligt. Laut Gemeindepräsident Max Eugster hatte der Herisauer Gemeinderat Ende vergangenen Jahres der Kooperationsvereinbarung zugestimmt. Er sagt: «Das Sportzentrum ist eine wichtige Zentrumsleistung, aber kostet Herisau viel Geld. Der Verbund ist der Versuch, diese Kosten zu optimieren.» Bereits im kommenden Jahr dürfte sich der Verbund positiv auf die Gemeinderechnung auswirken.

Max Eugster, Gemeindepräsident Herisau

Max Eugster, Gemeindepräsident Herisau

Bild: PD

Bei der Vereinbarung gehe es nicht nur um Herisau. Sie lebe davon, dass möglichst alle Hallenbäder der Region mitmachen, so Eugster. «Ein Hallenbad wird nie alleine von den Einwohnerinnen und Einwohnern der Standortgemeinde genutzt.»

«Unser Hallenbad ist bekannt und wird entsprechend regional frequentiert.»

Damit die Besuchenden der Hallenbäder als «wohnhaft in einer Verbundgemeinde» oder «wohnhaft in einer Nicht-Verbundgemeinde» erkannt werden, müssen die Kassasysteme in den Hallenbädern technisch aufgerüstet werden. Dafür kann etwa der Swisspass eingelesen werden. Laut Regio kostet die technische Aufrüstung im Durchschnitt rund 12 000 Franken pro Bad. Dies finanziert jedes Hallenbad selbst. Eine SwissPass-Karte kann kostenlos an den Verkaufsstellen des öffentlichen Verkehrs bezogen werden. Für Personen ohne SwissPass bieten die Hallenbäder individuelle Lösungen bei der Eingangskontrolle an. Max Eugster sagt, in Herisau werde jeder offizielle Ausweis zählen, der die Wohnadresse zeige.

Beitritt ist für weitere Gemeinden möglich

Für die Bewohner jener Gemeinden, die nicht Teil des Verbunds sind, bedeutet die neue Vereinbarung ab September 50 Prozent höhere Eintrittspreise in Herisau. Auch Gemeinden, die beispielsweise ihren Schwimmunterricht in Herisau veranstalten, bezahlen mehr. Gemäss Max Eugster wurden die Gemeinden jedoch informiert. «Die Regio ist auf alle Gemeinden zugegangen und war transparent in ihrem Anliegen. Es wären alle herzlich willkommen, doch jede Gemeinde muss diese Entscheidung für sich selbst treffen.»

Max Eugster sagt: «Ich kann mir vorstellen, dass Anfangs weniger Leute ins Hallenbad Herisau kommen. Doch ich hoffe auf das Verständnis der anderen Gemeinden, dass die Kosten weit über den Eintrittspreis gehen.» Er geht davon aus, dass sich die Besucherzahlen mittel- bis langfristig ausgleichen werden.

Gemäss Michael Götte, Präsident der Regio, wird die Beteiligung von weiteren Ausserrhoder Gemeinden angestrebt. Götte sei froh, dass das Sportzentrum Herisau mitmache, sagt er. Herisau sei aber im Moment sicher die Hallenbad-Standortgemeinde, die vom neuen Verbund am wenigsten profitiere. Weitere Gemeinden können jederzeit dem Hallenbadverbund beitreten.