Hallenbad-Stop ist zwingend

Fast wäre das Hallenbad in Appenzell zu einem zweiten Gymnasium-Fall geworden. Dessen Umbau wurde einst immer teurer. Und wie entwickelt sich wohl das neue Pflegezentrum? Von Roger Fuchs

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Da dürfte einigen Leuten Sehen und Hören vergangen sein, als sie von den neusten Entwicklungen beim Hallenbad in Appenzell erfuhren. Das aus einem Wettbewerb hervorgegangene Siegerprojekt von Luzerner Architekten würde – wie ein Vorprojekt zeigt – das Kostendach von 22 Millionen Franken um vier Millionen übersteigen und 26 Millionen Franken kosten. Es ist demnach das einzig Richtige, wenn die Standeskommission nun das Kreditbegehren von 8 Millionen Franken für das Hallenbad zurückzieht und nicht vor die diesjährige Landsgemeinde bringt. Jetzt braucht es Zeit, die Situation von Grund auf zu analysieren. Ohne Marschhalt könnte es noch dicker kommen, denn beim Vorprojekt herrscht eine Kostengenauigkeit von plus/minus 15 Prozent. Geht man vom schlimmsten Szenario aus, könnten beim vorliegenden Projekt also nochmals nahezu 4 Millionen Franken dazukommen. Der Hallenbad-Neubau würde dann bald an der 30-Millionen-Franken-Marke kratzen.

Das Risiko, dass Appenzell wegen des Marschhalts womöglich längere Zeit über kein Hallenbad verfügt, muss in Kauf genommen werden. Ebenso das Risiko, dass um einen neuen Finanzierungsschlüssel gerungen werden muss oder gar die Standortfrage erneut aufflammt. Das angesetzte Schliessungsdatum des alten Bades im Dezember 2014 darf nur hinausgeschoben werden, wenn die Sicherheit 100prozentig gewährleistet werden kann.

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Keine gute Figur in der aktuellen Situation machen Leo Sutter, Verwaltungsratspräsident der Hallenschwimmbad Appenzell AG (Bauherrschaft) und gleichzeitig Präsident der Planungskommission, sowie das Architekturbüro des Siegerprojektes. Jetzt zu schweigen, kann eine Lösung sein. Doch ob es die beste ist, darf bezweifelt werden; vor allem deshalb, weil Vertrauen nötig ist, um dereinst von Kanton und Bezirken Kredite gesprochen zu bekommen. Beispielsweise stimmt die Information auf der Website des Hallenbades Appenzell nicht, dass im Wettbewerbsverfahren «aus 77 Bewerbungen fünf Architekturbüros mit Erfahrung im Bau von Hallenbädern» ausgewählt worden sind. Das Architektenteam des Siegerprojekts hat noch nie ein Hallenbad gebaut, wie die neuste Botschaft der Standeskommission zuhanden des Grossen Rates zeigt. Die betroffenen Architekten haben lediglich ein Freibad erstellt. Warum werden auf der Website des Hallenbades falsche Informationen veröffentlicht – und erst noch rot markiert? Da braucht sich niemand zu wundern, wenn der Hauptmann des Bezirks Appenzell in der gestrigen Zeitungsausgabe wörtlich sagte: «Mein Vertrauen ist erschüttert.»

Grund für die Verteuerung des Hallenbades ist das Faktum, dass für die Technik viel zu kleine Räume geplant wurden. Auf die Frage, wie solches passieren konnte, kursiert die Antwort, es gäbe im Hallenbadbau wenig Erfahrungszahlen. Doch selbst wenn es wenig Erfahrungszahlen gibt, es gibt sie. Fragt sich nur, ob sich das Architekturbüro die Mühe genommen hat, an entsprechende Angaben zu kommen, oder ob hier sprichwörtlich «ins Blaue hinaus» geplant wurde. Sich um 4000 m³ beim Volumen für die Technik zu verschätzen, macht zumindest nachdenklich.

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Immerhin – und das ist das Positive an der ganzen Sache – wurde der gravierende Faux-pas rechtzeitig bemerkt. Jetzt ist es möglich, noch grösseren Wellengang zu vermeiden und in keinen zweiten Gymi-Fall hineinzuschwimmen. Wir erinnern uns: Die Sanierung des Kapellentrakts beim Gymnasium St. Antonius in Appenzell wurde im Laufe der Arbeiten immer teurer und erforderte sowohl einen Zusatz- als auch einen Nachtragskredit. Seit Abschluss des umgebauten Kapellentraktes herrscht auch dort Marschhalt.

Um das Vertrauen in Bauplanungen nicht gänzlich zu verlieren, bleibt zu hoffen, dass nicht plötzlich auch noch beim neuen Alters- und Pflegezentrum böse Überraschungen auftreten. An der Landsgemeinde 2011 hat das Stimmvolk dafür einem Rahmenkredit von 21 Millionen Franken zuzüglich einer Bauherrenreserve von zwei Millionen Franken, die man nicht a priori antasten will, zugestimmt. Das aus dem anschliessenden Projektwettbewerb hervorgegangene Siegerprojekt lag zehn Prozent über dem bewilligten Kostenrahmen. Es folgte eine Überarbeitung, der Baustart des Alters- und Pflegezentrums soll in diesem Frühjahr sein. Bleibt für den Bau-Laien eine Frage: Wenn 22 Millionen für ein Hallenbad nicht genügen, wie sollen 21 Millionen für ein Alters- und Pflegezentrum mit Demenzstation reichen? Ein ungutes Gefühl liegt in der Luft . . .

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