Halle für Tennis und für Events

UNTERWASSER. Vor 20 Jahren bewiesen die Alt St. Johanner mit dem Bau der Tennishalle in Unterwasser Pioniergeist. Sie war als Notwendigkeit für den Tourismus angesehen worden. Heute ist sie eine polysportive Halle, die auch für Anlässe genutzt werden kann, und nicht mehr wegzudenken.

Sabine Schmid
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Die Halle in Unterwasser wird für Tennis genutzt. (Bild: Christof Sonderegger CH-9424 Rhe)

Die Halle in Unterwasser wird für Tennis genutzt. (Bild: Christof Sonderegger CH-9424 Rhe)

2002 war es. Der junge Unterwässler Simon Ammann kehrte als Doppelolympiasieger aus Salt Lake City zurück, und Tausende boten ihm einen warmen Empfang. Der Skispringer wurde auf den Schultern der Schwingerkönige Jörg Abderhalden und Nöldi Forrer durch die Massen getragen. Der Anlass fand – logischerweise – in Unterwasser statt, die Tennishalle platzte fast aus allen Nähten.

Hoteliers als Finanzierer

Dass dieser bisher wohl grösste Anlass überhaupt stattfinden konnte, war bei der Eröffnung der Tennis- und Eventhalle acht Jahre zuvor alles andere als selbstverständlich. «Der Eröffnung im Oktober 1995 ging ein jahrelanger Kampf voraus», erinnert sich Kurt Wiederkehr, der damals den Toggenburger Ableger der European Tennis Academy gegründet hat und seither leitet. Das Gewerbe und die Hoteliers hätten die Initiative von Oswald Huber unterstützt und das Genossenschaftskapital von 1,2 Millionen Franken zu einem grossen Teil bereitgestellt. «In erster Linie ging es ihnen darum, den Touristen etwas zu bieten, wenn das Wetter zu schlecht zum Wandern oder Skifahren war», erzählt Kurt Wiederkehr weiter. Tennis war vor 20 Jahren sehr im Trend, doch konnte von Anfang an auch Badminton und Squash in der Halle gespielt werden. Die Tennishalle war bereits damals wichtig für die Tennisclubs in der Region. Dort konnten die Mitglieder auch während des Winters ihrem Hobby frönen.

Filiale der Tennis Academy

Das Engagement für den Tourismus ging aber noch weiter: Karl Söllinger, damaliger Hotelier des Hotels Säntis, knüpfte Kontakt mit der European Tennis Academy, welche im Vorarlbergischen Brandnertal agierte. Diese nutzte die Möglichkeit, in der neuen Tennishalle im Obertoggenburg eine Filiale zu eröffnen. Als Leiter und Tennislehrer stellte sie Kurt Wiederkehr und den heutigen Hallenmanager Beat Frischknecht ein. Die beiden setzten sich sehr dafür ein, dass die Tennis Academy zu dem wurde, was sie heute ist. «In den besten Jahren generierten wir rund 1500 Übernachtungen pro Jahr im Obertoggenburg», sagt Kurt Wiederkehr nicht ohne Stolz. Die Zeiten haben sich zwar geändert, Tennis hat nicht mehr den Stellenwert, den es einmal hatte. Und dennoch: In den Frühlingsferien sind die Kurswochen sehr gut besucht, im Winter werden die Plätze von Spielern der einheimischen Clubs und von Touristen belegt. Und lässt das Wetter im Sommer kein Spiel auf dem Aussenplatz zu, kann man problemlos ins Trockene ausweichen.

Nutzung für andere Zwecke

Trotzdem: Der Sportbetrieb schrieb lange Zeit rote Zahlen. Unter der Leitung von Max Hagen lenkte der Verwaltungsrat die Halle in Richtung Mehrzwecknutzung. Die Halle beherbergte Generalversammlungen, Feste wie nach dem Hornschlittenrennen, das Countrycity oder eben den Empfang von Simon Ammann. Dank der finanziellen Unterstützung von Gemeinde und Gewerbeverein wurde eine Squashbox zu einer kleinen Küche umfunktioniert.

Heute sei die Halle etwa zur Hälfte für den Sport und zur Hälfte für andere Events genutzt, erklärt der Verwaltungsratspräsident Roland Faoro. Er schätzt die Wertschöpfung für das Obertoggenburg auf etwa 1,5 Millionen im Jahr, Gäste von Versammlungen und Festen übernachten in der Gemeinde, Restaurants übernehmen das Catering. «Heute weiss fast jeder, dass es die Tennishalle im Dorf braucht», ist Roland Faoro überzeugt. Er erklärt dies unter anderem damit, dass die Bürger bereits zwei Anbauten genehmigt und mit Steuergeldern finanziert haben.

Boden wird erneuert

«Die Beläge sind nun aber in die Jahre gekommen», erklärt Roland Faoro. Und auch eine Überschwemmung hat ihre Spuren hinterlassen, so dass im 2016 eine Erneuerung des Hallenbodens ansteht. Wiederum wird der Belag aus sogenanntem Nadelfleece bestehen, also aus einem Teppich, auf welchem ein Granulat ausgebracht ist. «Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Teppichbelag ist die Gleitfähigkeit gegeben, was die Gelenke der Spieler schont. Der Fleece ist aber schneller als ein Sandbelag», streicht Hallenmanager Beat Frischknecht hervor. Rund 100 000 Franken muss für diese Sanierung aufgewendet werden. Gedeckt werden soll dies mit Sponsorengeldern, aber auch mit einem Tennisball-Lotto (siehe Kasten). Gefeiert werden die Jubiläen der Tennis- und Eventhalle sowie der European Tennis Academy an zwei Daten: an der Jubiläums-GV der Genossenschaft, die im Rahmen des 15. Country City Toggenburg abgehalten wird, und an einem Jubiläumsfest am 24. Oktober.

Sie kann aber auch Events beherbergen wie die GV der Raiffeisenbank. (Bilder: pd)

Sie kann aber auch Events beherbergen wie die GV der Raiffeisenbank. (Bilder: pd)