Halbzeit im «Fressbalken»

Es dauerte keine zwei Folgen, da hatte sich der «Blick» bereits auf Roger Stump eingeschossen. Über den «Furzer vom Fressbalken» und die «Memme aus dem Appenzellerland» schrieb die Boulevardzeitung in mehreren Artikeln.

Michael Genova
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Drei Wochen lang im Fernsehen: In der Raststätte Würenlos räumt der 72jährige Roger Stump aus Schönengrund Getränke ein. (Bilder: SRF)

Drei Wochen lang im Fernsehen: In der Raststätte Würenlos räumt der 72jährige Roger Stump aus Schönengrund Getränke ein. (Bilder: SRF)

Es dauerte keine zwei Folgen, da hatte sich der «Blick» bereits auf Roger Stump eingeschossen. Über den «Furzer vom Fressbalken» und die «Memme aus dem Appenzellerland» schrieb die Boulevardzeitung in mehreren Artikeln. Und dies nur, weil der hyperaktive Rentner aus Schönengrund sprach, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Dazu kam, dass er sich anfänglich schrecklich langweilte. Genauso wie die Zuschauerinnen und Zuschauer. Es ist Halbzeit im «Fressbalken» in Würenlos: Noch anderthalb Wochen läuft die Sommerserie «A1 – Die Raststätte» von «Schweiz aktuell».

Bendrit muss spuren

Trotz aller Kritik: Es gibt die Momente, in denen Stump zur Hochform aufläuft. Auf dem Verdauungsspaziergang in der Raststätte trifft er auf eine alte Bekannte in Begleitung ihrer Freundin. «Jo, hallihallo, Postauto», ruft er und stürmt auf sie zu. Die zwei wollen ein Autogramm, und Stump benutzt ohne Zögern den Rücken der Bekannten als Schreibunterlage. «Das ist viel geiler», sagt der 72-Jährige. Lasst den Wirtshauswitz von der Leine, möchte man den Dramaturgen des SRF zurufen.

Etwas vertiefen dürften die Fernsehmacher auch die Beziehung zwischen Opa Stump und Muttersöhnchen Bendrit Bajra. Diesem fehlt eine starke Hand. Auf dem Papier ist der Secondo aus Schwamendingen zwar volljährig, ohne Hilfe seines Mami aber kaum überlebensfähig. Am Morgen muss ihn deshalb TV-Mamma Eva Mayer dreimal wecken – und er schläft dann doch weiter. Bendrit: «Ich habe Eva gesagt, sie soll in mein Zimmer kommen und beginnen, mich zu streicheln, oder so.»

Bei Stump hingegen wird Bendrit nicht geschont. Er muss Pfannen schrubben («es ist immer noch schwarz») und wird zurechtgewiesen, wenn er auf dem falschen Blech seine Pizza backen möchte. «Ich glaube, ich spinne langsam», ruft Stump. Bendrit gluckst, gibt sich unbeeindruckt und beteuert, dass er selten wütend werde. Um gleich darauf weiter zu sticheln: «Roger, wo ist meine Pizza?» Dennoch fällt die Fünf-Tage-Bilanz am Ende der ersten Woche versöhnlich aus. Stump bemerkt, dass es in jeder Familie ein Mitglied gebe, dass sich konsequent um den Abwasch drücke. Und Bendrit offenbart, dass er die Abende mit seinen Mitstreitern gerne auf den Balkon verbringe. «Dann <vergröle> ich mich ab und zu, bis ich Tränen habe.»

Stump, der heimliche Star

In der letzten Folge übernehmen Eva Mayer und Bendrit Bajra die Nachtschicht im Tankstellenshop. Es ist einer der bisherigen Höhepunkte der Serie. Secondos fahren mit ihren 5er-BMW vor, und Bendrit fühlt sich in seinem Element. «Das ist crazy, ihr seid <geili Siechä>», ruft er, setzt sich in ein Auto und lässt den Motor aufheulen. Später wird der Betreiber der Shell-Tankstelle erklären, wie er es geschafft hat, die illegalen Autorennen von der Raststätte zu verbannen. Und gegen Ende der Folge fragt man sich plötzlich: Wo ist eigentlich Stump? Für einmal musste der Appenzeller nämlich aussetzen. Jetzt beginnt es auch dem «Blick» zu dämmern. Zuletzt schrieb die Zeitung: «Mit seinen direkten Sprüchen und der kauzigen Art mausert sich der Appenzeller langsam zum heimlichen Star der Serie.»

Und was sagt Stump zur Boulevardzeitung, die ihn kürzlich noch als «Furzer» verunglimpfte: «Goht's dene eigentli no?»

Die Protagonisten von «A1 &ndash; Die Raststätte»: Komiker Bendrit Bajra, Weltenbummler Roger Stump und Gastronomin Eva Mayer.

Die Protagonisten von «A1 – Die Raststätte»: Komiker Bendrit Bajra, Weltenbummler Roger Stump und Gastronomin Eva Mayer.

Am jährlichen Sicherheitstag der Raststätte Würenlos: Roger Stump lernt, wie man einen Autobrand löscht.

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