Haifische auf Skateboards

Die Proben für das «Piratical», das im Bahndepot Gais aufgeführt wird, kommen gut voran. Die Darstellerinnen und Darsteller wissen nun, in welchen Kostümen sie auftreten werden.

Martin Hüsler
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Proben, proben, proben – und immer wieder an Details feilen. (Bild: hü)

Proben, proben, proben – und immer wieder an Details feilen. (Bild: hü)

GAIS. Die Vorbereitungen auf das «Piratical» werden von Woche zu Woche intensiver. Den erwartungsvollen Blick auf die Premiere am 7. August und die darauffolgenden 18 Aufführungen bis am 12. September gerichtet, tritt man nun allmählich in die Phase des Feinschliffs.

Säcke und Zainen voller Textilien, Messbänder, Nadeln und Scheren – und mittendrin Sandra Mösli, die Kostümbildnerin für das «Piratical»: Wir sind im Mehrzweckgebäude Weier, wo parallel zu einer szenischen Probe die Kostüme für das Ensemble angepasst werden. Einzeln betreten die Damen und Herren in Zivil den Raum, und nach wenigen Minuten stehen sie eingekleidet als Händlerinnen da, als Arbeiter, als leichte Damen, als Sirenen, als Eingeborene oder für was auch immer die Besetzungsliste sie bestimmt hat.

Moosgrüner Samt aus Luzern

«Es läuft gut mit den Kostümen», zeigt sich Sandra Mösli zufrieden. Sie hat ihre Beziehungen zu nutzen gewusst, hat in Brockenstuben gekramt, diesen und jenen Fundus durchstöbert. Manchmal gab es wahre Glücksgriffe. «Für das Kostüm, in dem Sir David Cromwell aufzutreten hat, lautete die Vorgabe auf moosgrünen Samt. Bei einem Ausverkauf in Luzern bin ich im letzten Moment auf das Passende gestossen», freut sie sich.

Szene um Szene

Während im Nebenraum fleissig anprobiert wird, nehmen im grossen Saal die Proben ihren Fortgang. Autor und Regisseur Reto Wiedenkeller und seine Assistentin Henriette Schweizer lassen Szene um Szene durchspielen. Wo sie es für nötig erachten, greifen sie ein. Die Chorszenen dirigiert an dieser Probe Beat Brunner, dem zusammen mit Michael Schläpfer, dem Komponisten des Musicals, die musikalische Leitung obliegt. Korrepetiert werden die gesanglichen Einschübe von Ursula Oelke.

Eklatante Fortschritte

Im Vergleich zu früheren Proben fällt auf, dass die Sache gut anderthalb Monate vor der Premiere bereits auf solidem Fundament steht. «Wir sind gut dran und haben eklatante Fortschritte gemacht», windet Reto Wiedenkeller dem Ensemble ein Kränzchen. Er lobt die ausgezeichnete Stimmung im Ensemble, die sich denn auch für Aussenstehende unschwer erkennen lässt: Bei aller Ernsthaftigkeit im Bemühen, das Gute in Wiederholungen durch das Bessere zu ersetzen, wird viel gescherzt und gelacht. «Für mich ist diese <Piratical>-Gemeinschaft wie eine zweite Familie geworden», sagt uns Karl Göltenboth, der das Orakel Jack spielt. Regisseur Wiedenkeller legt im übrigen Wert auf die Feststellung, dass das im Dialekt gehaltene «Piratical» für jede Altersgruppe besuchbar ist. «Von acht bis achtzig müsste es in der Anpreisung eigentlich heissen.»

In G-Dur dem Garen entgegen

Es gibt viele ergötzliche Momente. Etwa dann, wenn Haifische auf Skateboards die Szene beleben. Oder wenn vermeintlich kannibalistische Eingeborene mit einem «Boom Shakalaka Uh» im Chor ihren Gefangenen Schrecken einflössen. Letztere ängstigen sich in G-Dur, mit einer Rückung nach As-Dur, dem Kochtopf entgegen. Ob sie ihm entgehen? Ab dem 7. August weiss man Genaueres.