Haben Sie genug Luft?

SPEERSPITZ Jetzt – im Winter – spazieren wir gern über verschneite Wiesen und geniessen die reine Luft. Aus diesem Grund werden Sie meine Frage wahrscheinlich voller Überzeugung mit Ja beantworten.

Beatrice Bollhalder
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Bild: Beatrice Bollhalder

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SPEERSPITZ

Jetzt – im Winter – spazieren wir gern über verschneite Wiesen und geniessen die reine Luft. Aus diesem Grund werden Sie meine Frage wahrscheinlich voller Überzeugung mit Ja beantworten. Es gibt aber auch noch eine andere Luft als jene, die wir einatmen. Und nicht nur Asthmatiker kennen das schreckliche Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Viele Menschen ersticken heute fast an der Flut von Terminen und Aufgaben. Allerdings glaube ich, dass einem auch noch so viele Termine nicht viel ausmachen, wenn man sie gern macht. So habe ich kein Problem damit, an einem Wochenende an drei Veranstaltungen anwesend zu sein und darüber zu berichten, wenn ich mich für die Aktivitäten begeistern kann. Was mich aber stresst: Wenn ich nicht weiss, wie ich meine Arbeitszeit – zu Hause ist das kein Problem, eine Frau findet immer etwas, mit dem sie sich beschäftigen kann – sinnvoll füllen kann. Es gibt Tage, an denen einfach niemand zu einem Thema, über das ich schreiben könnte, Zeit oder Lust hat, Auskunft zu geben. So wie gerade jetzt. Ein paar Informanten haben mich vertröstet auf in einer Woche, einem Monat oder eben auf dann, wenn die Visiere für das neue Gebäude gestellt sind. Ich habe Verständnis dafür, dass man den richtigen Zeitpunkt für eine Information an die Öffentlichkeit abwarten möchte. Aber eben, ich habe den Auftrag, zusammen mit meinen Kollegen eine Zeitung zu füllen, und das ist manchmal gar nicht so einfach. Was also soll ich tun, wenn ich trotz leerer Agenda kaum mehr Luft zum Atmen habe und immer nervöser werde, weil ich diese Situation hasse? In einer Broschüre lese ich den Tip: Wenn Sie keine Luft mehr bekommen – auch im übertragenen Sinn – verlassen Sie den Raum und sehen Sie in den Himmel, in die Weite der Erdatmosphäre. So gewinnen Sie die Sicherheit, dass genug Luft da ist. Weiter lese ich, dass eine Schweizer Psychologin festgestellt hat, dass die meisten Menschen die «Luft» mehr fürchten als den Dauerstress. Sie ängstigen sich im Unterbewusstsein davor, keine Arbeit zu haben, und pflastern deshalb vorsorglich den Tag mit mehr Pflichten voll, als sie je schaffen können, stellt sie fest. Auch im Privatleben gelinge es vielen Menschen nicht mehr, sich mit der «Luft» anzufreunden. In der kommenden Woche ist es mir gleichgültig, wenn niemand einen Termin abmachen will, denn ich werde auf Piste oder Loipe unterwegs sein und die frische Luft in der Natur des obersten Toggenburgs geniessen. Es reicht also, wenn nach den Ferien die Agenda wieder prall gefüllt ist…

@toggenburgmedien.ch

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