Gutes tun in der Coronazeit: Walzenhauserin näht Masken für Familie, Freunde und Nachbarn

Iris Kohler aus Appenzell Ausserrhoden näht in ihrer freien Zeit Stoffmasken – ein potenzielles Trendaccessoire. Diese Meinung teilt auch Milo Goldener von Goldener Mode. Seine Näherinnen stellen 600 Masken pro Tag her. Aktuell primär für Unternehmen, die bald wieder öffnen dürfen.

Janine Bollhalder
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Iris Kohler näht Stoffmasken in ihrem Atelier.

Iris Kohler näht Stoffmasken in ihrem Atelier.

Bild: David Scarano

Anstatt Kissenbezüge zu nähen, macht sie Gesichtsmasken: Iris Kohler aus Walzenhausen. Die Mutter von zwei Teenagern ist gelernte Tapeziernäherin. «Heute nennt man das Dekorationsgestalterin», sagt sie. In ihrem Keller hat sie sich ein Atelier eingerichtet. Dort näht sie Gesichtsmasken – «wenn der Haushalt erledigt ist und ich ein bisschen freie Zeit habe».

Inspiration für die Masken findet Kohler im Internet («Bei Pinterest etwa gibt es Tausende Vorlagen») und als Vorbild diente ihr auch eine medizinische Maske mit den drei Fältchen. Die Idee, Schutzmasken zu nähen, sei aber eigentlich aus einem Jux entstanden. Kohler sagt:

«Ich habe eine Maske mit Bierflaschen für meinen Schwager genäht.»

Diese sei sehr gut angekommen und bald darauf habe sie mehrere Exemplare für eine Arztpraxis genäht. Dort werden die Masken nun auf ihre Alltagstauglichkeit geprüft.

Der Komfort beim Tragen ist entscheidend

In einem halben Tag näht Iris Kohler bis zu fünf Masken. Sie verwendet dazu Reststoffe eines regionalen Bettwäsche-Unternehmens, welche bis zu 60 Grad waschbar sind. «Ich habe ein bisschen ausprobieren müssen, bis ich die richtige Breite des Gummibands gefunden habe», sagt Kohler. Wichtig: der Komfort. Zu dünne Gummibänder schneiden ein. «Allerdings ist mein Vorrat schon fast ausgeschöpft.» Zum Glück habe sie bei einem der beiden grössten Schweizer Detaillisten Nachschub gefunden.

Den Wunsch, die Masken in Serie herzustellen und zu verkaufen, hegt Iris Kohler nicht. Die Hausfrau sagt:

«Ich mache die Masken für Nachbarn, Familie und Freunde. Ich will damit einfach etwas Gutes tun.»

Und sie vermutet, dass angesichts der Umstände die Gesichtsmaske zum neuen Modeaccessoire werden könnte. «Wenn man lustige Stoffe verwendet, kann das trendy sein.»

Milo Goldener, Textilkaufmann und Mitglied der Geschäftsleitung der Goldener Mode AG

Milo Goldener, Textilkaufmann und Mitglied der Geschäftsleitung der Goldener Mode AG

Daniel Ammann

Auch Milo Goldener, Textilkaufmann und Mitglied der Geschäftsleitung des Unternehmens Goldener Mode in Appenzell, sieht in der Gesichtsmaske ein grosses Potenzial zum Modeaccessoire. Das Unternehmen hat vor drei Wochen angefangen, Mund-Nase-Masken herzustellen. «Die Näherinnen arbeiten in den drei Standorten Appenzell, Wil und Buchs. Je drei Personen, um das Social Distancing einzuhalten», sagt Goldener.

«Die Näherinnen stellen pro Tag bis zu 600 Masken her.»

Das Material bezieht Goldener vom benachbarten Unternehmen Weba Weberei und lässt es in Herisau veredeln. Es sei ein hochwertiger und wasserabweisender Stoff, der heiss gewaschen werden kann.

Der Textilkaufmann sagt: «Mit dem Tragen einer Maske schützt man nicht sich selbst, sondern die Umgebung.» Er fügt an: dass die Masken, welche aktuell im Online-Shop zu finden sind, nicht für den medizinischen Gebrauch zertifiziert seien.

Auf Maskensafari: Coronaschutz wird Trend

Seit zehn Tagen verkauft Goldener die Mund-Nase-Masken. Primär an Berufstätige, die ab dem kommenden Montag wieder in Kontakt mit anderen Menschen stehen. Die Mund-Nase-Masken können im Online-Shop gekauft werden – auf Wunsch auch mit einem aufgestickten Firmenlogo. «Vereinzelt bekommen wir auch Anfragen von Privatpersonen.» Er vermutet, dass sich das ändern wird, sobald die Textilgeschäfte wieder öffnen dürfen.

Bisher finde das Edelweiss-Muster den grössten Anklang. Wenn, wie etwa in Österreich bereits geschehen, doch noch eine Pflicht zum Tragen von Masken erlassen wird, sollen auch Mund-Nase-Masken in den Farben der Saison produziert werden.

«In trendigem Gelb, mit Leopardenprint oder kariert.»

Milo Goldener feilt auch schon an der Idee, medizinisch zertifizierte Masken zu verkaufen. Er sagt aber: «Die Kauflust im Bereich der Mode ist auf den Tiefpunkt gesunken. Die Wirtschaft muss langsam wieder aufgebaut werden.» Er vermutet, dass es dafür sicher ein Jahr brauchen wird.

Es wird Stichproben geben

«Die vom Bund ermöglichte Lockerung der Auflagen ab kommenden Montag darf nur unter strikter Einhaltung der vorgeschriebenen Hygiene- und Abstandsregeln vollzogen werden», sagt Georg Amstutz, Mediensprecher des Kantons Appenzell Ausserrhoden.

Für die Beschaffung des Materials dafür, dazu gehören auch Gesichtsmasken, sind die einzelnen Betriebe selbst verantwortlich. «Masken sind auf dem Markt erhältlich. Branchenverbände bieten Sammelbestellungen an», sagt Amstutz.

«Der Kanton prüft derzeit, inwiefern Unterstützung bei der Materialbeschaffung geleistet werden kann und wird dann auch Stichproben zur Umsetzung der vorgeschriebenen Regeln durchführen.»

Georg Amstutz, Leiter des kantonalen Kommunikationsdienstes.

Georg Amstutz, Leiter des kantonalen Kommunikationsdienstes.

Bild: pd

Da die Lockerung der Auflagen schrittweise erfolgt, werde der Kanton Appenzell Ausserrhoden laufend abklären, welche Möglichkeiten sich bieten, Bevölkerung und Wirtschaft zu unterstützen. Amstutz betont aber: «Das Ausrufen einer Maskentragepflicht liegt in der Kompetenz des Bundes, nicht der Kantone.»

Maske vermittelt trügerische Sicherheit

Georg Amstutz weist darauf hin, dass die Masken weniger zum Schutz des Trägers, sondern vielmehr dessen Umwelt dienen. Hygienemasken sind Einwegmaterialien und sollten daher nicht gewaschen werden. Stoffmasken müssen bei Temperaturen ab 60 Grad gewaschen werden, um eine Infektion durch Keime in der Maske zu vermeiden – die Coronaviren sind hitzelabil.

Eine Maske ist sicher, wenn sie das europäische Zertifizierungszeichen (CE) aufweist. Amstutz warnt: «Eine nicht zertifizierte Maske kann dem Träger eine trügerische Sicherheit vermitteln.» Das könne dazu führen, dass Abstand- und Hygienemassnahmen nur noch ungenügend eingehalten werden. Er sagt: «Aus Expertensicht ist die Einhaltung jener Regeln daher wirkungsvoller.»