Gutes Karma in der eigenen Stube

Speerspitz

Ruben Schönenberger
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Als ÖV-Liebhaber und GA-Besitzer ist der Zug für mich so etwas wie ein erweitertes Wohnzimmer. Ich lese in ihm Zeitungen, Magazine oder Bücher. Auch Arbeit am Laptop erledige ich schon mal auf der Fahrt von A nach B. Und manchmal findet das Frühstück im Zug statt, weil ich zu knapp aufgestanden bin. Etwas passt da aber nicht so recht rein: Ich muss mich mit meinem GA ausweisen, damit ich mich in meiner Stube aufhalten darf.

Vor einigen Tagen erlitt meine Stube einen Defekt. Zwischen St. Gallen und Herisau vermeldete eine Durchsage, dass die Lokomotive einen Schaden aufweise, die Reisenden hätten in Herisau umzusteigen. Als der Voralpen-Express im Bahnhof hielt, machte ein Mitreisender keine Anstalten, aufzustehen. Seine Kopfhörer hatten wohl verunmöglicht, die Durchsage zu hören. Ich machte ihn dar­auf aufmerksam, dass es hier nicht weitergehe. Beim Aussteigen war meine Hilfe noch einmal gefragt. Eine junge Mutter musste ihren Kinderwagen aus dem Zug bugsieren. Zu diesem Zeitpunkt stiess der Zugführer dazu, murmelte ein «Alles zur gleichen Zeit» und bedankte sich bei mir für die Hilfe.

Ohne Verzögerung ging’s im neuen Zug weiter, der bereits auf dem Nebengleis gewartet hatte. Die neue Stube sah aus wie die alte, die wir gerade verlassen hatten. Kurze Zeit später machte sich der Zugführer auf, die Billette zu kontrollieren. Als er neben meinem Viererabteil stand, meinte er nur: «Schon gut, und danke nochmal.» Manchmal braucht es offenbar nur ein bisschen gutes Karma, um die Stube noch wohnlicher zu machen.

Ruben Schönenberger

ruben.schoenenberger@

toggenburgmedien.ch

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