Gutenachtgeschichten

Germanistik, Populäre Kulturen und Ethnologie – da schüttelt manch einer verständnislos den Kopf. Kein Wunder, kann doch nicht einmal ich, die ich mich tagtäglich damit beschäftige, mein Studium definieren.

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Germanistik, Populäre Kulturen und Ethnologie – da schüttelt manch einer verständnislos den Kopf. Kein Wunder, kann doch nicht einmal ich, die ich mich tagtäglich damit beschäftige, mein Studium definieren. Je mehr ich mich darum bemühe, einen Überblick zu schaffen, nach anschaulichen Beispielen zu suchen, desto mehr beginne ich, sinnlos Details aneinanderzureihen, in abstrakte Theorie abzudriften. Zumindest war das bis vor kurzem so – bis zu meinem Erfolgserlebnis.

Für eine Seminararbeit der Populären Kulturen wollte ich die Darstellung von Schwarzen in der Kinder- und Jugendliteratur untersuchen, und zwar am Beispiel von Michael Endes «Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer». Ich ging also mit den beiden Lummerländern und Emma, der Lokomotive, auf Reisen – und mit uns bald der Rest der Familie. Beim Abendessen erzählte ich von den Abenteuern, die wir erlebten: Wie wir in Ping, der Hauptstadt von Mandala (früher als China bekannt), die sogenannten Oberbonzen überwältigten, die uns den dringlichen Besuch beim Kaiser verwehren wollten. Wie wir zur Drachenstadt Kummerland aufbrachen, um die Tochter des Kaisers aus den Fängen von Frau Mahlzahn zu befreien. Wie wir in der Wüste «Ende der Welt» von Fata Morganas heimgesucht wurden und auf den Scheinriesen Herrn Turtur trafen. Wie wir im Land der tausend Vulkane den Vulkan des ausgestossenen Halbdrachen Nepomuk reparierten. Wie wir schliesslich den bösen Drachen bekämpften und die gefangenen Kinder nach Hause brachten.

Inzwischen ist meine Seminararbeit abgeschlossen; Michael Endes Erzählung aber hat in den einen oder andern Schlafzimmern als Gutenachtgeschichte ihre Fortsetzung gefunden. Und genau das, meine Lieben, ist Populäre Kultur. Womit nun wenigstens eines geklärt wäre.

Susanna Schoch

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