Gute Seiten, schlechte Seiten: Die Webseiten der Ausserrhoder Gemeinden sind sehr unterschiedlich

Ein Vergleich der Internetauftritte zeigt, dass die grossen Gemeinden nicht unbedingt am besten abschneiden.

Karin Erni
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Die Webseite von Speicher (links) ist technisch und grafisch veraltet. Ein gutes Beispiel ist dagegen jene von Waldstatt.

Die Webseite von Speicher (links) ist technisch und grafisch veraltet. Ein gutes Beispiel ist dagegen jene von Waldstatt.

Bild: Karin Erni

Rund 30 Jahre nach der Erfindung des Internets ist eine eigene Homepage für Unternehmen und Gemeinwesen längst ein absolutes Muss. Doch nicht immer sind diese auf einem guten Stand, was Handhabung und Darstellung betrifft. Ein Blick in die Ausserrhoder Gemeindewebseiten zeigt, dass mehr als die Hälfte davon technisch veraltet ist.

Vorbildliche Webseiten haben folgende Gemeinden:

  • Grub
  • Hundwil
  • Schwellbrunn
  • Stein
  • Teufen
  • Trogen
  • Wald
  • Waldstatt
  • Wolfhalden

Diese Webseiten sind veraltet:

  • Bühler
  • Gais
  • Heiden
  • Herisau
  • Lutzenberg
  • Rehetobel
  • Reute
  • Urnäsch
  • Schönengrund
  • Speicher
  • Walzenhausen

Barbara Schatt hat eine eigene Firma für Webdesign in Herisau. Sie erklärt, welche Punkte sie als wichtig erachtet. «Eine Gemeindehomepage richtet sich an ein breites Zielpublikum. Vom Schulkind über die Hausfrau bis zum Rentner muss sich jeder und jede gut darauf zurechtfinden.» Als absolutes Muss bezeichnet sie das «Responsive-Design» einer Webseite. Dieses erfolgt anhand der Anforderungen des jeweiligen Gerätes, mit dem die Seite betrachtet wird, und ermöglicht die optimale Darstellung auf mobilen Geräten. «Heute sind viele Menschen unterwegs und wollen sich dabei kurz auf dem Smartphone informieren oder sie haben zu Hause nur ein Tablet. Es ist mühsam wenn man den Inhalt immer wieder zoomen und sich so durch eine Webseite kämpfen muss.»

Vergleich der Ausserrhoder Gemeinden

Bei der Gestaltung der Desktopversion empfiehlt Barbara Schatt, die volle Bildschirmbreite zu nutzen. «Es bringt wenig, wenn die Hälfte der Seite weiss ist.» Ein Blick in die hiesigen Gemeindewebseiten zeigt, dass viele um die zehn Jahre alt sind und die heutigen Anforderungen nicht mehr in allen Punkten erfüllen. Sie sehen alle ähnlich aus, mit viel Weissraum und gedrängten Informationen.

Grafisch und funktional überzeugen die Seiten von Grub, Hundwil, Schwellbrunn, Stein, Teufen, Trogen, Wald, Waldstatt und Wolfhalden. Sie alle sind modern und grosszügig gestaltet und verfügen über eine vollwertige mobile Version. Die Desktop-Webseite der Gemeinde Gais wirkt zwar grafisch etwas angejahrt, hat aber eine responsive Mobileseite, die alle Funktionen enthält. Bei den übrigen Webseite im Kanton fehlt in der Regel die mobile Version. Besonders schade ist das bei der grössten Gemeinde Herisau. Auf Anfrage heisst es dort: «Der letzte Relaunch ging am 22.11.2012 online. Der Umstieg auf responsive Design ist für Ende 2020 oder im 2021 geplant.»

Gemeindeseiten sind aktuell gehalten

Als Webmaster fungiert in vielen Fällen der Gemeindeschreiber, was Barbara Schatt als positiv erachtet, damit die Website unkompliziert aktuell gehalten werden kann. «Wenn Änderungen extern gemacht werden müssen, geht in der Regel zu viel Zeit verloren.»

Für die Sicherheit der Seite brauche es dagegen Profis. «Suchroboter finden Sicherheitslücken und können Schadsoftware auf der Website installieren. Ich verbringe viel Zeit damit, für meine Kunden Sicherheitsupdates zu aktualisieren und die Seiten anschliessend zu überprüfen, ob sie noch richtig funktionieren.»

Zwischenlösung mit reduzierten Inhalten

Schönengrund, Stein und Urnäsch verfügen zwar über eine mobile Webseite, diese hat aber reduzierte Inhalte. Auf Anfrage sagt Gemeindepräsident Peter Kürsteiner: «Uns ist bewusst, dass die Mobile-App nicht sehr benutzerfreundlich ist. Eine Überarbeitung ist aber noch nicht geplant. Im Hinblick auf den Neubau der Gemeindekanzlei wird das aber sicher ein Thema werden.» Zwei Webseiten aktuell halten ist in der Regel mit zusätzlichem Aufwand verbunden. Das dürfte mit ein Grund sein, warum einige Gemeinden noch warten mit einer mobilen Version, um dann gleich die ganze Webseite zu überarbeiten.

Auch die Seite von Speicher wirkt unmodern. Die Seite ist seit 2002 in Betrieb und wurde 2012 überarbeitet. Auch hier ist die mobile Ansicht stark reduziert. Gemeindeschreiberin Michal Herzog sagt auf Anfrage, das Problem sei der Gemeinde bewusst, habe aber nicht höchste Priorität. Voraussichtlich nächstes Jahr soll die neue Gestaltung angegangen werden.

Walzenhausen begrüsst die Besucher im Internet mit Gesichtern aus der Gemeinde und dem Slogan «Me kennt si». Das wirkt zwar sympathisch, doch die Fläche, in der Informationen Platz finden, wird dadurch noch knapper. Bei der mobilen Version irritiert die displayfüllende Bildergalerie noch mehr.

Viele Webseiten sind als «nicht sicher» bezeichnet

Bei einigen der älteren Seiten erscheint im Browser zudem der Hinweis «nicht sicher». Gemäss Auskunft von AR-Informatik ist bei diesen Seiten kein SSL-Zertifikat hinterlegt und die Anfragen und abgerufenen Daten werden nicht verschlüsselt und könnten von Dritten eingesehen werden. Seit August 2014 ist die Verschlüsselung bei Google ein Rankingfaktor. Trotzdem haben es alle Gemeinden auf den ersten Platz bei der Google-Suche geschafft. Ausnahmen sind Wald und Bühler, wo wegen der Doppelbedeutung der Zusatz «AR» zum Ortsnamen nötig ist.

Mit Ausnahme von Hundwil kann man auf allen Seiten SBB-Tageskarten direkt online bestellen und bezahlen. Hundwil und Wald sind auch die einzigen, die über keinen Onlineschalter verfügen. Im Downloadcenter können aber zahlreiche Informationen eingesehen und Dokumente heruntergeladen werden. Weitergehende Leistungen sind derzeit ohnehin Zukunftsmusik, denn in der Schweiz fehlen immer noch grundlegende Basisdienste wie die elektronische Identität oder gemeinsame Datenregister.