Gut vorbereitet sein

APPENZELL. Der Hospiz-Dienst Appenzell begleitet seit über zweieinhalb Jahren schwerkranke und sterbende Menschen. Die freiwilligen Begleiterinnen treffen sich regelmässig zu Weiterbildungen: Kürzlich wurde «gutes Berühren» thematisiert.

Vreni Peterer
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Tips für die Mundpflege geben Bernadette Vinzent (hinten links) und Bernadette Dobler den Freiwilligen des Hospiz-Dienstes. (Bild: vp)

Tips für die Mundpflege geben Bernadette Vinzent (hinten links) und Bernadette Dobler den Freiwilligen des Hospiz-Dienstes. (Bild: vp)

Das Ziel des «Hospiz-Dienstes» besteht darin, Menschen auf ihrer letzten Wegstrecke zu begleiten. Das kann zu Hause, im Spital oder im Heim geschehen. Die freiwilligen Begleiterinnen ergänzen da, wo pflegende Angehörige oder andere Dienste hinsichtlich ihrer Zeit, Kraft oder Lebensumstände an Grenzen gelangen. Die Einsätze werden am Tag und in der Nacht geleistet.

Kurse und Gruppenabende

Ein wichtiges Anliegen des Hospiz-Vorstandes ist es, dass die Freiwilligen gut auf ihre Einsätze vorbereitet werden. Wer nicht schon einen diesbezüglichen Ausbildungs-Hintergrund hat, ist verpflichtet, einen Grundkurs zu besuchen. Im weiteren nehmen die Freiwilligen an Weiterbildungsveranstaltungen teil, die der Hospiz-Dienst St. Gallen anbietet.

Zusätzlich finden beim Hospiz-Dienst Appenzell interne Weiterbildungen statt, die jeweils im Rahmen von Gruppenabenden durchgeführt werden. Ein solcher stand kürzlich in den Räumlichkeiten des Spitals auf dem Programm. Die Vorstandsmitglieder Bernadette Dobler (Präsidentin) und Bernadette Vinzent (Vizepräsidentin) berichteten aus ihrem Erfahrungsschatz und zeigten einfache Verrichtungen und Hilfestellungen am Krankenbett.

Fingerspitzengefühl nötig

Einleitend sagte die Präsidentin – sie hat mehrfach Sterbende begleitet – dass jede Begleitung anders sei. Die Hilfe der Freiwilligen solle für den Sterbenden angenehm sein. Jede Handlung, die in liebevoller Einfühlung ausgeführt werde, werde bedeutungsvoll und helfe, dass man sich näherkomme. Es brauche dazu Erfahrung, Fingerspitzengefühl und Kreativität. Das Ziel bestehe darin, Beschwerden der Sterbenden zu lindern. «Jedes Sterbende hat das Recht auf einen friedvollen, schmerzfreien und würdevollen Tod», so Bernadette Dobler. Sie umschrieb die Hauptaufgabe des Hospiz-Dienstes wie folgt: «Zeit schenken und einfach da sein.» Dabei soll der sterbende Mensch bestimmen, ob er zum Beispiel schlafen, Gespräche führen, beten oder berührt werden möchte.

Respektvolles Berühren

Das Thema «Berühren» bildete an diesem Abend ein Schwerpunktthema. «Gutes Berühren ist eine Kunst», brachte es Bernadette Vinzent auf den Punkt. Nicht jeder Sterbende lasse Berührungen zu, und das gelte es zu akzeptieren. Gutes Berühren heisse, den Menschen respektvoll zu berühren und herauszuspüren, was er gerne hat und was nicht. Gutes Berühren sei aber auch, dem Sterbenden Geborgenheit und Sicherheit zu geben. Ein weiteres Schwerpunktthema war die Mundpflege bei einem sterbenden Menschen. Auch diese ist sehr wichtig und kann die Situation des Betroffenen erleichtern.

An den regelmässigen Gruppenabenden bietet sich den Freiwilligen die willkommene Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch. Es entwickeln sich stets angeregte Diskussionen.

Der Hospiz-Dienst Appenzell ist zu erreichen unter der Telefonnummer 078 694 22 20. Angehörige, Spitex-Dienste, Alters- und Pflegeheime, Spitäler und andere Institutionen können sich hier direkt melden. (E-Mail-Kontakt: info@hospiz-appenzell.ch)