Die Fussballmannschaften im Appenzellerland gingen bestens vorbereitet in die Zwangspause

Die Fussballsaison ruht bis mindestens Ende April. Trainer der Appenzeller Vereine sagen, wie sich die Spieler fit halten.

Stephanie Häberli, Mea McGhee
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Die Drittligisten des FC Herisau weilten vor der Coronakrise für ein Trainingslager in Alicante.

Die Drittligisten des FC Herisau weilten vor der Coronakrise für ein Trainingslager in Alicante.

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Im Eishockey, Handball oder Unihockey wurde die Saison abgebrochen. Nicht so im Fussball: Hier ruht das Geschehen – vorerst bis am 30. April. Wie die Fussballvereine im Appenzellerland mit der Situation umgehen, zeigt eine Umfrage bei den Trainern der ersten Mannschaften.

Den Wiederaufstieg vor Augen

Domenico Troccoli, Trainer FC Herisau

Domenico Troccoli, Trainer FC Herisau

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Die Drittligisten des FC Herisau überwinterten an der Tabellenspitze. Das Team des Trainerduos Domenico Troccoli und Costa Simoglou war vor der Coronakrise auf bestem Weg, den direkten Wiederaufstieg zu schaffen. Aus elf Spielen resultierten bei Saisonhälfte zehn Siege und ein Unentschieden. Doch Fussball hat für Troccoli aktuell überhaupt keine Priorität. Er wisse von Spielern und Funktionären, die Nachbarschaftshilfe leisten. Er sagt weiter:

«Wir alle sind täglich mit schwierigen Situationen konfrontiert. Priorität hat die Gesundheit.»

Die Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte sei gut verlaufen. Einige Testspiele wurden bestritten. Fünf Tage bereitete sich die Mannschaft zudem in einem Trainingslager in Alicante vor. «Wir sind froh, dass niemand in Spanien erkrankt ist», sagt der Trainer. Bis kurz vor Abreise sei eine Absage des Camps diskutiert worden und man sei in Kontakt gestanden mit Vereinen, die dort weilten. Letztlich nahmen 30 Mitglieder des FC Herisau teil.

Drei Zuzüge

Aktuell tauschen sich die Spieler mittels Mannschaftschat aus. Dieser werde rege genutzt. «Solange es erlaubt war, sich in grösseren Gruppen zu treffen, gingen jeweils einige Spieler miteinander joggen», erzählt Troccoli. Er habe die Spieler aufgefordert, sich so gut wie möglich fit zu halten. Wichtig sei es dem Staff auch, via Chat Informationen zu filtern. Insbesondere Mitteilungen, die für das Dorf wichtig seien, würden an die Spieler weitergegeben. Über die sportliche Zukunft macht sich Troccoli kaum Gedanken. «Wichtig ist, alle gesund an Bord zu haben, sollte die Meisterschaft wieder aufgenommen werden.» Drei Zuzüge sollen helfen, den Wiederaufstieg zu schaffen: Joel Kurzbauer (Rückkehr vom Konkurrenten Flawil), Marvin Müller (Rückkehr) und Diogo Goncalves (SC Bronschhofen, 2. Liga regional).

Die Trainer setzet auf Eigenverantwortung

Patrik Lenzi, Trainer FC Appenzell

Patrik Lenzi, Trainer FC Appenzell

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Der FC Appenzell hat den Trainingsbetrieb komplett sistiert. Patrick Lenzi, Trainer der Drittligisten, setzt auf die Eigenverantwortung. «Die Spieler sollen sich selber fit halten. Dies wird für die Jungs aber kein Problem sein», sagt Lenzi.

«So wie ich sie kenne, werden sie froh sein, wenn sie dieser Tage etwas zu tun haben.»

Angst, dass mit dieser trainingsfreien Zeit ein Leistungsabfall einhergeht, hat Lenzi nicht. «Ich schätze, dass einzig das Ballgefühl etwas verloren geht.»

Vorbereitung neu beginnen

Juan Isler, Trainer der Erstligistinnen des FC Appenzell

Juan Isler, Trainer der Erstligistinnen des FC Appenzell

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Auch Juan Isler, der Trainer der Erstligistinnen des FC Appenzell, ist überzeugt, dass seine Schützlinge den Sport trotz Trainingsunterbruch nicht ausser Acht lassen. Auch Isler rechnet nicht mit einem Einfluss des fehlenden Trainings auf die Leistung. «Wir sind in einer top Verfassung und wären bestens vorbereitet für die Meisterschaft. Wenn das Training länger ausfallen würde, müssten wir schlimmstenfalls nach den Vorbereitungen direkt wieder mit den neuen Vorbereitungen beginnen», sagt Isler.

Englische Wochen würden zum Problem

Antonio Romano, Trainer der Erstligistinnen des FC Bühler

Antonio Romano, Trainer der Erstligistinnen des FC Bühler

Bild: PD

Die Erstligistinnen des FC Bühler liegen auf einem Abstiegsplatz, daher beschäftigt Trainer Antonio Romano die Frage, wie es weitergeht.

«Wir haben teils weite Anreisen. Sollten Wochentagsspiele nötig werden, stünden wir vor Problemen.»

Erste Auswirkungen auf den Betrieb hatte das Coronavirus am Trainingswochenende. Am Freitag habe man noch trainiert, am anschliessenden Teamanlass aber beschlossen, den Rest abzusagen. Froh ist der Trainer, dass Bühler nicht wie in anderen Jahren ins Ausland gereist ist für die Intensivvorbereitung. Auch dass der Verein sein Hallenturnier durchführen konnte, sei wichtig. Im Wintertraining gab es einen Schwerpunkt: Einmal pro Woche leitete eine Fitnessinstruktorin das Krafttraining. «Wir waren gut vorbereitet», findet Romano. Auch die Rückkehr von Stürmerin Karin Mösli nach langer Verletzung stimmt ihn zuversichtlich. Vom Frauen zwei ist Rahel Meier aufgerückt.

Keine Kontrolle

Marco Pola, Trainer FC Teufen

Marco Pola, Trainer FC Teufen

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«Alle des Teams sollen für sich abwägen, ob sie Sport treiben möchten. Ich kontrolliere sie nicht», erklärt Marco Pola, der Trainer der Drittligisten des FC Teufen. Pola könne sich gut vorstellen, dass seine Schützlinge zurzeit anderes als Sport im Kopf haben. Doch trotz trainingsfreier Zeit pflegt das Team den Kontakt untereinander. «Wir haben einen guten Zusammenhalt. Über den Teamchat tauschen wir uns regelmässig aus.»

Trainingspläne werden verschickt

Bei den Drittligisten des FC Heiden wird das Training während der Coronakrise fortgesetzt: «Ab nächster Woche schicken wir den Fussballern regelmässig Aufträge per Teamchat. Die Jungs können dann selbständig Lauf- oder Techniktrainings absolvieren», sagt Trainier Ulrich Schuler.

Georg Gülünay, Trainer FC Urnäsch

Georg Gülünay, Trainer FC Urnäsch

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Der FC Urnäsch hat sein Training eingestellt. Auf das Trainingslager im Südtirol haben die Viertligisten verzichtet: «Weil Italien schon früher stark vom Coronavirus betroffen war, haben wir das Lager abgesagt», erklärt Trainer Georg Gülünay. «Als Alternative war ein Trainingsweekend in der Region geplant. Dieses fiel leider ebenfalls ins Wasser.»

Velofahren und Joggen

Drittligist FC Speicher hatte ein Trainingslager in Spanien geplant. Die Lage liess dies aber nicht zu. Mit dem Hotel fanden die Speicherer eine gute Lösung. 50 Prozent der Kosten werden erstattet, die andere Hälfte würde bei einem Aufenthalt im nächsten Jahr angerechnet. Auf das Wintertraining hin ist Trainer Christian Huber zurückgekehrt. Er sagt: «Wir haben noch nie so gut trainiert in der Winterpause, und die Jungs waren top motiviert.» Nun halten sich die Spieler individuell mit Joggen und Velofahren fit. Die Rückrunde würde Speicher mit unverändertem Kader aufnehmen, doch Huber glaubt eher nicht an eine Fortsetzung der Meisterschaft. Sollte sein Team absteigen müssen, würde er den Entscheid akzeptieren.